Kapitel 37 - Stromausfall

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Fröstelnd rieb ich mir über die Arme und zog mir die dicke Wolldecke enger um den Körper. Die letzten Sonnenstrahlen verschwanden gerade im Dickicht der Bäume und kündigten eine weitere, kalte  Nacht an. Ich seufzte und schüttelte dabei mit dem Kopf. Die letzten Tage waren nicht spurlos an uns vorbeigezogen. Wir lebten am absoluten Minimum. Mit jedem Tag der verstrich, wurde es im Haus kälter und unsere Vorräte immer weniger. Nicht einmal Barnes konnte mehr leugnen, dass wir vermutlich am Ende waren, sollte uns nicht doch noch eine Lösung einfallen. Müde rieb ich mir über die Augen, mit denen ich zuvor in das knisternde Kaminfeuer gestarrt hatte. Mit einem plötzlichen Ruck flog die Terrassentür auf. Ich zuckte zusammen und konnte nur mit Mühe einen kleinen Schrei unterdrücken. Dabei war uns draußen nie jemand begegnet. Es konnte also nur Bucky sein, der in der letzten Stunde auf der Suche nach Feuerholz gewesen war. Schnell verschloss er die Tür und trat bibbernd ins Wohnzimmer. Sofort stand ich auf, um ihm zu helfen. "Gott, du bist schon blau. Wie hast du da draußen nur so lange ausharren können?" Ich nahm ihm einen Stapel Holz ab und legte es griffbereit neben den Kamin. Buckys Haare standen in sämtliche Richtungen ab, seine Nasenspitze war rot, die Wangen weiß. "Keine Ahnung...Ich..." Er brach ab und rieb sich die Hände, um wenigstens ein bisschen Wärme zu erzeugen. "Ab an den Kamin mit dir.", kommandierte ich und schob ihn in die Richtung unserer einzigen Wärmequelle. Sofort entwich ihm ein wohliges Seufzen, was mich schmunzeln ließ. Ich musste zugeben, dass ich jedes Mal, wenn Barnes das Haus verließ Sorge hatte, dass er nicht mehr zurückkommen würde. Ich hatte Angst um ihn. Auch wenn ich wusste, dass sich in dieser Umgebung weit und breit nichts befand, was für ihn eine Gefahr darstellen konnte, schlug mir mein Herz jedes Mal bis zum Hals sobald er auch nur alleine einen Schritt vor die Tür machte. "Hast du etwas gegessen?", unterbrach Bucky meine Gedanken und schaute mich von der Seite aus prüfend an. "Nein.", gestand ich und streifte mir eine Locke aus dem Gesicht. "Eleanor! Wir haben das doch besprochen!", regte er sich auf und raufte sich dabei verzweifelt die Haare, während ich versuchte ihn zu beschwichtigen. "Ich möchte nur nichts verschwenden! Und ich kann mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich mehr zu Essen bekommen soll als du. Wir sollten teilen!", entgegnete ich zaghaft, obwohl ich wusste, dass ich mit dieser Ansicht auf taube Ohren stoßen würde. Wie erwartet wank Barnes ab. "Ich bin es gewohnt eine Zeit lang nichts vernünftiges zu mir zu nehmen, du nicht.", hielt er dagegen. "Ich finde das nicht fair.", antwortete ich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ist mir egal Eleanor. Ich werde dir jedenfalls nicht dabei zusehen, wie du dich Tag für Tag mehr zurücknimmst, nur damit du mir dabei einen Gefallen tust. Ich rühre dein Essen nicht an, das verspreche ich dir." Ich stieß ein genervtes Seufzen aus. "Du denkst du kannst mir vorschreiben was ich esse und was nicht?" Ich wusste, dass ich ihn mit dieser Aussage nur weiter provozierte und mittlerweile kannte ich James Buchanan Barnes gut genug, um zu wissen, dass er sich nicht kampflos geschlagen geben würde. Plötzlich stand er auf und verschwand aus dem Wohnzimmer. Neugierig folgte ich ihm und stieß beinahe mit ihm zusammen, als er mir auf halbem Wege schon wieder entgegen kam. "Das kannst du vergessen Barnes." Ich deutete auf die Dose Linsensuppe, die er in den Händen hielt. "Das ist die letzte Dose die wir haben und die werde ich ganz bestimmt nicht alleine essen!", fügte ich hinzu und drehte mich mit verschränkten Armen von ihm weg. "Und ob du das wirst.", hielt er dagegen. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich, wie er in die Küche ging und gerade den Herd andrehen wollte. "Hör auf damit mir ständig zu sagen, was ich tun soll!", lenkte ich ihn ab. "Ich will das es dir gut geht. Verdammt Eleanor!" Seine Augen begegneten meinen und ich konnte die sprühenden Funken förmlich spüren. Die Leitungen scheinbar auch, denn just in dieser Sekunde wurde es mit einem Mal dunkel um uns. Nur das Feuer prasselte im Kamin munter weiter vor sich hin. "Scheiße!", fluchten wir beide gleichzeitig.

