Kapitel 42 - Eiskalte Blicke

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Der nächste Morgen begann für mich früh, eiskalt und mit einem unguten Gefühl. Verstohlen schaute ich mit leerem Blick auf den Platz neben mir, der gestern Nacht noch Barnes gehört hatte. Er war gegangen, endgültig. Obwohl er das getan hatte, worum ich ihn verzweifelt gebeten hatte, spürte ich eine unglaubliche Leere in mir. Es war als wäre ein wichtiger Teil meines Herzens ausgeschaltet worden. Kopfschüttelt stand ich auf und widerstand der Versuchung den Tag im Bett zu verbringen. Draußen, außerhalb meiner Zimmertür, wartete Ärger auf mich und ich war bereit mich dem entgegenzustellen.

Auf leisen Sohlen schlüpfte ich aus meinem Zimmer und huschte mit einem Bündel Klamotten in der Hand ins gegenüberliegenden Bad. Als ich die Dusche andrehte und mir sogleich das heiße Wasser auf den Kopf prasselte, fühlte ich mich für einen kurzen Moment besser. Wahrscheinlich würde ich die Gefühle, die ich schon seit Wochen mit mir herumschleppte nicht so einfach abwaschen können, doch ich konnte zumindest so tun. Gesagt getan. Ich konnte mir einfach nicht überlauben darüber nachzudenken, was in der gemeinsamen Zeit mit Barnes geschehen war. Es war vorbei und ich war fest entschlossen unser Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Ich wollte einfach keinen erneuten Kampf riskieren. Zu viele Gefühle drohten bereits an die Oberfläche zu gelangen. Seufzend drehte ich den Hahn zu, stieg aus der Dusche und war gerade dabei mir ein Handtuch umzubinden, als die Tür aufflog. "STEVE!", stieß ich hervor und konnte gerade noch verhindern, dass mir das Stück Stoff aus den Händen glitt. Anstatt kehrt zu machen schloss mein Gegenüber die Tür hinter sich. "Bist du irre?", keifte ich und versuchte so gut es ging das Handtuch fester um meinen Körper zu wickeln. "Es ist ja nicht so, das ich dich noch nie ohne ein Handtuch gesehen hätte Elle.", gab er belustigt zurück und zwinkerte mir zu. Sprachlos beobachtete ich, wie er sich eine Zahnbürste aus dem Badschrank nahm. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich meine Sprache wiedergefunden hatte. "Wirst du mir verraten was das hier soll?", fragte ich spitz und bemühte mich dabei um einen ruhigen Unterton. "Ich putze Zähne?", antwortete der Avenger mit vollem Mund und drehte sich zu mir um. "Ich komme gerade aus der Dusche?!", spie ich ihm entgegen und wickelte mich noch enger in mein Handtuch. "Das sehe ich." Wut kochte in mir hoch. "Würdest du mir also bitte meine Privatsphäre lassen?", machte ich ihm klar, was ich ihm damit eigentlich hatte sagen wollen. Steve ließ sich davon jedoch nicht stören, sondern putzte in aller Ruhe seine Zähne zu Ende, spülte sich den Mund aus und machte dann einen Schritt auf mich zu. Seine blauen Augen bohrten sich in meine. Ich wollte nach hinten ausweichen, doch die Dusche war mir im Weg. "Hör mal...Ich weiß, dass es dir nicht leicht fällt, dass ich wieder da bin, aber wir waren immer ein gutes Team. Immer.", betonte er und streifte mir hauchzart über die Wange. "Ich will nur, dass du weißt, dass ich in den letzten Wochen und Monaten immer an dich gedacht habe. Du hast mir gefehlt, sehr sogar." Ich wünschte ich könnte dasselbe sagen, schoss es mir durch den Kopf, doch ich entschied mich anders. "Du mir auch.", sprach ich zwar ziemlich leise und monoton aus, doch Steve lächelte als er meine Worte hörte. "Aber ich brauche Zeit Steve. Das ist alles worum ich dich gerade bitte.", fügte ich hinzu. Er nickte und machte Platz, um mich an ihm vorbeizulassen. Schnell schnappte ich meine Klamotten, riss die Badtür auf und sprintete regelrecht in mein Zimmer. Mit voller Wucht knallte ich die Tür hinter mir zu und ließ mich dann an ihr hinuntersinken. Verzweifelt schlug ich mir die Hände vors Gesicht und tat mein Möglichstes, um die Tränen, die sich bereits anbahnten, zurückzuhalten. "Mein Gott ist das alles beschissen!", brüllte ich und pfefferte ein Buch durchs Zimmer.

Es dauerte ein paar Minuten bis ich mich beruhigt hatte. Fest entschlossen mich von meinen Gefühlen nicht noch einmal so übermannen zu lassen betrat ich angezogen und mit einem Pokerface die Küche. Kaffeegeruch wehte mir in die Nase und lockerte meine Anspannung ein wenig. Steve saß bereits auf einem Hocker an der Theke während Barnes bereits dabei war Tassen aus dem Schrank zu holen. Als unsere Blicke sich begegneten, war ich der Meinung es würden Funken sprühen, doch Steve bemerkte nichts. "Morgen.", sagte ich tonlos und mit leicht zitternder Stimme in James Richtung. Er bemühte sich um ein Lächeln. "Kaffee?" Er schwenkte die Kanne in seiner Hand. Ich nickte, schnappte mir eine Tasse und hielt sie ihm hin. "Ich war gerade dabei Steve zu erklären, dass er auf ein nahrhaftes Frühstück verzichten muss.", nahm Barnes den Gesprächsfaden wieder auf. "Das stimmt wohl.", antwortete ich und hockte mich ebenfalls auf einen der Hocker, neben Steve. Vielleicht hatte ich es mir nur eingebildet, doch ich hätte schwören eine Regung des Missfallens in seinem Gesicht gesehen zu haben, doch in der nächsten Sekunde war das Schauspiel vorbei und ich war mir nicht mehr sicher was ich gesehen hatte. "Macht nichts. Wir besorgen uns was auf dem Weg nach Sibirien.", antwortete Steve und legte mir eine Hand auf den Oberschenkel. Dieses Mal sah ich es ganz deutlich. Es war nicht Steves Hand auf meinem Schenkel, die mir eine Gänsehaut verpasste, sondern Buckys angespannte Muskeln, sein Kiefer der ununterbrochen mahlte und sein eiskalter Blick, den er in diesem Moment nicht kontrollieren konnte. "Du willst das mit Sibirien also wirklich durchziehen?", fragte ich zur Ablenkung und nippte an meiner Kaffeetasse. Während James versuchte sich wieder zu entspannen nickte Steve. "Es ist die einzige Möglichkeit diesen Krieg zu beenden. Ich bin mir sicher, dass dieser vermeintliche Psychiater sich ebenfalls mobilisiert und das gleiche Ziel hat. Ich bin es der Welt schuldig das zu Ende zu bringen was ich angefangen habe, vor allem dir." Er richtete den Blick auf Bucky. Ich ließ seine Worte auf mich wirken und versuchte zu begreifen was da in den nächsten Tagen auf mich zukommen würde. "Wir ziehen das gemeinsam durch.", kam es entschieden von Bucky, der sein Pokerface wiedergefunden hatte. Im nächsten Augenblick lagen zwei Augenpaare auf mir. Ihre Aufmerksamkeit war mir fast unangenehm. Ich wägte meine Optionen ab und mir war klar, dass ich keine andere Wahl hatte. "Okay, ich bin dabei, aber unter zwei Bedingungen.", sprach ich und bedachte beide mit einem ernsten Blick. "Alles was du willst Elle." Cap schaute mich fordernd an. "Kein Blutvergießen mehr. Niemand unschuldiges soll durch unsere Taten beeinträchtigt werden.", fuhr ich fort. "Das ist auch mein Ziel. Und weiter?" Ich holte tief Luft. "Sollte mein Vater aufkreuzen, wirst du dich bemühen mit ihm Frieden zu schließen und ich ebenfalls." Ich wusste wie paradox diese Worte gerade aus meinem Mund klingen mussten, doch wenn mich die letzten Wochen mit Barnes eines gelehrt hatten, dann das man vergeben und auch zugeben musste, wenn man einen Fehler begangen hatte. "Abgemacht."

Desire - Bucky BarnesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt