Kapitel 7 - Kuss

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Im nächsten Moment trat er mit voller Wucht gegen das Geländer. Ich konnte es nicht verhindern, dass ich vor Schreck zusammenzuckte. Jemand mit so unkontrollierbaren Emotionen war mir noch nie begegnet. "Du willst das hier doch eigentlich gar nicht.", hörte ich mich selber sagen. Ich war keineswegs erpicht darauf mit ihm eine Unterhaltung zu führen. Alles worauf ich mit dieser Unterhaltung abzielte war Zeit. Zeit, die ich hoffte Cap und Sam zu verschaffen. Allerdings erwies sich meine Taktik als nicht gerade sicher. Meine Worten schienen den Verbrecher nur noch wütender zu machen. "Sei endlich still!", schrie er aus voller Kehle und tigerte auf der Brücke, die durch das Innere des Schiffes verlief, hin und her. "Ich muss dich enttäuschen. Ich schweige nicht gerne. Meistens zwänge ich meine Meinung jedem auf, ob gefragt oder ungefragt. Ich glaube das habe ich von meinem Vater.", plapperte ich weiter in der Hoffnung es würde ihn ablenken. Ich hatte das Gefühl Steve war nicht weit entfernt und damit lag ich offenbar goldrichtig, denn eine Stimme ertönte. "Menschen sollen sterben Buck. Das werde ich verhindern." "STEVE!", rief ich und zerrte erneut an meinen Fesseln. Auf der anderen Seite der Brücke tauchte Cap auf. Barnes ging derweil in Angriffsstellung. "Lass sie gehen Buck. Sie hat damit nichts zu tun.", redete Steve auf den Braunhaarigen ein. Dieser sagte jedoch nicht mal ein Wort sondern schüttelte nur mit dem Kopf. Steve ließ den Kopf hängen. "Zwing mich nicht das zu tun.", warnte er ihn. Doch Barnes rührte sich nicht. In der nächsten Sekunde entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den beiden, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Würde ich Steves Geschichten über Bucky nicht kennen, würde ich ihn nicht wiedererkennen. Im Laufe des Kampfes, den ich mir ansehen musste wurde schnell klar wer welche Absichten hatte. Während Steve seinem alten Freund versuchte nur geringe Verletzungen hinzuzufügen, zeigte Barnes keinerlei Mitleid. Er war darauf trainiert zu töten und das spürte man. Ich schrie derweil vor Wut auf, da ich verzweifelt versuchte meine Fesseln zu lösen. Der Winter Soldier hatte Steve in der Zeit den Chip abgenommen, der eigentlich schon längst im Kontrollzentrum des Schiffes hätte stecken sollen. Doch genau dann platzte Steve der Kragen. Er überwältigte Barnes und würgte ihn, um den Chip wieder in seine Hände zu bekommen. "Steve, oh Gott lass ihn los! Du bringst ihn um!", schrie ich aus vollem Hals. In dieser Sekunde ließ Barnes den Speicherchip los und Steve gab seinen Hals frei. Während Barnes nach Luft rang, raffte Cap sich auf und stürmte die Treppe hinauf um wieder auf die Brücke zu gelangen. Oben angekommen stürmte er zuerst zu mir. "Oh Gott Elle. Geht es dir gut?" Er wollte mich losbinden, doch ich schüttelte den Kopf. "Mir geht es gut. Er hat mir nichts getan. Versenke den Chip. Danach kannst du mich immer noch losbinden." Er zögerte, doch ich nickte in die Richtung des Kontrollzentrums. "Vertrau mir.", sagte ich mit einem Lächeln, welches er erwiderte. Während Cap versuchte zum Zentrum zu gelangen, fummelte ich weiter an meinen Fesseln herum und merkte, wie sich das Band langsam lockerte. Jedoch war Barnes in der Zwischenzeit wieder auf die Beine gekommen und hatte seine Pistole gezückt. Wild feuerte er in Steves Richtung und streifte ihn ein paar Mal leicht. Mit einem letzten Ruck löste ich meine Fesseln und warf sofort einen Blick über das Geländer. Barnes zielte gerade erneut auf Cap. "Steve! Pass auf!", brüllte ich, doch es war zu spät. Ein Schuss ertönte. In der nächsten Sekunde sank Steve in sich zusammen. "Du verfluchtes Arschloch!", brüllte ich Barnes zu und war mit einem Sprung auf den Beinen, um Steve beizustehen. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich ihn erreicht und wich geschickt Barnes Schüssen aus. "Hier." Steve drückte mir röcheln den Speicherchip in die Hand. Draußen erklangen bereits laute Geräusche. Die Heli-Carrier würden jeden Moment abfeuern. Doch ich riss mich zusammen und drückte den Chip mit einem gewaltigen Ruck in das Innere des Kontrollzentrums. Danach war mir alles egal. Nur Steve nicht, der sich nur langsam wieder aufrichtete. "Bleib liegen du Wahnsinniger!", forderte ich ihn auf und wollte ihn wieder zurück drücken, doch er wehrte sich. Um uns herum fing das Schiff bedrohlich zu wackeln an. Explosionen waren zu hören tauchten teile des Schiffsinneren in schwarzen Rauch. "Du musst hier weg hörst du.", brachte er mühsam hervor. "Bist du irre?" Ich schüttelte wild mit dem Kopf. "Ich lasse dich hier nicht allein!", stieß ich wütend hervor. "Fury ist mit einem Hubschrauber hierhin unterwegs. Er