"Da ist nichts zu machen.", sagte Bucky während er am Stromkasten rumfummelte und sämtliche Drähte ineinandersteckte und doch wieder rauszog. "Die sind durch.", murmelte er und ließ für einen kurzen Moment die Schultern hängen. "Das wars dann also endgültig. Kein Strom, kein Essen. Wenn wir Glück haben kommt noch eiskaltes Brunnenwasser aus dem Hahn.", mutmaßte ich und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Ich war fertig und am Ende. Wir hatten keine andere Möglichkeit als aus unserem Loch zu kriechen und uns zu stellen, aber selbst das würde schwierig werden, bei dem Wetter was draußen abging. "Hey." Bucky legte mir eine Hand auf die Schulter. "Wir schaffen das schon. Ich lasse mir was einfallen.", versprach er. Ich konnte über seine Worte nur müde Lächeln. "Na immerhin kannst du mir die Linsensuppe dann nicht warm machen.", starte ich den Versuch eines Witzes, hatte jedoch nicht mit Buckys Überzeugung gerechnet. "Für dich halte ich den Topf auch übers Feuer."

Gesagt getan. Keine zehn Minuten später saß ich erneut vor dem Kamin und löffelte unter strenger Beobachtung von Barnes einen Löffel Suppe nach dem anderen in mich hinein. Ich hatte mich mit Händen und Füßen geweigert, dann jedoch aufgegeben. Ich würde gegen Bucky niemals ankommen. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog er das auch durch. Und auch wenn ich es nicht zugebenen wollte, mein Magen freute sich über die heiße Mahlzeit. Auffordernd hielt ich Bucky den Löffel hin. "Nur einen Löffel!" Er schüttelte mit dem Kopf. "Komm schon Barnes. Ich kann es nicht sehen, wie du hier daneben sitzt und nichts abbekommst.", flehte ich ihn förmlich an. "Für mich ist das wie eine Kur.", entgegnete er und schaute wieder ins Feuer. Doch dieses Mal war ich nicht gewillt so schnell aufzugeben. Kurzerhand tunkte ich den Löffel in die Suppe und hielt ihm diesen vor den Mund. "Mund auf.", forderte ich und lachte als er ein paar Sekunden später augenrollend nachgab und einen Happs nahm. Hätte mir jemand vor ein paar Wochen gesagt, dass ich Barnes mal mit einem Löffel Suppe füttern würde, hätte ich demjenigen wahrscheinlich das Gesicht neu aufpoliert. "Dann kannst du ja den Rest auch noch aufessen.", meinte ich und deutete auf die restliche Suppe. "Nein.", erwiderte er.  "Bucky...", seufzte ich auf. Ich hatte keine Lust mich wieder mit ihm zu streiten, dabei wollte ich ihm eigentlich nur Gutes. Ich konnte es nicht mit ansehen, wie er für mich auf sein Essen verzichtete. "Ich tue alles. Wirklich. Wenn du nur endlich was davon isst.", flehte ich ihn erneut an. Langsam drehte er sich zu mir um. "Also gut, wir machen einen Deal. Ich esse den Rest der Suppe und du schläfst ab jetzt hier bei mir im Wohnzimmer."

Desire - Bucky BarnesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt