Kapitel 8

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Kapitel 8

Lily:

„Also gut Fräulein Andersen, das sieht sehr gut aus. Es ist alles gut verheilt und wir können den Gips weglassen. Trotzdem sollten sie den Arm aber noch eher ruhig stellen." Der Arzt drehte sich zu seinem Diktiergerät und redete hinein. Danach verabschiedete er sich von mir und ich verließ das Untersuchungszimmer. Draußen wartete bereits Maxi auf mich. Papa musste arbeiten und so wollte mich Maxi ins Krankenhaus begleiten.

„Und, alles okay?" Maxi erhob sich aus seinem Stuhl und kam auf mich zu. Ich lächelte ihn an und nickte. Erstaunlich was sich in den letzten zweieinhalb Wochen zwischen uns entwickelt hatte. Wenn ich daran dachte wie er die ersten Tage auf mich reagiert hatte und jetzt, es war als wären wir schon immer Bruder und Schwester gewesen. Ich hatte schnell gemerkt dass Maxi ein sehr einfühlsamer Mensch war. Die letzten Tage sind wir oft in seinem oder meinem Zimmer bis spät in die Nacht gesessen und hatten geredet. Ob über sein oder mein Leben mit den wilden Kerlen, oder den Unfall. Inzwischen hatte ich meine Trauer, dank Maxi, ziemlich gut im Griff. Wenn es ums zuhören ging, war Maxi ein echt toller Ansprechpartner.

Wir verließen das Krankenhaus und beschlossen noch in der Stadt etwas essen zu gehen, es war jetzt kurz vor Mittag und wir bekamen doch schon etwas Hunger.

„Also, worauf hast du denn Lust? Ich kenne einen super Italiener der nicht weit weg von hier ist. Der würde sich übrigens auch super für ein romantisches Date eignen." Maxi wackelte mit seinen Augenbrauen. Was wollte er denn damit andeuten?

„Klar, wenn du das sagst." erwiderte ich nur lachend. In den letzten Tagen blühte ich wieder mehr auf und hatte auch wieder mehr Lust am Leben. Die Alpträume mit Paul wurden immer weniger und ich wusste, dass ich das größtenteils Maxi und Vanessa zu verdanken hatte, sie versuchten wirklich alles, mich in ihr Leben einzubeziehen. Auch Paul hatte sich seither nicht mehr gemeldet und ich war so unendlich froh darüber. Mit Markus hatte ich mich inzwischen auch schon etwas mehr unterhalten. Er hatte mir erzählt dass er eine Werkstatt besitzt und wollte mir diese auch mal zeigen. Natürlich haben dass die anderen wilden Kerle mitbekommen als er mir das anbot und es fielen ein paar „Uhhh's" und manche wackelten vielsagend mit ihren Augenbrauen. Genauso wie Maxi jetzt.

Der Italiener war quasi um die Ecke. Wir setzten uns auf die Terrasse und bestellten unsere Getränke, die wir auch sehr schnell bekamen. Unser essen hatten wir auch sehr schnell ausgewählt, für Maxi gab's Pizza und ich bestellte mir Tortellini. Nachdem der Kellner unsere Bestellung aufgenommen und weggegangen war, begann Maxi zu reden. „Was hältst du eigentlich von Markus? Du hast dich in letzter Zeit sehr viel mit ihm unterhalten."

„Er ist ein toller Gesprächspartner, ja." Was hielt ich eigentlich von ihm, das war eine gute Frage. Ich freute mich immer sehr wenn ich ihn sah, auch nach dieser kurzen Zeit. Wir unterhielten uns gut und trotzdem blieb ich immer etwas distanziert. Ich durfte mich nicht auf ihn einlassen, auch wenn mein Herz jedes mal einen kleine Sprung machte wenn ich ihn sah. „Uuuund? Da ist doch noch mehr, ich seh's in deinen Augen." grinste mich Maxi an. „Was soll da schon sein? Ich denke dass wir Freunde sind, mehr nicht."

„Sicher? Denn was ich sehe, sind zwei Personen die..." weiter kam er nicht denn der Kellner kam mit unserem essen. Ich wünschte Maxi einen guten Appetit und somit signalisierte ich ihm dass das Thema vom Tisch war. Zumindest für mich. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen war er aber noch nicht fertig, aber er beließ es erst mal dabei. Wir aßen und bezahlten bevor wir uns auf den Weg nach Hause machten. Inzwischen war es schon Nachmittag und am Abend wollten Maxi's Freunde kommen um zu grillen.


Maxi:

Da war doch mehr, das konnte ich an ihrer Reaktion sehen als ich sie nach Markus gefragt hatte. Aber ich konnte nicht wirklich sagen was es war. Einerseits sah sie so aus, als wäre sie einer Freundschaft zu Markus nicht abgeneigt sein, wenn nicht sogar mehr als das, aber auf der anderen Seite war sie ihm gegenüber so distanziert sobald er versuchte ihr etwas näher zu kommen. Das zeigte sich allein schon daran wenn sie miteinander sprachen. Als würde sie einen Sicherheitsabstand zu ihm einhalten. Mit jedem Schritt dem er ihr näher kam, entfernte sie sich wieder von ihm. Aber ich hab mir vorgenommen herauszufinden warum sie das tat. Bis jetzt ist sie meinen Fragen, ob sie denn einen Freund habe immer geschickt ausgewichen, was bedeutete, entweder war sie Single und schämte sich aus irgendeinen Grund dafür oder sie hatte einen Freund, aber warum sollte sie diesen dann verheimlichen? Hatte sie Angst unser Vater würde es erfahren und es nicht gut heißen? Klar, sie war erst 16, aber in dem Alter war es doch voll normal dass man sich für das andere Geschlecht interessierte. „Hallo? Erde an Maxi, wir müssen hier gleich raus." Oha, ich war etwas in meine Gedankenwelt abgedriftet und hatte gar nicht mitbekommen dass mich Lily angesprochen hatte. Wir stiegen an unserer Haltestelle aus und gingen die paar Meter nach Hause. Vor unserer Einfahrt parkte ein Auto dass ich hier noch nie gesehen hatte. Es war ein schwarzer Mercedes. Ich bemerkte wie Lily plötzlich stehen blieb als sie das Auto sah. „Nein, das kann doch nicht ..." weiter kam sie nicht denn schon wurde unsere Haustür geöffnet und die Hexe persönlich stand in der Tür. „Lillien! Du hast Besuch!" Jegliche Farbe wich aus Lily's Gesicht. Was war denn jetzt los?

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