Ruckartig löste ich mich und verpasste ihm einen Schubser, den er anscheinend nicht erwartet hatte. Auch er stolperte erschrocken zurück und suchte dabei Halt an der Küchentheke, die ihm an nächsten war. "Hast du sie noch alle? Was stimmt mir dir nicht?", stieß ich atemlos aus und wartete nicht auf eine Antwort, sondern drehte mich um und hetzte den Gang entlang in mein altes Kinderzimmer. Vollkommen von der Rolle lief ich im Kreis und fasste mir dabei immer wieder an den Kopf. Barnes hatte mich geküsst. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Ohne Grund. Wieso? Weshalb? Warum? Diese Fragen drohten mich innerlich zu zerreißen. Ich traute mich nach einigen Minuten nicht einmal mehr vor die Tür. Zu groß war die Angst. Zu groß war die Scham. "Mädchen, du hast den Kuss auch noch erwidert, verdammt!", redete ich mit mir selbst und ließ den Kopf gegen meine Zimmerwand sinken. Nur mit Mühe konnte ich die Gedanken an Steve, der mutterseelenallein in einem dieser Flugschiffe durch die Gegend irrte, verdrängen. Ich wusste nicht wo mir der Kopf stand und in diesem Augenblick erschienen mir Selbstgespräche am Sinnvollsten. "Okay Eleanor, wahrscheinlich machst du aus einer Mücke einen Elefanten. Es war nicht so wie du denkst.", redete ich mir selber ein und wanderte dabei immer wieder im Kreis durch das hell eingerichtete Zimmer. Nach einigen weiteren Minuten kam ich zu dem Entschluss. "Er ist ein Playboy, mehr nicht." Was sollte es auch anderes sein? Die ganze Situation hatte unsere beiden Gemüter so sehr hochgekocht, dass es anscheinend unvermeidbar war, dass es dazu hatte kommen müssen. "Ich war es nicht. Er hat mich geküsst!", führte ich die Unterhaltung mit mir selbst weiter und machte Halt vor dem großen Ganzkörperspiegel, der sich in meinem Zimmer befand. Ich wusste, dass ich in der Beziehung nach meinem Vater kam. Egal was es war, ich wies die Schuld immer von mir und suchte sie bei anderen. Es war eine Angewohnheit von mir, das gab ich auch gern offen zu. Wieder fixierte ich mein Spiegelbild und zeigte mit dem Finger auf mein Ebenbild. "Du gehst da jetzt raus und tust als wäre nichts geschehen. Falls er fragt, du warst dir nur mal kurz die Nase pudern." Ich konnte nur erahnen wie bescheuert ich klang, doch ich wusste mir in dem Moment nicht anders zu helfen. Mutig machte ich drei Schritte bis zu meiner Zimmertür. Ich hielt für einen Moment die Luft an und lauschte. Nichts zu hören. Todesmutig legte ich eine Hand auf die Klinke, drückte sie herunter und erschrak als ich Bucky vor meiner Zimmertür stehen sah. "Heilige Scheiße, willst du mich umbringen?!", stieß ich atemlos hervor. Mein Gegenüber wirkte plötzlich sehr verlegen. "Ich...ähm...Ich wollte nur nachsehen, ob alles okay mit dir ist.", presste er hervor und mied meinen Blick. Das war bis jetzt noch nie vorgekommen. Immerhin war es sonst immer Bucky gewesen, der mich aus seinen kalten, undurchdringbaren Augen aus heraus angestarrt hatte. Wo immer ich war, was immer ich tat. So gut wie immer hatte ich seinen Blick auf mir gespürt. Das er jetzt unseren Augenkontakt vermied, bestätigte nur meine Vermutung, dass er ebenfalls ziemlich aufgewühlt war und nicht wusste, wie er mit der Situation umgehen sollte. Ich konnte mir selbst in dieser unfassbar unangenehmen Szene ein Grinsen nicht verkneifen. Der harte Barnes knickte ein und das wegen eines lächerlichen...Unfalls...? Unfall, innerlich nickte ich mir selber zu. Eine bessere Beschreibung würde mir nicht einfallen. Fakt war, der Kuss hatte nichts zu bedeuten. Weder für ihn, noch für mich. Mit diesem Gedanken erinnerte ich mich daran, dass ich ihm wohl noch eine Antwort schuldig war. "Ich war mir nur die Nase pudern.", erklärte ich als wäre es eine vernünftige Aussage. Herrgott, das klang genauso bescheuert wie ich es mir schon vorher gedacht hatte. Ohne eine Antwort seinerseits abzuwarten, marschierte ich an ihm vorbei in die Küche. Um mich abzulenken riss ich den Kühlschrank auf und inspizierte dessen Inhalt. Von Zeit zu Zeit schauten ein paar Angestellte meines Vaters hier vorbei, füllten ein paar Vorräte auf und hielten das Haus in Ordnung. Ich hatte immer über ihn gelacht, als er meinte, falls es einen Notfall geben sollte, könnten wir das Haus als Unterschlupf nutzen. Tja und jetzt...saß ich hier mit einem gesuchten Straftäter fest und musste einen Weg suchen, um aus diesem Schlamassel wieder heile herauszukommen. "Solche Art von Notfällen hat Tony sicherlich nicht gemeint.", murmelte ich zu mir selbst und griff mir eine Glasflasche mit Wasser darin. Mit Schwung stieß ich die Kühlschranktür zu und erlitt beinahe einen Herzstillstand als Barnes dahinter auftauchte. Er musste mir gefolgt sein, hatte sich aber nicht bemerkbar gemacht. Vor Schreck ließ ich die Flasche in meiner Hand fallen, die gefolgt von einem lauten Poltern auf den fließen zerschellte. "Verdammt Barnes!" Ich raufte mir die Haare. Mein Gegenüber ließ die Schultern hängen und wieder spürte ich eine ganz andere Aura, als die die ich sonst von ihm kannte. "Ich wollte dich nicht erschrecken. Es tut mir leid.", sagte er. "Das ist dir nicht so gut gelungen.", murmelte ich und ging in die Knie, um die am Boden liegenden Scherben aufzusammeln. Entgegen meiner Erwartungen bückte er sich ebenfalls und half mir stumm die Bruchstücke einzusammeln. Wieder blieb mein Herz beinahe stehen als wir zufällig beide nach der selben Scherbe griffen. Erschrocken sah ich zu ihm auf und begegnete sogleich den eisblauen Augen, die mich angestrengt musterten. Ehe nochmal etwas unvorhersehbares passieren konnte, ließ ich die Scherbe fallen und griff direkt nach der nächsten. "Scheiße.", schrie ich auf und zuckte zusammen als ich einen stechenden Schmerz in meiner Handfläche spürte. Ich stand auf und versuchte die Wunde notdürftig mit Küchenpapier zu stoppen, doch Bucky nahm mir die Küchenrolle wieder aus der Hand. "Das muss desinfiziert werden.", meinte er und entfernte das Küchenpapier von meiner Verletzung. "Habt ihr hier einen Verbandskasten?", fragte er. Ich konnte nur stumm nicken und reagierte erst wieder als er mich fragte wo er ihn den finden konnte. "Irgendwo im Flur in einer der Kommoden.", presste ich aus zusammengebissenen Zähnen hervor. Ich war wirklich nicht zimperlich, aber die Scherbe musste ziemlich tief in meine Haut geritzt haben. "Ich bin gleich zurück. Du hältst deine Hand solange da drunter.", befahl er mir und drehte den Wasserhahn am Spülbecken auf. Ich tat was er sagte und spürte sofort die kühlende Wirkung des Wassers. Bucky brauchte nicht lange und war schon nach einigen Sekunden mit dem Verbandskasten zurück. Als er sich die notwendigsten Utensilien herausgesucht hatte, nahmen wir am Esstisch Platz. Unsere Knie berührten sich leicht und ließen es erneut zwischen uns knistern...oder kam es mir nur so vor? Bestimmt der Schock, redete ich mir ein. "Das könnte jetzt etwas weh tun.", kam es warnend von Barnes, der ein Desinfektionsspray in der Hand hielt. "Egal, hau drauf.", erwiderte ich und schloss die Augen. Sanft nahm er meine Hand. Wärme flutete durch meinen Körper und verwirrte mich nur noch mehr. "Ich zähle bis drei, dann sprühe ich. Eins...zwei..." Und er sprühte noch ehe ich mich für die Zahl "drei" gewappnet hatte. Ein stechender Schmerz war für einige Sekunden lang zu spüren. "Du hast mich verarscht!", zischte ich und musste zugeben, dass das ziemlich schlau gewesen war. "Es hat doch funktioniert oder?" Er versuchte es mit einem zaghaften Lächeln. Ja, das hatte es. In Windeseile hatte er die Wunde gereinigt und versorgt, doch er ließ es sich nicht nehmen, sie auch noch mit einem kleinen Verband zu fixieren. Ich war überrascht wie gut er das konnte. "Woher kannst du das alles so gut?", wollte ich wissen und dachte an die unzähligen Male in denen ich versucht hatte einen vernünftigen Verband hinzukriegen und dabei kläglich gescheitert war. "Bei Hydra hat es keinen interessiert, wenn du dich verletzt hattest. Also musste ich lernen alleine damit klarzukommen und mir selbst zu helfen.", antwortete er und ich sah ihm förmlich an, dass es ihm schwer fiel darüber zu sprechen. Hauchzart fuhr er mit dem Daumen über meine Handinnenfläche. "Hör mal, wegen vorhin..." Doch ich unterbrach ihn. "Schon vergessen.", meinte ich und ignorierte meinen hohen Puls. Überrascht schaute er mich an. "Wirklich?" Ich holte tief Luft und nickte. "Du meins, ich deins. Schon vergessen?"
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Desire - Bucky Barnes
FanfictionMan könnte Eleanor als eine weibliche Kopie ihres Vaters bezeichnen. Genau wie Tony Stark ist sie sarkastisch, ehrgeizig und einfach nicht kleinzukriegen. Allerdings stößt auch die taffe Elle an ihre Grenzen als sie auf den unnahbaren und kämpferisc...
