Chapter 2

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Ich betrat das Unigelände. Um mich herum wuselten sowohl alte  Hasen als auch frischgebackene Abiturienten umher, die sich ängstlich umschauten. Mir wurde erst jetzt bewusst wie sehr ich die Uni in den Ferien vermisst hatte. 

Als ich am Eingang vorbeikam, sah ich bereits Patricia mit Lilly diskutieren. Ein Lächeln schlich sich in mein Gesicht, sowie ich bemerkte, dass sie am gewohnten Platz auf mich warteten. 

"Wie heißt er denn?", hörte ich Patricia fragen. Aha, sie war also schon dabei, Lilly zu verhören. 
"Wer?", offenbar stellte sich Lilly dumm. 
"Einen schönen guten Morgen.", begrüßte ich die beiden Streithähne und merkte Lilly deutlich an wie froh sie über die Ablenkung war. 
"Wir sind hier noch nicht fertig, Lilly.", meinte Patricia und hob spielend den Zeigefinger in die Luft.

Leider trennten sich unsere Wege jetzt, denn Patricia musste zur ihrer Rechts-Vorlesung und Lilly studierte Wirtschafts-Ingenieurwesen. Ich hoffte, Vanessa möglichst schnell zu finden, denn sie hatte sich mit mir für den das lyrische Ich-Ding entschieden. Eigentlich war ihr Hauptfach Geschichte, doch ebenso wie ich, war sie immer wieder fasziniert von den verschiedenen Rollen der Figuren in Gedichten, Prosa-texten und anderen literarischen Gattungen. 

Im kommenden Semester würden wir alle unsere Bachelor-Arbeit schreiben. Das war ein Thema, über das sich bis jetzt keiner von uns so richtig Gedanken gemacht hatte - mich eingeschlossen, daher war ich umso erstaunter, dass Vanessa, als ich sie endlich im Gedränge vor dem Saal, in dem unsere erste Vorlesung im lyrischen-Ich-Kurs, ich hatte ihn jetzt kurzerhand so getauft, stattfinden sollte, über ihre Arbeit sprach.

"Hey, Ness, hier drüben!"
"Ah, Charlotte. Lang nicht mehr gesehen. Na wie geht's wie steht's?" Diesen Spruch hatte sie immer drauf und auch wenn er manchmal nervte, machte er doch eigentlich immer gute Laune. 
"Ganz gut. Bin schon ganz gespannt auf nachher."
"Ja. Tatsächlich hat mir diese Wahl ein Thema zu meiner Bachelor-Arbeit geliefert. Ich denke, dass ich jetzt eine grobe Ahnung habe, über was ich schreiben will. Hast du schon darüber nachgedacht?"
"Nein, um ehrlich zu sein noch nicht. Aber wir haben doch noch ein wenig Zeit."
"Ja, aber du willst doch bestimmt bei deinem Lieblingsdozenten oder deiner Lieblingsdozentin deine Arbeit schreiben, besser ich frag da früher bei Fr. Dr. Pommer nach."

Frau Pommer war ihre Geschichtsdozentin im letzten Semester gewesen und Vanessa war der Meinung, einen guten Draht zu ihr zu haben. 

"Daher weht der Wind. Du willst dir deine gute Bewertung durch dein vorbildliches Verhalten verdienen."
"Was ist denn daran verboten?"
"Nichts.", ich musste lachen. 
"Die Technik werde ich auch anwenden. Mal sehen, bei wem ich mich noch so einschleimen muss."
Vanessa grinste mich an. Ich liebte es einfach, mich mit ihr zu unterhalten. 

Irgendwann strömten wir mir ungefähr vierzig anderen Leuten in den Saal. Ich war erstaunt wie klein der Kurs doch war. Denn es brauchte meistens eine Mindestanzahl, damit der Kurs überhaupt zustande kam. Doch darüber konnte ich mir weiter keine Gedanken machen, denn unsere Dozentin betrat den Raum.

Mein Herz blieb stehen. Wie gebannt starrte ich die Frau an, die jetzt gerade ihren Namen an die Tafel schrieb. 

Marquart.

Ich schloss kurz die Augen und öffnete sie wieder. Solche Zufälle gab es nicht. Ich musste mich irren. Ich zwickte mich in den Arm, obwohl ich von dieser Methode nichts hielt. 
Das war Iris. Die Frau, mit der ich damals auf der Schneekatze gefahren war. Jetzt konnte ich sie eingehender studieren. Ihr Körper war wahnsinnig schön. Ihre Kurven befanden sich an den richtigen Stellen und ihre braunen Haare fielen weich über ihre Schultern. 
Ich wünschte mir, näher an der Tafel zu sitzen. Am liebsten hätte ich in der ersten Reihe gesessen, musste mich aber jetzt mit der fünften zufrieden geben. 

Ich will dichWo Geschichten leben. Entdecke jetzt