Grausame Besessenheit

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Der Knoten in meinem Bauch wurde enger, als ich mit meinem verschlafenem Kopf versuchte, eine Lösung zu finden. „Die Adresse... vielleicht hat Cedric irgendwas damit zu tun?", „Wer ist das?" Besorgt erwiderte ich ihren verunsicherten Blick. „Ihr ehemaliger Hybrid. Ein Stalker und ein Freak, deswegen hat sie sich von ihm getrennt. Aber er kommt damit nicht klar.", „Warum sollte sie zu ihm zurückgehen, mitten in der Nacht?"

Kopfschüttelnd betrachtete ich wieder die Adresse auf meinem Handy. „Weiß ich nicht.", „Und was machen wir jetzt?"

Verzweiflung schwang in Lillys hellen Stimme mit, als auch sie anfing, sich anzuziehen. „Wir sagen Vincent nichts.", entschied ich murmelnd. „Das ist zu gefährlich für einen Carrier. Ich rufe Carlos an und wenn er abnimmt... dann gehen wir zur Adresse."

Und wenn er nicht reagiert? Sollten Lilly und ich alleine versuchen, Nema zu retten? Nachdem ich anfing, nach Carlos Nummer zu suchen, verlangsamten sich meine Bewegungen. Ich hatte Angst. Der Gedanke ließ meine Knie weich werden, mein Herz schneller schlagen. Bitte...! In Gedanken flehend, hielt ich das Handy an mein Ohr. Es klingelte. Und klingelte. Meine Finger wurden schwitzig. Und grade, als ich dachte es brachte nichts, nahm jemand auf der anderen Seite an. „Was willst du um diese Uhrzeit?", grummelte die verschlafene, männliche Stimme. „Tut mir leid, aber Nema ist weg! Ich bin mir nicht sicher, ob sie vielleicht bei Cedric ist... Können wir uns bitte irgendwo treffen?"

Ich fühlte mich wie ein kleines, hilfloses Kind. Stille. Dann ein Rascheln. „Okay. Wo treffen wir uns?", eilig sah ich Lilly an. „Weißt du, wo das ist? Er will sich mit uns treffen!"

Nickend antwortete sie: „Das ist in der Nähe des Parks."

Als ich Carlos den Treffpunkt erklärte, begann er zu seufzen. „Bis ich angekommen bin, dauert das mindestens 15 Minuten, wenn ich mich beeile. Um diese Zeit fährt kein Bus mehr.", „Egal, wir warten. Bis gleich!"

Dann legte ich auf und Lilly und ich starrten uns mit demselben, entsetzten Ausdruck an. „Wie lange gehen wir ungefähr?", fragte ich schließlich. „Ich weiß nicht genau, ähnlich wie Carlos?"

Ich nickte. „Gut, dann gehen wir jetzt sofort los.", wohl wissend, dass Cedric uns auch unterwegs überraschen könnte. Aber etwas Besseres fiel mir nicht ein. Und selbst wenn er Nema irgendwie gekidnappt hatte, könnte uns keine Polizei helfen. Ich war mir sicher, er würde samt Energie bis zum letzten Rest kämpfen und bis Celeste auftauchte, um sie ihm zu rauben, wäre wer weiß was mit Nema geschehen.

Trotz zittriger Beine machten wir uns auf den Weg und schlossen leise die Haustür ab. Draußen umwehte eine frische, nächtliche Brise die stillen, dunklen Häuser, vor dem leeren Bürgersteig. Plötzlich wurde mir einmal mehr bewusst, was wir vorhatten. Panik erfasste mich, ließ mich innehalten. Das veranlasste auch Lilly zum Stoppen. „Was ist los?"

Ihrer Stimme nach zu urteilen, machte sie Ähnliches durch. „Tut mir leid, beeilen wir uns!" Kopfschüttelnd versuchte ich mich zusammenzureißen. Mit rasendem Herzen setzte ich mich in Bewegung. Hoffentlich ist das alles nur ein schrecklicher Traum...


Ich fürchtete mich den ganzen Weg lang davor, dem verrückten Hybriden zu begegnen, doch es blieb still. Jedes Geräusch, jedes nahende Auto ließ uns zusammenzucken. Wir sprachen kein Wort miteinander. Stattdessen eilten wir zum besagten Treffpunkt, immer darauf gefasst, angegriffen zu werden. Der Weg zog sich und zog sich. Ich hatte das Gefühl, die längsten 15 Minuten meines Lebens überstehen zu müssen. Doch dann, endlich kamen wir vor dem Neubau beim Park an. Carlos war nirgends zu sehen, was zusätzliche, unerträgliche Wartezeit hinzufügte. So unerträglich, dass Lilly nach einer Weile meine Hand ergriff und sie ängstlich drückte. Um ehrlich zu sein, war ich ihr dafür dankbar. Also erwiderte ich es. Erst, als Carlos um die Ecke des Gebäudes eilte, konnte ich zumindest ein kleines bisschen aufatmen. Er trug eine dunkle, dünne Jacke, dessen Kapuze er sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Aber sein Partner war nirgends zu sehen. „Carlos, ein Glück!", begrüßte ich ihn leise und machte einen Schritt auf ihn zu. „Wo ist Dan?", „Habe ihn schlafen gelassen. Ist zu gefährlich. Und du bist?" Er sah zur kleinen Hybridin herab. „Lilly.", hauchte diese ängstlich. Nebenbei schaltete ich mein Handy ein und hielt es ihm hin. „Ich weiß wo das ist. Da wohnt der Freak."

Azure ☆ Straying BirdWo Geschichten leben. Entdecke jetzt