Unsicherer Weg

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Fragend stützte mein Partner den Ellbogen auf dem Tisch ab. „Kommt sie ins Tierheim?"

Das könnte es sein! Unsicher begann ich zu nicken. „Bestimmt. Ich denke schon, dass sie einen Schlüssel hat. Die Mitarbeiter da scheinen ja wie eine Familie für sie zu sein."

Nun doch etwas entschlossener, stand ich auf und sah Vincent an. „Ich muss los! Falls irgendwas sein sollte, schreibe ich dir, okay?", „Mach das. Es sollte noch ein Bus fahren."

Schulterzuckend begann ich zu grinsen. „Ich bin hier noch nie wirklich Bus gefahren. Keine Ahnung wie die Zeiten sind."

Und damit drehte ich ihm den Rücken zu.


Die Nacht war kalt und klar. Über mir funkelten tausend wunderschöne Sterne. Nur der Mond fehlte, sorgte für eine tiefe Dunkelheit, welche sich über die still gewordene Stadt legte.

Hauptsache, ich verlaufe mich nicht. In meinem Kopf begann ich, Wege zusammenzuknüpfen. Vom Marktcenter, zum Tierheim. Konnte doch nicht allzu schwer sein. Es lag in der Gegend, in welcher Lilly und Kira wohnten. Zumindest hatte ich also schon eine Richtung.

Noch immer irgendwie unsicher, begann ich, schneller zu laufen. Was, wenn sie doch nicht da ist? Männerstimmen drangen aus der Ferne an mein Ohr. Betrunken störten sie durch ihr Grölen die nächtliche Ruhe und schienen einen alarmierten Hund zu wecken. Dann wurde es wieder still.

Irgendwie fiel es mir schwer, Lilly ohne Kira vorzustellen. Auch, wenn ich nie so viel mit ihrem Carrier zu tun hatte. Den Frieden genießend, atmete ich tief durch. Inzwischen war ich so selten alleine, dass ich den Weg als wirklich angenehm empfand. Dieses Mal wollte ich mich revanchieren. Dafür, dass sie mich bei unserem richtigen, ersten Treffen, so aufgenommen hatten. Sie kannten mich kaum, halfen dennoch offen und einladend.


Hier bin ich richtig! Die Gegend kam mir immer bekannter vor. Auch die Straßen, die ich mit Vincent, Lilly und... Nema gefahren war. Plötzlich musste ich innehalten, als mir ein schmerzhafter Klumpen Bauchschmerzen bereitete. Die Beiden wären sicher gute Freunde geworden. Kopfschüttelnd setzte ich mich wieder in Bewegung. Dafür war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.

Und dann, endlich. Als die Häuser seltener wurden und immer weniger Laternen den Asphalt mit ihrem warmen, orangen Licht erhellten, erkannte ich, das eingezäunte Gebiet. Im Tierheim brennt noch Licht! Der weiße Vorhang versperrte mir zwar die Sicht, doch jemand hielt sich im Aufenthaltsraum auf. Mein Herz machte einen erleichterten Satz. Sie ist hier!

Schnellen Schrittes ging ich auf das Außentor zu, welches verschlossen war. Kann doch nicht wahr sein...

Als ob ich mich davon abhalten lassen würde. Nur, damit sich herausstellt, dass das nicht Lilly ist und ich einfach so eingebrochen bin. Missmutig fasste ich an das kalte Metall. Zaun, sowie Tor waren sicher fast das doppelte meiner Größe. Na gut, nicht ganz. Trotzdem haderte ich mit mir, sah mich dann jedoch um. Es ist dunkel, mich sieht keiner. Worauf warte ich eigentlich noch? Entschlossen packte ich die Stäbe, so weit oben wie möglich. Mit dem Fuß suchte ich Halt in dem Blättermuster des Tores. Und hoch! Als ich zu rutschen drohte, nutzte ich so dezent wie möglich, mein Eis. Es dauerte eine Weile, bis ich die oberste Stange zu fassen bekam. Mein Glück, dass die Hundezwinger nicht vorne liegen. Geschafft vom Tag, zog ich mich keuchend hinauf und schlang ein Bein um das kalte Metall. Mit Blick nach unten ließ ich mich dann doch einfach fallen. Ein Ruck schüttelte meinen Körper durch, angestrengt ging ich ihn die Knie, um das Gleichgewicht zu halten, während ich dumpf auf dem Weg landete.

Azure ☆ Straying BirdWo Geschichten leben. Entdecke jetzt