13. Aufbruch nach England

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Am Abend wurde den Göttern für die Überfahrt und die kommenden Kämpfe in England ein Opfer dargebracht.
Doch dieses Mal kein Tier. Es musste etwas Besseres sein und somit wurde ein Jarl geopfert.

Ivar und ich standen Abseits unserer Brüder. Wir beobachteten die Vorbereitungen, als schließlich Floki auftauchte und seine Hände auf meine Schultern legte.
"Die Götter werden mit uns sein.", sagte er leise, bevor Lagertha nach vorne trat, um ihre Pflichten zu erledigen.

Ivar wurde unruhig. Er starrte sie hasserfüllter denn je an.
Nun legte Floki ihm ebenfalls eine Hand auf die Schulter.
Lagertha nahm ein Schwert entgegen und ging auf den Jarl zu.
Sie strich mit der Klinge des Schwertes über den Oberkörper des Mannes, bevor sie das Schwert anhielt und es ihm langsam in den Brustkorb schob.
Er griff nach Lagerthas Schultern und zog sich an sie heran, so dass das Schwert sich den Weg durch seine Eingeweide bahnte.
Er verzog keine Miene, nicht einmal als das Schwert schwungvoll herausgezogen wurde.

Ich sah wie immer begeistert zu.
Der Jarl ging zu Boden und wurde sanft hingelegt.
Lagertha sah durch die Menge, bevor sie die Mitte verließ und sich in die große Halle zurückzog.
Die Menschenmenge löste sich nach einigen Stunden auf.

Ivar kroch zum geopferten Jarl hin und begutachtete ihn.
Floki stand neben mir und beobachtete Ivar.
"Du wirst morgen das erste Mal ein Schiff betreten, Tjara. Du wirst in England das erste Mal in die richtige Schlacht ziehen. Bist du bereit dafür?", er drehte den Kopf zu mir.

Ich nickte, "Meine Brüder haben mir das Kämpfen beigebracht, ich bin immer besser geworden. Und ich werde wie meine Brüder meinen Vater rächen."
Floki grinste mich stolz an.

Am nächsten Morgen wurden die restlichen Schiffe beladen.
Björn versammelte uns am Steg, um eine Ansprache unter Geschwistern zu halten.
Er ging vor uns auf und ab, "Dies ist meine Entscheidung. Wir lehnen es ab die Befehlsgewalt mit anderen Königen und Jarlen zu teilen. Ganz gleich, wer sie sind und wie mächtig sie sind. Und am wenigsten teilen wir sie mit König Harald und seinem Bruder!
Denn die haben vor uns zu stürzen. Habt ihr verstanden?"

Wir nickten alle stumm.
Ich konnte sehen, dass Ivar nicht gefiel, wie Björn sich aufführte und wusste, dass es noch zu einer Diskussion kommen würde.
"Wir sind alle gleich, wir sind Ragnars Kinder. Aber im Kampf sind wir nicht alle gleich.", Björn sah Ivar an, "Also werde ich der Anführer sein. Ich werde die Schlachtpläne festlegen und ich gebe die Befehle, habt ihr das auch verstanden?"
Ubbe, Sigurd und Hvitserk stimmten leise zu.

Ich sah kurz zu Ivar und dann zu Björn.
Er sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Gerade wollte er zum Reden ansetzten, doch dann fiel ihm Ivar ins Auge, der abschätzig mit dem Kopf schüttelte.
"Stimmst du mir etwa nicht zu, Ivar?", Björn blieb stehen und verschränkte die Arme.
Ivar lächelte aufgesetzt, "Ich habe nichts gesagt."

"Es gibt nichts zu sagen. Du bist in einem Alter, in dem du glaubst, dass du alles weißt. Aber was weißt du? Was hast du erreicht? Welche Schlachten hast du gewonnen? Und welche verloren?", Björn sah zu mir herüber, "Und dass du deine einzige kleine Schwester in deine Angelegenheiten mit rein ziehst ist ebenso falsch!"
Ivar sah genervt zu Björn hoch, "Ich ziehe sie nicht mit hinein, ich schütze sie nur. Davon hast du ja leider keine Ahnung."

