10. Die Neue(n)...

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Mittlerweile war ich schon 2 Monate bei Joey und hatte mich allmählich an das Leben hier gewöhnt. Dennoch gab es Situationen, in denen ich gerne wieder bei meinem Team wäre. Bei Joey hatte sich herausgestellt, dass er einen sehr wechselbaren Charakter hatte. Erst war er freundlich und einfühlsam und vom einen auf den anderen Moment könnte er mich mit seiner Peitschte totschlagen. Erst gestern hatte er mich geschlagen, weil ich ihn einmal kurz angeknurrt hatte. Als ich Mona darauf angesprochen hatte, sagte sie nichts dazu. Die Wunde, die Joey mir mit der Peitsche verpasst hatte, ging bis ins Fleisch und brannte höllisch. Aber damit musste ich Leben. Ich fragte mich, wie Mona all die Jahre bei ihm ausgehalten hatte. Mich verwirrte das ziemlich. Bei Mona hatte ich nicht eine Narbe gefunden...

Ich lag zufrieden in meinem Hundekörbchen und wärmte mich an den Sonnenstrahlen, welche durch das Fenster schienen, auf. Die Tür ging auf und Michael kam herein. "Guten Morgen, mein Junge." Sagte er zu mir und kraulte mir den Hals, dann legte er mir das Halsband an und machte die Leine daran fest. "Komm wir gehen Gassi!" Sagte er und ging los. Ich folgte ihm freiwillig. Filou lebte noch immer bei mir und das würde sich auch nicht ändern. Sie blieb im Körbchen liegen und genoss die Sonnenstrahlen, die ihr weiß-braunes Fell erwärmten. Noch vor ungefähr einem Monat war sie schneeweiß gewesen, mittlerweile bekam sie leichte, rotbraune Flecken. Ob sie einmal ganz rotbraun werden würde?

Michael lief vom Hof. Unser heutiger Spaziergang führte uns durch den Wald. Irgendwann gingen wir einfach vom Weg ab und kamen zu einem kleinen Teich. Michael setzte sich auf einen Stein. "Wenn ich könnte, hätte ich die Station schon längst verlassen... aber ich brauche das Geld und ich kann die Hunde nicht einfach im Stich lassen" seufzte er. Ich konnte das nicht verstehen. Er liebte doch die Arbeit mit den Hunden und Joey konnte er gut leiden. Andererseits gab es viele Geheimnisse hier. Schon lange hatte ich beschlossen, herauszufinden was hier eigentlich los war. Ich würde Mona noch einmal fragen.

Michael und ich blieben noch ungefähr eine viertel Stunde an dem kleinen Teich. "Komm, Sky. Wir gehen wieder nach Hause." Sagte Michael dann. Wir liefen zurück auf den Weg. Ich hörte Geräusche, die von einem Metallmonster kamen. In dem Moment kam ein riesiges Metallmonster um die Kurve und fuhr uns beinahe um. Er fuhr in Richtung Hof. Michael rannte plötzlich los, ich ihm hinterher.

Auf dem Hof angekommen, sah ich das Metallmonster und einen Mann, welcher, wie es aussah, mit Joey verhandelte. "600€ höher gehe ich nicht!" Sagte Joey und der Mann nickte, nahm sich die Papierscheine aus Joeys Hand und öffnete das Metallmonster hinten. Er nahm 3 Transportkisten heraus und stellte sie Joey vor die Füße. "Die beiden Dalmatiner und der Husky." Sagte der Mann und nahm ein Blatt Papier aus seiner Hosentasche. "Eine Unterschrift und ich bin weg." Meinte der Mann und hielt Joey den Bogen hin. Joey unterschrieb auf dem Blatt und der Mann verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Ich schnupperte an eine der Transportboxen. Darin befand sich anscheinend die Hündin, sehen konnte ich sie jedoch nicht. Erst nach einer Weile sah ich eine Braun-weiße Hündin mit einem blauen und einem bernsteinfarbenem Auge. Irgendwie gruselig, doch es gefiel mir. Joey schloss das Tor des Hofes und ließ die Huskyhündin aus der Box. Sie prüfte die Luft. "Lucy, lange nicht gesehen!" Ertönte eine Stimme aus der Richtung des Gebäudes. "Hey Mona." Sagte die Hündin trocken und schaute mich flüchtig an. Sie lief zu Joey und legte sich vor seine Füße. Verwirrt schaute ich zu Mona. "Was ist das denn für ein Auftritt?" Fragte ich und setzte mich. Michael machte mir das Halsband ab und streichelte mir kurz über den Kopf, dann ging er ins Haus.

"Lucy, wir haben Zuwachs." Sagte Mona und deutete auf mich. "Das ist..." Lucy stand auf. "Sky, ich weiß." Ich staunte nicht schlecht. Woher kannte sie bloß meinen Namen?! "Ich habe so meine Kontakte. Es bringt nichts, sich gegen die Menschen wehren. Ich habe es versucht." Sie kam auf mich zu. "Pass auf... ich kenne jeden Streuner, jeden Haushund in dieser Gegend. Dich habe ich erst vor kurzem kennengelernt. Wie hast du es geschafft so lange vor mir und den Menschen versteckt zu bleiben? Das hat noch nicht einmal Lexio geschafft!" Ich stellte die Ohren auf. "Lexio, wo ist er? Wo hast du ihn gesehen?!" Fragte ich Lucy aufgeregt. "D-du kennst Lexio?" Fragte Lucy überrascht. Ich nickte. "Ich war mein Leben lang mit ihm und meinen beiden Geschwistern unterwegs!" Meinte ich. "Also, wo ist er?" Solangsam wurde ich ungeduldig.

Sky - Hunde an die MachtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt