Wenn ein Welpe das Licht der Welt erblickt, denkt er nicht daran, was als nächstes passieren könnte. Er denkt in diesem Moment an so ziemlich gar nichts. Vielleicht denkt er daran, dass es die warme Milch oder das weiche Fell seiner Mutter ist, die ihn grad ziemlich glücklich und sorgenfrei macht. Aber woher soll ein kleiner Welpe, der noch nicht einmal sehen, hören oder laufen kann, wissen, ob gleich etwas passiert? Und wie schlimm die Auswirkungen sind? Erst wenn er urplötzlich von seiner Mutter entrissen wird und aus Panik und Angst seine Augen viel zu früh öffnet, wird er merken, dass etwas um ihn herum passiert ist und er die warme Milch und das weiche Fell nicht so einfach zurückholen kann. Und wer glaubt schon daran, dass er sich nach so langer Zeit an dieses Gefühl der Geborgenheit aber auch an das Gefühl der Angst zurückerinnern würde? Wer glaubt schon daran, dass es nur einen Moment brauchte, bis er sich an diese wenigen Minuten als Welpe erinnern würde?
"Sky? Bist du das?" Ich schnellte hoch. War ich etwa eingeschlafen? Ich sah zu der Tür hinter der die Hündin lag. "Sky, wie schön dich zu sehen. Liegst du schon hier seit wir uns gestern gesehen haben." Ich drehte mich um und sah einer hübschen braun-weißen Hündin direkt ins Gesicht. "Mona?" noch völlig verwirrt blickte ich zu ihr. "Ja, ich bin es. Wie geht es dir? Wie geht es den anderen?" So schnell sie redete, konnte ich gar nicht mitdenken. Stotternd erzählte ich ihr, dass es mir gut ging und ich noch immer darauf wartete zu dieser Streunerin zu dürfen. Dann sah ich zu der Tür. "Sag mal hast du gesehen ob sich die Tür dort mal geöffnet hat?" fragte ich sie etwas abwesend. Sie sah zu der Tür hinüber. "Nö, nicht wirklich. Bin grad erst hereingekommen. Warum? Wer liegt denn dort?" Sie schien über die Gegebenheiten hier Bescheid zu wissen. "Nun..." Die Tür öffnete sich als ich es ihr gerade erklären wollte. "Mona, tut mir leid, ich muss los, wir sehen uns." Viel zu spät wurde mir bewusst, wie enttäuscht sie jetzt sein musste. Wie schnell würden wir beide uns wieder sehen? Doch daran durfte ich im Moment keinen Gedanken verschwenden. Dort in dem Raum konnte womöglich meine Mutter liegen und wer wusste schon wie viel Zeit ihr noch blieb?
"Sky?" Die Streunerin versuchte mit mir zu reden, obwohl sie sehr schwach war. "Ich konnte euch damals nicht behalten. Sie waren hinter mir her, sie wollten mich fangen. Ich habe euch zu Lexio gegeben, weil es euch dorrt so gut ging, wie ihr es bei mir nie hättet haben können. Euer Vater war urplötzlich verschwunden. Ich konnte euch nicht mitnehmen. Es tut mir so leid, verzeih mir..." Ich hatte soeben den Beweis, dass sie meine Mutter war. Die Hündin, die ich mein ganzes Leben so sehr vermisst und gebraucht hatte. Sie lag nun vor mir und bettelte um Vergebung. Doch ich hatte ihr nie Vorwürfe gemacht. Bei Lexio waren wir gut aufgehoben und ich hatte mir mein ganzes Leben lang gewünscht, dass sie uns abgegeben hatte, weil sie es musste, nicht weil sie es wollte. Das hatte sich nun bestätigt und jetzt, wo sie es aussprach, fühlte ich nur Freude. Ich fühlte weder Schmerz noch Trauer oder Wut. Nur die Freude darüber, dass sie lebte und dass sie uns genauso vermisst hatte, wie sie uns.
"Alles gut, Mama." Ihr Lächeln beruhigte mich.
"Ich bin so froh euch wieder zu sehen. Wo sind deine Geschwister? Ich will sie sehen, ihnen sagen, wie leid es mir tut." Eine Träne lief ihr die Wange herunter. "Sie sind schon lange nicht mehr bei mir..." sagte ich leise und seufzte. Ich erinnerte mich nur zu gut an den Vorfall, der uns auseinander gebracht hatte...
Plötzlich trabte mein Bruder gelassen auf uns zu und lachte was das Zeug hielt. "Ihr hättet eure Gesichter sehen müssen!" Keuchte er lachend und kugelte sich fast vor Lachen. Lexio erschien aus der Gasse. "Sag mal hast du sie noch alle?! Knurrte er meinen Bruder an. Dieser zog sofort den Schwanz ein und duckte sich. "War doch nur Spaß..." wimmerte er und musste trotzdem leicht grinsen. "Spaß, von wegen Spaß! Das hier ist totaler....." Plötzlich sank Lexio zu Boden. Ich erschrak. "Lexio!" Jaulte meine Schwester. Aus seiner Seite schaute ein kleiner Pfeil. Dann sah ich einen Zweibeiner etwas weiter von uns weg, welcher mit einem Rohr auf meine Schwester zielte. Ich sprang dazwischen und der Pfeil, der sich in dem Röhrchen befand und eigentlich meine Schwester hätte treffen sollen, traf mich. Ich konnte nur noch sehen, wie er meine Geschwister ebenfalls mit dem Pfeilen abschoss, dann wurde ich ohnmächtig...
War doch nur Spaß... nur Spaß... Spaß!!!!!!!
Er wollte nur witzig sein und das hatte ich ihn spüren lassen... aus Angst. Wie nahe Spaß und Angst oft beieinander liegen... Meiner Mutter Skarla erklären, dass ihr Sohn Schuld daran war, dass wir alle getrennt wurden? Das konnte ich nicht! Es würde ihr armes altes Herz brutal auseinander brechen...
"Wie konnte das passieren?" Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte befürchtet, dass sie das fragen würde. "Wir waren auf der Jagd... wir waren unachtsam..."
Sie seufzte. "Schon gut... Wir werden sie wiedersehen... irgendwann... vielleicht nicht ich, aber du und du musst ihnen dann erzählen, was du durchgemacht hast, und dass du mich getroffen hast... bitte Sky, erzähl ihnen, was ich dir erzählt habe...". Dann schlossen sich ihre Augen und sie legte ihren Kopf auf den harten Tisch, auf dem sie behandelt worden war. Ich seufzte. "Ja, Mama, das mache ich..."
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Sky - Hunde an die Macht
FantasíaDas Leben eines Streuners ist alles andere als einfach. Sky wird schon früh von seinen Geschwistern und Lexio, einem Freund seiner Eltern, denen er versprach, auf Sky und seine Geschwister aufzupassen, getrennt. Zwar lernt er auf seinem Abenteuer vi...
