Wie sah ich aus? Ganz okay oder? Ich war nochmal duschen, hatte Parfüm drauf und meine Haare sahen auch gut aus. Jetzt könnte sich doch keiner beschweren!
Warum hat man mir eigentlich keine Uhrzeit gegeben, wann ich abgeholt werden sollte? Betrübt sah ich zu meiner Wodka Flasche, auf die hatte ich mich doch heute gefreut... Vielleicht war es so aber auch einfach besser.
Plötzlich klingelte es an der Tür und ich lief schnell das Treppenhaus runter. Endlich, die haben sich mal wieder Zeit genommen. Gut, es war auch kein Taxiunternehmen.
„Guten Abend, sind Sie bereit?" fragte mich der Fahrer, als ich neben ihm einstieg. „Ja, ich denke." seufzte ich. Der Fahrer fuhr los und schaltete das Radio ein, ich schaute also eine Weile aus dem Fenster.
Wir fuhren eine halbe Stunde, bis der Wagen auf einem Parkplatz vor einem Restaurant parkte. Sollte ich da jetzt rein? Warum gingen wir Essen? MACHTE DER SICH IMMERNOCH ÜBER MICH LUSTIG?!
„So, da wären wir. Max dürfte schon drin sein, er wird Sie schon zu sich bringen lassen. Viel Erfolg! Sagen Sie weiteren Treffen definitiv zu, okay?" wies man mich an. „Alles klar, vielen Dank!" und damit verabschiedete ich mich.
Jetzt war ich auf mich allein gestellt. Langsam bewegte ich mich auf das Restaurant zu und beäugte von außen schonmal die Menschen, die drinnen saßen. Allerdings viel mir keiner von ihnen ins Auge.
Drinnen begrüßte mich eine Kellnerin „Guten Abend, haben Sie eine Reservierung?" „Ähm nein, ich treffe mich hier mit jemanden. Er müsste schon da sein..." „Sind Sie Marlon?" „Ja..." „Folgen Sie mir bitte!" sagte sie und ging los.
Jetzt wo ich mir die Menschen hier ansah, war ich sehr dankbar gegenüber meines Anzugs. Wahrscheinlich kostete ein Glas Wasser hier schon 20€.
Wir gingen in eine hintere Ecke des Restaurants und dort sah ich ihn sitzen. Ein breiter Mann, mit blonden Haaren und einer Maske. Warum hatte er hier eine Maske auf? War er so wichtig?
Als er mich sah, sah man wie er leicht lächelte. „Guten Abend." begrüßte er mich und ich setzte mich gegenüber von ihm. „Guten Abend." plapperte ich ihm nervös nach. Meine Hände waren schon total schwitzig oder war die Heizung einfach zu hoch gedreht?
„Hast du meine Nachricht erhalten?" fragte er mich und mal wieder war er am grinsen. Ich nickte „Und einen Herzinfarkt fast noch dazu." „Hört sich doch gut an. Ich sag dir was du wissen musst, dann können wir den Teil hinter uns lassen." seufzte er und wirkte schon fast ungeduldig.
„Haben Sie es eilig?" „Sag doch endlich du zu mir, ja? Aber nein hab ich nicht, ich wollte nur über was anderes mit dir reden." er duzte mich ja sowieso schon die ganze Zeit, also warum nicht.
„Das Problem ist aber, dass ich nicht genau weiß, was für Information ich sammeln soll." gab ich kleinlaut zu, man wie peinlich. „Ich hab dich ja auch eingeladen, du kannst garnicht wissen, was ich dir sagen will." lachte der Mann. Oh...
„Ich heiße übrigens Ezra. Viel hab ich aber nicht zusagen. Es geht um Charles, wie ihr wahrscheinlich wisst ist er Drogendealer. Ich wollte einfach meine Hintergründe zu dieser Übergabe darlegen, bevor ihr mich nervt." seufzte er und wirkte deutlich gelangweilt. Wahrscheinlich sagte er jedem einen anderen Namen, damit sein eigentlicher nicht bekannt wurde.
„Dein Essen sollte auch bald da sein." „Hast du schon was für mich bestellt?" fragte ich überrascht. Er nickte und fing dann an zu überlegen. Warum hatte er das gemacht?
„Sagen wir einfach mal der Mann hat dazu geführt, dass ein guter Bekannter von mir deutlich weniger Einnahmen macht als vorher. Wie gesagt für ihn schien es halt schlimm genug zu sein, ins Gefängnis zu kommen. Ist er schon wieder in Amerika?" „Ich weiß es nicht." warum ging das alles so schnell?
„Ist ja auch egal, seine Familie sucht ihn bestimmt schon. Das witzige ist nämlich, dass er mal einer der größten Dealer war und seine Familie nichts davon wusste. Der kann froh sein, dass ihr nie was angetan wurde." er schüttelte mit seinen Kopf.
„So, mehr verrate ich heute nicht. Dafür musst du wiederkommen. Jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Grund, warum ich dich treffen wollte." plötzlich war das Grinsen auf seinem Gesicht wieder da.
„Warum wolltest du mich überhaupt so unbedingt treffen? Hättest du mich nicht einfach entführen können oder so?" „Willst du das?" „Natürlich nicht!" rief ich empört aus. „Siehst du, ich wollte einfach mit jemanden interessanten reden, wenn ich schon mit der Polizei reden muss. Außerdem könntest du mir noch hilfreich sein." seufzte er und legte seinen Kopf in seine Hand.
Plötzlich tauchte hinter mir die Kellnerin von vorhin auf und ich sprang vor Schreck fast auf. „Oh entschuldigen Sie, ich wollte Ihnen nur Ihr Essen bringen!" entschuldigte sich die Kellnerin direkt bei mir und stellte mir einen Teller hin.
„Möchtest du Wein?" fragte mich Ezra. Warum eigentlich nicht? Ich nickte und Ezra bestellte irgendeinen Rotwein, den ich nicht kannte.
Vor mir stand jetzt ein Teller mit einem viel zu teuer aussehendem Steak mit diversesten Beilagen. Ich staunte, nicht schlecht.
„Erzähl mir was über dich, Marlon." seufzte er und schaute mich erwartungsvoll an. „Was willst du denn wissen?" „Alles." zischte er freudig. Aber ich schüttelte den Kopf und fing lieber an zu essen. „Du weißt bestimmt schon genug über mich." „Das stimmt natürlich. Mich interessieren aber mehr die kleinen Details, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Aber ich wollte auch keinen Stalker auf dich ansetzten, weißt du?" lachte er weiter.
„Wie nett." gab ich ironisch von mir. Warum will er jetzt was über mich wissen? „Ich bin überrascht, dass du gekommen bist, obwohl ich gedroht habe dich umzubringen." überlegte Ezra laut. Ich riss meine Augen auf „Du hast was?!" fragte ich entsetzt.
„Oh, man hat dir nicht davon erzählt? Keine Sorge, dafür wärst du mir sowieso viel zu schade. Ich hätte dich höchstens mitgenommen, aber ich Pflege Beziehung ja eigentlich lieber auf eine normale Art. Aber sag das nicht dem Geheimdienst, sonst muss ich doch andere Maßnahmen einleiten." sollte mich das jetzt beruhigen? Denn das tat es nicht wirklich.
„Warum solltest du mich umbringen?" fragte ich nervös nach. „Falls du ein Mikro oder so dabei haben solltest. Aber ich wollte dich damit jetzt auch nicht verunsichern." das war ja schön für ihn.
Endlich kam die Kellnerin mit diesem doofen Wein. „Lassen Sie die Flasche gerne hier." sagte Ezra, die Frau schüttete uns was ein und ließ uns dann mit der Flasche wieder alleine. Ich stürzte mich schon förmlich auf mein Glas, weshalb der andere lachte.
„Wie soll ich dir in Zukunft eigentlich noch ‚nützlich' sein?" wechselte ich schnell das Thema. Ich sollte jetzt definitiv nicht ausflippen, ich musste weiter Informationen sammeln, egal wie unbedeutend sie auch scheinen mögen.
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Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)
Short StoryMarlon ist Polizist und gerät eines Tages zufällig in eine Geiselübergabe. Dort trifft er auf einen gesuchten Schwerverbrecher, welcher ein gewisses Interesse an ihm pflegt. Gleichzeitig ist er einer der wenigen Menschen, die ihn selber nicht nur al...