wird dich draußen aufgabeln." Er hielt mir sein Head-Set hin. "Nein.", erwiderte ich tonlos. "Wir haben das vorhin besprochen Elle.", antwortete er. "Meine Antwort ist nein Steve." Der Avenger stand nun wieder auf zwei Beinen und schaute mich eindringlich an. "Das ist ein Befehl Eleanor. Es ist meine Mission und ich bestimme wer was ausführt.", hielt er dagegen. Um uns herum brachen Teile des Schiffes zusammen. Weitere Explosionen kündigten das Ende des Schiffes an, welches sich in ca. 900 Metern Höhe befand. Während ich noch mit mir haderte nahm Barnes mir die Entscheidung ab. Er hatte mittlerweile die Brücke wieder erreicht und steuerte wutentbrannt auf uns zu. "Geh jetzt Ellle! Ich bitte dich!", flehte Steve regelrecht. "Scheiße!", fluchte ich, drehte auf dem Absatz um und versuchte einen Weg nach draußen zu finden. Barnes ignorierte ich dabei völlig. Er hatte nur Augen für Cap. Ich spürte wie das Schiff langsam an Höhe verlor und hörte zwischen all den Explosionen das Rauschen eines Hubschraubers. Wie eine Wilde sprang ich in die Luft und versuchte auf mich aufmerksam zu machen. Fury bemerkte meine Signale und steuerte meine Richtung an. Allerdings begann der Teil des Schiffes auf dem ich stand zu bröckeln. Ohne groß darüber nachzudenken nahm ich ein paar Schritte Anlauf, rannte über die Plattform und sprang schließlich an deren Ende ab. Bevor ich auch nur darüber nachdenken konnte ob das nicht vielleicht eine sehr dumme Idee gewesen sein konnte, klammerte ich mich bereits an die offene Tür des Hubschraubers und ließ mir von Natasha hineinhelfen. "Sam, Natasha!" Glücklich das beide wohlauf waren, umarmte ich die beiden. "Für mich haben Sie wohl keine Umarmung übrig Miss Stark? Willkommen an Bord.", brummte Fury vom Cockpit aus. "Sparen Sie sich ihre Wiedersehensfreude. Ich glaube Ihnen kein Wort. Wir können über einen Händedruck reden wenn Steve wieder sicher auf dem Boden ist.", gab ich gereizt zurück und suchte mit den Augen das Wrack des Schiffes ab, welches immer weiter zu sinken drohte. "Verfluchte scheiße. Er wird ihn umbringen!", schrie ich, als ich Steve und Barnes entdeckte. Der Winter Soldier schlug gerade mit heftigen Bewegungen auf den Avenger ein. Dieser wehrte sich jedoch nicht. "Was ist da los?" Natasha war ebenfalls besorgt an die Öffnung des Hubschraubers getreten. Und dann ging alles sehr schnell "Nein! Steve!", brüllte ich aus voller Kehle. In dieser Sekunde verlor Cap den Halt und rutschte vom Schiff. Er fiel und fiel. Nun konnte mich nichts mehr halten. Außer mir vor Sorge rüttelte ich Fury an den Schultern. "Sie fliegen jetzt sofort ein paar Meter tiefer oder ich springe!", schrie ich ihn in meiner Verzweiflung an. "Sie haben wohl den Verstand verloren?", gab dieser zurück. "Fury! Rogers...er ist vom Schiff gefallen.", brache Natasha tonlos hervor. Eindringlich schaute ich den Agenten an. "Sie bringen diesen Hubschrauber jetzt tiefer oder ich reiße Ihnen ihren Agenten-Arsch auf!" Für mich zählte nun jede Sekunde. Fury war so perplex, dass er mir gehorchte. Als das Wasser in Sprungweite war, verließ mich jegliche Vernunft. Sam versuchte noch mich aufzuhalten, doch ich sprang mit Anlauf aus dem Hubschrauber ins eiskalte Wasser und kam genau an der Stelle auf, an der ich Steve vermutet hatte. Doch von ihm war keine Spur. Verzweifelt drehte ich mich im Wasser im Kreis. Schlug wütend und voller Verzweiflung um mich, bis ich am Ufer des Wassers eine Gestalt liegen sah. Mit letzter Hoffnung nahm ich all meine Kraft zusammen und schwamm zum Ufer. "Oh Gott Steve!", stieß ich überglücklich aus, als ich den Avenger am Ufer liegen sah. Er antwortete nicht, doch ich spürte seinen Puls. Ein Knacken ließ mich jedoch herumfahren. Vor Schreck stolperte ich ein paar Schritte zurück. "Du.", flüsterte ich als ich Barnes erblickte, der sich mir mit triefenden Klamotten näherte. "Du hast ihn aus dem Wasser gezogen. Du hast ihn gerettet.", stammelte ich und konnte selber kaum glauben, was ich da sprach. Der Winter Soldier atmete schwer. Erneut begegnete ich seinem Blick. Doch dieses Mal sah ich so viel mehr als Trostlosigkeit. Es war, als hätte sich ein Stück mehr Gefühl in seine Augen zurück gekämpft. In seinem Blick lag Verletzlichkeit. Und mit einem Mal spürte ich Mitleid. Er war mehr als ein Verbrecher.

Ehe ich die Gelegenheit hatte Barnes zu danken, gab Steve ein Husten von sich. Als ich wieder aufschaute, war Barnes verschwunden. "Elle.", flüsterte Steve abgekämpft. "Schhh. Du musst jetzt nicht sprechen.", murmelte ich und nahm sein Gesicht in meine Hände. "Das hier ist mir sowieso viel lieber.", gab der Avenger zurück, zog mich zu sich heran und küsste mich liebevoll.

Desire - Bucky BarnesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt