Kapitel 48 - Vorbei

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Nur mit Mühe schaffte ich meine Augen zu öffnen. Dumpfe Geräusche drangen in mein Ohr, gepaart mit einem unnachgiebigen Klingeln, welches beinahe wie ein Warnsignal klang. Jemand berührte mich an der Schulter und es dauerte eine Weile bis sich mein Sichtfeld erweiterte und ich die Person erkannte. "Natasha.", presste ich hervor und fasste mir sogleich an den schmerzenden Kopf. "Gott sei Dank zu bist wach." Erfreut erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht. "Hey, langsam!", wies sie mich zurecht und drückte mich als ich mich aufsetzen wollte zurück in das weiche Kissen. "Wo bin ich?", murmelte ich und musterte meine Umgebung. "Nein, sag nichts. Das sieht mir hier sehr stark nach Krankenhaus aus.", schob ich hinterher und warf einen abschätzigen Blick auf die sterile Einrichtung des Zimmers indem ich mich befand. Die Rothaarige schüttelte grinsend den Kopf. "Noch keine zwei Minuten wach und schon wieder am meckern. Ich habe dieses Stark-Ding vermisst." Ich rollte mit den Augen, musste jedoch selbst schmunzeln. "Ich fühle mich beschissen.", stellte ich fest. "So siehst du auch aus.", bemerkte Nat und lachte als ich hinter mich griff und das Kissen nach ihr warf. "Hör auf zu stänkern. Erzähl mir lieber was passiert ist und wie ich hierhergekommen bin.", forderte ich sie auf und schlug die Hände vor die Augen. Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit inzwischen vergangen war, doch meine letzten Erinnerungen fühlten sich so an, als wären sie gerade erst passiert. "Ums es kurz zu machen: Tony ist aufgebrochen, um euch zu suchen, T'Challa ist ihm gefolgt und wir haben irgendwann angefangen uns Sorgen zu machen. Wie sich herausstellte war das auch berechtigt." Die Rothaarigen fummelte an einem Zipfel des Kopfkissens, das sie noch immer in ihren Händen hielt. "Moment, T'Challa war auch da?", hakte ich nach. "Hast du ihn nicht gesehen?", stellte mein Gegenüber eine Gegenfrage. Ich schüttelte stumm mit dem Kopf. "Was ist das letzte woran du dich erinnern kannst?" Ich senkte den Blick und vermied es meiner Freundin in die Augen zu sehen. Sie bemerkte meinen plötzlichen Gefühlswandel und griff direkt nach meiner Hand. "Was ist da wirklich passiert Elle? Du bist nicht umgekippt, weil es zu einem Kampf gekommen ist. Ich kenne dich." Sie schaute mich eindringlich an. Innerlich haderte ich mit mir selbst. Inzwischen war so viel Zeit vergangen. Wo sollte ich überhaupt beginnen? Ich wusste nicht wie Natasha reagieren würde, wenn sie von mir und Bucky erfahren würde, doch ich konnte nicht länger damit zurückhalten. Ich musste mein Schweigen brechen. Nur so würde ich lernen mich selbst und meine Handlungen zu akzeptieren. "Das ist eine langen Geschichte.", antwortete ich der Rothaarigen und schaute ihr direkt in die Augen. "Ich mag lange Geschichten und ich bin mir sicher, das hier wird uns dabei gerne Gesellschaft leisten." Geheimnisvoll beugte sie sich über ihre Tasche, die sie unter meinem Bett versteckt hatte und beförderte zwei Flaschen Bier ans Tageslicht. "Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass mich die Ärzte hier dafür wegsperren würden, aber...Shit happens. Ich glaube du hast es nötig." Ich lachte und stieß mit ihr an, wohlbedacht den Alkohol bei jeder vorbeirauschenden Krankenschwester unter der Bettdecke zu verstecken. "Also, schieß los.", forderte Nat mich auf. Dieses Mal entschied ich mich dafür nichts als die reine Wahrheit zu sagen. Endlich.

Es dauerte über eine Stunde bis ich meine Freundin auf den neuesten Stand gebracht und ihr die wichtigsten Details erzählt hatte. Ich hatte mich bemüht so gut wie nichts auszulassen, mich aber dennoch kurz zu fassen. Allerdings war das, bei meiner Geschichte, schlichtweg nicht möglich. Als ich geendet hatte und mich zurück ins Kissen lehnte, welches Natasha mir wieder hinter den Rücken gestopft hatte, stieß diese ein Pusten aus. Im nächsten Moment erntete ich ein anerkennendes Nicken. "Alle Achtung. Es schafft nicht jeder zweigleisig zu Fahren. Hohe Kunst." Sie prustete als ich ihr einen genervten Blick zuwarf. Meine Angst vor ihrer Reaktion hatte sich hiermit erledigt. "Das ist nicht witzig!" Sie schüttelte den Kopf. "Stimmt, da hast du eigentlich recht." Eine Weile herrschte Stille zwischen uns. "Was wirst du jetzt tun?", unterbrach die Rothaarige die Ruhe, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte. "Nichts.", kam es schneller aus meinem Mund als ich erwartet hatte. "Nichts?", wiederholte sie ungläubig. "Ganz genau. ich werde James sowieso nicht wiedersehen. Er wird sich wieder verstecken und zwar solange bis ihm klar wird, dass er mich nicht braucht. Und Steve..." Ich brach ab. "Wird sich wahrscheinlich nicht mehr so schnell bei mir und meinem Vater blicken lassen.", schob ich hinterher und schaute aus dem Fenster raus. "Hör mal Elle. Ich bin mir nicht sicher ob..." Ich unterbrach Natasha bevor sie etwas sagen konnte. "Nat, sei mir nicht böse, aber ich habe dir das nicht erzählt, um mich erneut in etwas rein zu steigern." Sie nickte verständnisvoll. "Ich weiß, du hast viel durchgemacht und vielleicht nicht immer die richtige Entscheidung getroffen. Aber du bist immer noch du. Und das ist das Wichtigste." Ich drückte ihre Hand. "Danke, das bedeutet mir viel. Um ehrlich zu sein...Ich habe diese Heimlichtuerei nicht mehr ausgehalten. Ich würde nicht behaupten, dass ich froh war, als alles ans Licht kam, aber ich fühle mich jetzt irgendwie leichter." Wieder nickte sie und ich wusste, dass sie es mir nicht nur vorspielte, sondern mich wirklich verstand. "Aber es macht mich verrückt.", fügte ich nach einer kleinen Pause hinzu. "Was meinst du?" Nat schaute mich fragend an. "Ich weiß nicht wo die beiden jetzt sind. Ich bin bewusstlos geworden, weil ich völlig am Ende war. Ich konnte nicht mehr.", gestand ich ihr was ich tief in meinem Inneren fühlte und unterdrückte den Drang zu weinen. "Sie haben sich zumindest nicht gegenseitig zerfleischt. Als wir kamen lagen keine Körperteile verstreut.", witzelte die Rothaarige und brachte mich damit zum Lachen. "Warum muss immer alles so kompliziert sein?", fragte ich Nat und schüttelte dabei mit dem Kopf. "Bist du jemals einem starken Menschen mit einer einfachen Geschichte begegnet?" Ihre Worte brachten mich zum Nachdenken und erneut schüttelte ich mit dem Kopf. "Du denkst an ihn nicht wahr?", fügte sie hinzu als sie meinen nachdenklichen Blick bemerkte. "Ununterbrochen.", antwortete ich. "Alles im Leben hat einen Grund oder einen Sinn. Du weißt vielleicht noch nicht wieso oder warum, aber du wirst es herausfinden.", meinte sie und drückte meine Hand. "Herrgott Romanoff! Wann bist du nur so poetische geworden?", erklang es sarkastisch. Mein Blick huschte zur Tür in deren Türrahmen Tony lässig lehnte.

Desire - Bucky BarnesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt