Kapitel 49 - Ausstieg

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"Dad!", stieß ich hervor und wollte erneut aufstehen, doch Tony war schneller und stand bereits am Fußende meines Bettes. "Man siehst du scheiße aus.", bemerkte ich und kicherte als er mir einen vorwurfsvollen Blick zuwarf. "Touché Madame." Ich rollte mit den Augen, freute mich jedoch insgeheim ihn so unversehrt zu sehen. Natürlich hatte er ein paar Blessuren davongetragen, denn Kratzer und Wunden stießen an seinen Armen hervor. Doch das Wichtigste war, dass er lebte und vor mir stand. Ich hätte es niemals ertragen, wenn ich ihn verloren hätte. "Es ist vorbei Elle.", sagte mein Dad leise als er meinen Blick bemerkte. "Bist du dir da sicher?", fragte ich, denn ich hatte da so meine Zweifel. Das er mit diesem Krieg abschließen würde wusste ich. Doch für mich sah die Welt anders aus. Ich würde Zeit brauchen. Viel Zeit und vor allem Abstand. Ich brauchte eine Pause von den Avengers, von Kämpfen und von meinen Gefühlen, die mich mehr denn je plagten. "Rogers wird uns nicht mehr in die Quere kommen.", meinte Tony. Natasha warf ihm einen bösen Blick zu. "Tony.", wies sie ihn scharf zurecht. "Sprich nicht von ihm als wäre er unser Feind.", fügte sie hinzu und lieferte sich ein Blickduell mit meinem Vater. "Vergiss nicht was er getan hat Natasha. Er war bereit alles aufzugeben, nur um seinen Willen durchzusetzen.", erwiderte er, gewillt diese Diskussion zu führen. "Ich erinnere dich daran, dass du nicht ein Stück besser warst Tony und das weißt du genau." Manchmal bewunderte ich Nat für ihre ehrliche und direkte Art. Ich besaß diese Eigenschaften zwar auch, was wahrscheinlich der Grund war wieso wir uns so gut verstanden, doch ich hätte niemals den Mut besessen meinem Vater diesen Gedanken ins Gesicht zu sagen. Schon gar nicht in diesem eiskalten Ton. Eine Weile sagte niemand von uns etwas, was wohl daran lag, dass Natasha offensichtlich ins Schwarze getroffen hatte. "Die Avengers sind Geschichte Tony. Machen wir uns nichts vor.", meinte ich leise und vermied es meinen Vater anzusehen. "Vielleicht sind sie das, aber ich bin mir sicher, dass das nicht das Ende ist.", antwortete Natasha anstelle von Tony und wirkte dabei so selbstsicher, dass ich mit dem Gedanken spielte, ob sie vielleicht mehr wusste als Tony und ich. "Damit könntest du recht haben." Mit einer Handbewegung beförderte er einen Umschlag aus seiner Jackentasche und reichte ihn mir. "Was ist das?", fragte ich stirnrunzelnd. "Am besten du liest es direkt laut vor. Romanoff bekommt den Wisch sowieso in die Finger, egal ob ich ihn vor ihr verstecke oder nicht.", antwortete mein Vater. "Charmant wie immer Mr. Stark." Nat rollte mit den Augen. Ich räusperte mich, da mir vor Spannung die Finger zitterten. Auf dem Umschlag stand der Name meines Vaters. "Ich bin froh, dass es dir gut geht. Wäre nicht schön, wenn sie deine Einzelteile wieder hätten zusammenflicken müssen. Wir alle brauchen Familie. Die Avengers sind deine. Vielleicht sogar mehr als meine. Ich bin auf mich allein gestellt seit ich 18 war. Ich habe mich nie irgendwo zugehörig gefühlt. Nicht mal bei der Army. Ich vertraue eher auf Menschen- auf Individuen. Und ich habe Glück sagen zu können, dass die meisten mich nicht enttäuscht haben. Deshalb darf ich sie auch nicht enttäuschen. Schlösser kann man austauschen, aber vielleicht sollte man das nicht. Ich weiß das ich dich verletzt habe Tony. Ich dachte wenn ich dir nichts von deinen Eltern erzähle, würde ich dir etwas ersparen. Aber jetzt weiß ich, dass ich mir nur selbst etwas erspart habe. Und es tut mir leid. Ich hoffe du verstehst das eines Tages. Ich wünschte zutiefst wir wären uns wegen des Abkommens einig gewesen. Ich weiß du tust woran du glaubst und mehr kann keiner von uns tun. Wir sollten alle so handeln. Also was auch immer geschieht. Wenn du uns brauchst, wenn du mich brauchst...Ich werde da sein." Ich legte den Brief beiseite und starrte einen Moment lang ins Leere. "Natasha dreimal darfst du raten, wer mich vorhin aus meinem Schlaf gerissen hat.", richtete sich Tony wieder an die Rothaarige. "Keine Ahnung. Eine gute Fee vielleicht?" Sie zuckte provokant mit den Schultern, doch Tony ging gar nicht erst auf ihre Bemerkung ein. "Rogers ganzes Himmelfahrtskommando ist aus Ross' Gefängnis entkommen.", entgegnete er. "Hast du etwas anderes erwartet Dad? Du hast sie eingesperrt. Als wären sie deine Feinde, als wären sie Abschaum. Du hast ihnen das genommen, was du selbst am meisten schätzt. Ihre Freiheit." Eindringlich schaute ich ihn an. "Was glaubst du? Das sie sich neu formieren und uns angreifen?" Nat warf ihm einen genervten Blick zu. "Vielleicht ist es besser die Sache auf sich beruhen zu lassen Tony. Es wird keinen weiteren Krieg geben. Es ist genug." Natasha nahm kein Blatt vor den Mund und sie hatte recht. Mich hingegen plagte eine andere Sorge. Ich nahm den Brief noch einmal zur Hand. "Kein Wort über Barnes und keines über mich.", murmelte ich leise und merkte erst ein paar Sekunden später, dass ich den Gedanken laut ausgesprochen hatte. "Rogers wird ihn versteckt haben.", meinte Tony und schüttelte mit dem Kopf. "Sie sind zerstritten Dad!", warf ich ein. "Zumindest waren sie das, als ich noch bei Sinnen war.", fügte ich flüsternd hinzu und dachte mit Schrecken an den Moment zurück, an dem ihr Kampf begonnen hatte. Niemand von uns wusste wohin es die beiden verschlagen hatte. Eines war jedenfalls sicher. Steve war am Leben, doch von James fehlte jede Spur. "Es wird nicht leicht sein ihn aufzutreiben." Ich schaute meinen Vater fassungslos an. "Ist das dein Ernst Dad? Nach allem was war, bist du wirklich bereit einen neuen Krieg anzuzetteln? Meinst du nicht, dass die letzten Wochen und Monate gereicht haben?", stellte ich ihn zur Rede während Natasha zustimmend nickte. "Dieser Krieg hat alles zerstört. Er hat uns auseinandergerissen. Aus Freunden beinahe Feinden gemacht und eine Menge Opfer gefordert.", rief ich ihm ins Gedächtnis. Angespannt hievte ich meine lahmen Beine aus dem Bett und stand auf. "Also Tony. Wenn du diesen krieg nicht für dich beenden kannst...Dann tu es wenigstens für mich, denn ich will das alles nicht mehr. Und so sehr ich es auch versuche...Ich kann es nicht mehr. Ich bin nicht mehr bereit mein Leben und das vieler anderer Menschen aufs Spiel zu setzen, nur damit jemand das bekommt, was er will. Es ist zu viel. Die Avengers, die Kämpfe, der Krieg. Einfach alles. Ich steige aus Tony."

Desire - Bucky BarnesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt