Kapitel 27

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Lily:

Es war Montag. Das hieß, heute würde die Schule wieder beginnen. Ich war schon etwas nervös. Zum hundertsten Mal betrachtete ich mich im Spiegel. In meine sonst glatten Haare, hatte ich mir heute Locken gemacht, mein Make-up war dezent. Ich trug ein dunkelblaues T-Shirt und eine knielange Jeans, dazu meine schwarzen Chucks.

Es klopfte an meiner Tür und Papa steckte den Kopf rein. „Hey Lily, bist du soweit? Ich fahr dich zur Schule, außer du willst doch mit Maxi oder Nerv mitfahren?" Maxi und Nerv hatten mir angeboten mich zur Schule zu bringen, aber ich hab abgelehnt. Ich wollte nicht mit ihnen zur Schule fahren. Maxi würde sowieso in jeder freien Minute an mir kleben. Deswegen wollte ich, auf dem Weg zur Schule, einfach noch ein bisschen Ruhe. Papa und ich hatten gestern noch ein langes Gespräch wobei ich ihm erklärt hatte, dass ich es zwar sehr schätze dass er und Maxi versuchten mich abzulenken indem sie irgendwie ständig bei mir waren, aber ich es nicht wollte. Es war mir einfach zu viel. Ich hatte quasi keine Luft zum Atmen. Papa hat es nach einiger Zeit dann doch verstanden, aber begeistert war er noch immer nicht. Vor allem, da ja Paul jederzeit auftauchen könnte. Mit Maxi konnte ich gestern nicht mehr reden, denn der war dann nochmal bis spät abends mit seinen Freunden unterwegs. Aber das würde ich schon bald nachholen.


15 Minuten später kamen wir auch schon in der Schule an. Und welch Wunder, kaum hatte Maxi mich erblickt, war er schon an meiner Seite, wie ein Hündchen. „Hey Lily, wieso wolltest du denn nicht mit uns mit?" fragte er, kaum dass er bei mir stand.

„Man Maxi, ich will einfach mal meine Ruhe haben, okay?" fuhr ich ihn sofort an. Schon langsam war es mehr als nur nerven. Er machte Nerv schon Konkurrenz. Dann sah ich ihn und begann zu lächeln. Markus lächelte zurück und winkte mir zu. Seit Markus bei mir in Stuttgart war, hat sich irgendetwas zwischen uns geändert. Auch wenn wir uns seither nicht mehr gesehen haben, wir hielten telefonisch Kontakt. Maxi folgte meinem Blick und seine Miene verfinsterte sich. Mein Bruder griff nach meiner Hand und zog mich mit sich. „Komm, ich bring dich ins Sekretariat." Ich entriss ihm meine Hand. „Lass mich los Maxi, ich kann alleine laufen." fuhr ich ihn an. Neugierige Schüler blickten uns an, während wir schweigend ins Sekretariat gingen. Dort stellte mich Maxi vor, fast fühlte ich mich schon wie mit Paul. Der sprach ja auch immer für mich. „Danke, aber stell dir vor, ich kann für mich selbst sprechen. Ich bin nicht du!" zischte ich ihm zu, als sich die Sekretärin umdrehte um meinen Stundenplan raus zu suchen. Maxi hatte mir davon erzählt, dass er damals nicht sprach. Wütend funkelte er mich an. Sein Verhalten bei meiner Ankunft vor circa 3 Monaten war nichts im Vergleich zu jetzt.

„Hier, bitteschön, das wär dann dein Stundenplan und deine Bücher. Alles gute hier." Damit drückte mir die Sekretärin meinen Stundenplan und Bücher in die Hände. Ich bedankte mich höflich und ging, ohne Maxi noch eines Blickes zu würdigen raus.

„Was sollte dass den eben?" Natürlich lief er mir sofort hinterher. Was sonst.

„Sag mal, bist du jetzt eigentlich mein Hund oder warum läufst du mir die ganze Zeit hinterher? Ich denke ich bin diejenige die zu fragen hat was dass soll!" Wir kamen vor meiner neuen Klasse an. Mit einem Blick rein, erkannte ich Raban und Joschka. „Weißt du was, Maxi? Lass mich einfach in Ruhe!" Wütend stapfte ich in meine Klasse, auf Raban und Joschka zu. „Hey Lily! Alles okay?" begrüßten mich die beiden. „Nein, Maxi ist unausstehlich. Er lässt mich nicht mehr aus den Augen. Seit ich von meinen Großeltern zurück bin ist es noch schlimmer geworden." teilte ich den beiden mit. „Er macht sich einfach nur Sorgen. Vor allem wo doch Paul erst gestern aufgetaucht ist." meinte Raban. Meine Augen weiteten sich. „Was? Wo ?"

„Gestern, am Teufelstopf. Aber keine Sorge, wir haben ihm klar gemacht dass er verschwinden und dich in Ruhe lassen soll." grinsten die beiden mich an. Oh, wenn die wüssten.


Es klingelte zur großen Pause. Raban und Joschka wollten gerade fragen ob ich denn mit ihnen mitkomme als das Mädchen, Leana, neben dem ich saß auch schon fragte ob ich die Pause mit ihr und ihren Freunden verbringen wollte. Maxi wollte ich sowieso gerade nicht sehen und allein aus Trotz stimmte ich sofort zu. Wir saßen also nun im Hof auf einer der Bänke und unterhielten uns. Die Gruppe bestand aus zwei Mädels und zwei Jungs.

„Und du bist also die Schwester von Maxi? Ich dachte eher dass du seine Freundin bist, so wie der zu uns rüber gafft." meinte Cindy. Sie war schwarzhaarig, etwa so groß wie ich. „Wir wissen doch alle wie „die wilden Kerle" sind. Wage dich in ihre Nähe und du spürst ihren Zorn....uhhhhh!" machte Thomas. Dabei machte er beim Mannschaftsnamen meines Bruders mit seinen Fingern Anführungszeichen. Die anderen lachten. Ich betrachtete Thomas, er war groß, so wie Markus dachte ich mir und musste grinsen. Er hatte braunes kurzes Haar und war sehr muskulös und extrem nett. Die anderen beiden, Leana und Christopher, sie waren zusammen, sahen in etwa genauso wie die anderen beiden aus. Leana hatte schwarze kurze Haare und Christopher war blond. „Wie meinst du das Thomas?" Das interessierte mich jetzt schon, was er damit jetzt meinte.

„Einmal habe ich mit Vanessa, Leons Freundin, zu lange geredet. Leon hat einen Aufstand gemacht als wollten wir sie aus seinem Team zu uns rekrutieren. Der ist total irre der Typ." erzählte Thomas. „Ganz so war das aber auch nicht, Thomas. Du hast Vanessa angeflirtet." lächelte Leana. „Ach, und wenn schon. War ja nicht so, als hätte es ihr nicht gefallen." grinste er.

Irgendwie brachte mich das zum Lachen. „Ohoh...da kommt auch schon der Big Brother..." grinste Thomas und legte provozierend einen Arm um mich. Es war mir total unangenehm, ich akzeptierte zwar inzwischen Berührungen von meiner Familie aber bei Fremden war es doch noch sehr unangenehm. Als ich jedoch sah wie Maxi das anscheinend störte, ließ ich es zu.

„Können wir kurz reden, Lily? Allein?" Ich sah zu den anderen am Tisch, dann erhob ich mich und sagte „Klar." Wir gingen ein paar Schritte weg, so dass sie unser Gespräch nicht mit anhören konnten. „Lily, Raban und Joschka haben mir erzählt dass sie dir gesagt haben dass Paul gestern da war, am Teufelstopf." Bei der Erwähnung von Paul zog sich alles in mir zusammen. „Ich will nur, dass du weißt dass ich für dich da bin, okay? Ich pass auf dich auf." Ich sah Maxi an wie ein Reh im Scheinwerferlicht. „Was willst du mir damit jetzt bitte sagen?" erwiderte ich kalt. „Lily, ich will dass du die Pausen mit uns verbringst, so kann ich besser für dich da sein. Was wenn er hier auftaucht? Glaubst du denn wirklich dass die vier da vorn auf dich aufpassen würden?" Ich sah ihn fassungslos an. „Du bist keinen Dreck besser als Paul! Verpiss dich Maxi und lass mich in Ruhe!" Damit drehte ich mich um und ging zu meinen neuen Freunden zurück.

Maxi:

Sie ließ mich einfach so stehen. Ich konnte es nicht fassen. Begriff sie denn nicht dass ich einfach nur das beste für sie wollte? Hätte ich ihr sagen sollen was Paul gesagt hat? Würde sie dann auf mich hören? „Maxi, vielleicht übertreibst du ja auch ein bisschen." Ich drehte mich um. „Ich und übertreiben? Du hast doch selbst gehört was er gestern gesagt hat! Ich hab meine Schwester schon einmal im Stich gelassen, das passiert mir kein zweites Mal, Leon!" schnauzte ich Leon an.„Maxi.." begann er, doch ich unterbrach ihn augenblicklich. „Nein, nicht Maxi!" Ich stapfte wütend davon.

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