Ich stand schon um sieben Uhr am Eingang zur Uni. In zehn Minuten hatte ich meinen Termin bei Iris. Ein aufgeregtes Pochen machte sich in mir breit. Ich hoffte sehr, dass ich fähig sein würde, normale Sätze zu sprechen.
Dann betrat ich das Unigebäude und schlug den Weg in Richtung Iris Büro ein. So früh waren erst sehr wenige Menschen hier und ich fühlte mich von jedem, dem ich begegnete beobachtet.
Dann meldete ich mich bei einer Studentischen Hilfskraft, die noch sehr verschlafen aussah.
"Ich habe einen Termin bei Frau Marquart." Gerade noch rechtzeitig benutzte ich Iris Nachnamen.
"Frau Wendt?"
"Ja, genau."
Die Frau nahm ein Telefon in die Hand und nach einem kurzen Gespräch signalisierte sie mir, dass ich zu Iris könnte.
Mit pochendem Herzen ging ich den Gang hinunter und trotz meiner Aufregung schlich sich ein kleines Grinsen in mein Gesicht, als ich bemerkte, dass Iris Büro das letzte im Gang auf der Wandseite war. So etwas in der Art hatte ich mir schon gedacht.
Als es dann darum ging, anzuklopfen, pochte mein Herz, wenn das überhaupt möglich war, noch schneller. Dann tat ich es.
"Kommen Sie herein.", ertönte Iris Stimme. Mein Herz machte noch einen Sprung. Es war so weit!
Ich machte die Tür auf und trat ein.
Iris saß an ihrem Schreibtisch und blickte mich mit einem fast kaum wahrnehmbaren Lächeln an. Mein Blick fiel hinter sie an die Wand. Es hingen ein paar Postkarten dort und tatsächlich stand auch eine Thermoskanne auf ihrem Tisch. Ich schluckte.
"Sie können sich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch setzen."
"Okay."
Gut, immerhin hatte ich meine Sprache noch. Iris hatte heute eine weiße Bluse mit dunkelblauen punkten an. Die obersten drei Knöpfe waren offen, sodass es nicht zu streng aussah. Ihre Haare hatte sie zu und sie trug goldene Ohrringe. Eigentlich war ich mir sicher gewesen, dass sie keine Ohrlöcher hatte. Vielleicht waren es auch welche zum anknipsen.
Ich hatte mich heute extra schick gemacht und obwohl ich wusste, dass es albern war, sogar eine Kette, die meinen etwas tieferen Ausschnitt zur Geltung bringen sollte, angelegt.
"Dann fangen wir an.", sagte Iris und die nächsten zwanzig Minuten ging es tatsächlich rein um mein Referat.
Iris erläuterte ihre Kritik aber auch ihr positives Feedback und stellte mir noch ein paar Fragen. Es war rein sachlich und ich konnte mich sogar auf ihr Gesagtes, statt auf sie, konzentrieren.
Irgendwann jedoch, als sich unser Gespräch bereits dem Ende zuneigte, driftete ich ab und beobachtete Iris. So nah hatte ich noch nie die Gelegenheit gehabt, sie anzusehen.
Sie war eindeutig geschminkt und sie hatte kleine Fältchen um die Augen herum, die besonders dann auftraten, wenn sie lächelte, was sie aber leider nicht so oft tat.
Plötzlich kam mir etwas komisch vor. Dann wusste ich auch, was. Iris hatte aufgehört, zu sprechen. Ertappt blickte ich sie an.
"Hören Sie mir überhaupt zu?"
"Ja, natürlich.", log ich.
"Das können Sie jemand anderem erzählen. Mir nicht. Wenn es Sie langweilt, dann kann ich Ihnen auch einfach Ihre Note sagen und Sie verlassen mein Büro."
"Nein, nein. Sie langweilen mich nicht.", ich wusste, dass man das so und so deuten konnte, überließ den Teil aber Iris, "Ich habe Ihnen doch am Samstag schon gesagt, dass Sie das nicht tun."
Ich spielte auf die Geburtstagsfeier von ihrem Bruder an.
"Bitte trennen Sie Privates von Beruflichem oder in Ihrem Fall von ihrem Studentenleben in der Universität."
Das versetzte mir einen Stich. Wieso fuhr Sie mich so an?
"Man darf doch wohl noch ein bisschen...", Iris unterbrach mich.
"Nein, ich möchte das nicht."
Damit war für Sie das Thema wohl abgeschlossen. Für mich aber nicht. Meine Hormone spielten in letzter Zeit wegen Iris sowieso verrückt und auf einmal wurde ich wütend. Ich konnte mich nicht kontrollieren und wollte Iris einfach deshalb provozieren, weil ich eine Reaktion sehen wollte.
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Ich will dich
RomanceCharlotte studiert Literatur in München. Iris unterrichtet an der gleichen Uni. Als sie aufeinandertreffen und Charlotte bemerkt, dass Iris die Frau ist, die sie vor ein paar Jahren im Urlaub getroffen hat und die sie seit dem nicht mehr vergessen k...