"Ich hatte auch mal eine Schwester!", schrie Björn ihn an.
Ivar sah sich provokant um, "Und wo ist sie nun?"
Björn kochte innerlich vor Wut. Doch er ließ sich nicht provozieren und fuhr fort.
"Es ist deine Entscheidung, wenn du nicht auf mich hören willst. Aber ich bin der Anführer dieser großen Streitmacht. Nur ich! Und du, du gehorchst mir!", schrie Björn meinen Bruder an.
Doch Ivar grinste nur, er schien Björns Gerede nicht ernst zu nehmen.
Ich musste das, Grinsen unterdrücken, denn es sollte hier nur um die Rache an Aelle und Egbert gehen.

Nach seiner Ansprache ging Björn an uns vorbei und ging zurück in Richtung Dorf.
Ivar wurde von unseren Brüdern mit einem genervten Blick angesehen.

"Nur weil er der älteste ist, muss er nicht unbedingt der Anführer sein!", rief ich und stand auf.
Ubbe tat es mir gleich, "Björn hat die größte Erfahrung. Er weiß was zu tun ist. Das hat rein gar nichts damit zu tun, dass er der älteste ist."
Ich hoffte auf Hilfe meiner Brüder, doch sie blieben stumm, selbst Ivar.
Ich verließ den kleinen Steg, um mich auf den Weg auf eines der Schiffe zu machen.

Ich stellte mich an die Spitze eines Schiffes und sah den Fjord hinunter.
In den kommenden Wochen werde ich mehr erleben, als ich je in den ganzen Jahren in Kattegat erlebt hatte.

Als die Schiffe abgelegt hatten bemerkte ich, dass sich Ubbe zu mir gesellt hatte.
Er stand hinter mir und legte schließlich eine Hand auf meinen Kopf.

Es vergingen viele Tage und Nächte, bis wir endlich Land erblickten.
Ich war sehr aufgeregt und hielt mich an meine Brüder, als wir an Land sprangen.
Mir war egal an welchen, Hauptsache ich konnte wenigstens einen von ihnen sehen.

Wir gingen immer weiter Land einwärts.
Dieses Land schien wirklich andere Landschaften zu haben, als unseres.
Ich griff im Gehen nach dem Gras, welches schön Grün war.
Unsere Gruppen wurden langsamer und stoppten schließlich ganz.

Ich stand mit Floki weit vorne, an der Spitze unserer Streitmacht. Ich sah in der Ferne vor uns einige Krieger.
Da kam Ivar auf seinem neuen Gefährt angeritten und hielt direkt neben uns. Floki hatte ihm Tatsächlich eine Art Kutsche für den Kampf gebaut.
Hinter ihm tauchten meine Brüder auf und zogen ihre Waffen.

Als sich alle versammelt hatten fing die Menge an zu schreien.
Björn gab schließlich das Signal zum Angriff.
Ich lief wie alle anderen in den Kampf.
Mein Schwert hatte ich fest in der rechten Hand, mein Schild in der anderen.

Es war eine leichte Schlacht, denn wir waren eindeutig in der Überzahl. Bevor einer der gegnerischen Krieger an mich heran kommen konnte wurde er auch schon getötet.

Alle gegnerischen Männer, bis auf König Aelle wurden umgebracht.
Björn trat an ihn heran und schlug ihn zu Boden.
Aelle wurde an Ivars Kutsche befestigt und hinterher gezogen.
Er sollte uns zeigen, wo unser Vater starb.
Nach einem langen Fußmarsch hielten wir an.
Ubbe und ich machten Aelle los.
Björn packte sich ihn und fragte ihn auf der merkwürdigen Sprache, die sie hier sprachen, wo unser Vater nun genau starb.
Der König deutete auf eine kleine Lichtung im Wald.
Ubbe nahm Ivar auf den Rücken und wir gingen zu der Lichtung.
Wir fanden die Grube und öffneten sie.
Ich trat an sie heran und blickte hinunter.
Hier starb mein Vater also. Alleine in einer dunklen Grube.
"Hier wurde unser Vater hingerichtet.", unterbrach Ivar die Stille.

"Wie die kleinen Schweinchen Grunzen werden, wenn sie hören, wie der alte Eber gelitten hat.", warf Björn ein und sah Aelle in die Augen, der vor Angst schon fast zitterte. Er sprach nun mit Björn, jedoch konnte ich ihre Sprache leider nicht verstehen. Ivar begann nun Aelle zu antworten.

Plötzlich tauchte Floki auf und drückte Aelle in die Knie.

Er ist mein BruderGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt