17. ein bitteres Ende

200 8 5
                                    

Diese Woche stand für mich nur Streifendienst an, toll. Wenigstens fuhr ich einige Tage mit Daniel herum.

Am Freitag war Ezra nach dem Essen recht schnell gegangen, da er noch was zu erledigen hatte. Seid dem hatte ich nichts mehr von ihm gehört, woher auch.

Aber würde das bedeuten, dass ich die ganze Woche nichts von ihm hören würde? Es sei denn er würde ein Treffen beim Geheimdienst mit mir ausmachen. Ob er das wohl machen würde?

War nicht jede Woche ein Treffen irgendwie zu viel, wenn es nur zum Austausch von Informationen war? Warum lässt der Geheimdienst das einfach zu? Nicht das es mich noch stören würde, aber kam es denen nicht auch ein wenig verdächtig vor?

Vielleicht war es ihnen auch einfach komplett egal, solange sie Informationen bekamen, dann dürfte ich weiter für sie laufen. Haben tat ich davon nicht viel, außer einen bezahlten Tag, an welchem ich sogar zum Essen eingeladen wurde. Ich konnte mich also nicht beschweren.

Trotzdem sprach Ezra ja auch mit ihnen, weshalb es noch komischer wirkte, dass wir uns dann noch trafen. Aber vielleicht hinterfragten sie erst garnicht sein Handeln, da sie davon ausgingen es sowieso nicht verstehen zu können.

Ich war froh mit Daniel mir die Zeit vertreiben zu können. Wieder einmal redeten wir über die verschiedensten Dinge.

„Sag mal, was gefällt dir an der Arbeit bei der Polizei eigentlich so?" fragte ich nach einer Weile. Ich wollte seine Beweggründe verstehen, um vielleicht endlich meine eigene berufliche Laufbahn weiter bestimmen zu können.

„Hm, ich denke ich möchte mehr Sicherheit für meine Familie schaffen. Ich bin zwar ‚nur' ein Streifenpolizist, aber ich glaub, dass ich schon meinen Teil dafür beitrage." erklärte Daniel und lächelte leicht vor sich hin.

„Auf der anderen Seite gefährde ich mich natürlich sehr, aber irgendwer muss es ja machen, nicht?" ich nickte. „Warum fragst du?" ich überlegte eine Zeit lang.

„Ich weiß nicht, ob das hier das richtige für mich ist. Manchmal möchte ich einfach was anderes machen." gab ich nach einer Zeit zu und Daniel nickte verständnisvoll.

„Hast du schonmal in anderen Bereichen gearbeitet?" „Nur als Schüler, aber sonst nicht." „Hast du schon eine Idee, was du machen möchtest? Soll es denn was ganz anderes sein?" überlegte Daniel weiter mit mir.

„Zwischendurch dachte ich, ich könnte vielleicht bei der Kripo arbeiten oder in einer Detektei, aber mittlerweile denke ich eher an einen ruhigen, normalen Beruf." ich versuchte irgendwie meine Gedanken in Worte zu fassen.

„Ist dir das zu viel Stress bei der Polizei?" fragte Daniel mich und ich nickte. „Ich hab das Gefühl ich komme damit einfach nicht so gut klar, wie du zum Beispiel. Du bleibst auch in total stressigen Situationen immernoch gefasst, das kann ich einfach nicht." gab ich zu.

„Ich hab das auch erst mit der Zeit gelernt. Aber die Arbeit ist halt nicht für jeden was und das ist okay. Du solltest dich nicht unter mehr Druck setzen als du aushältst." pflichtete Daniel mir bei.

Wir diskutierten auch die nächsten Tage darüber, was ich gerne machen würde und was mir fehlte. Aber im Endeffekt kamen wir zu keinem Ergebnis.

Mittlerweile war es Donnerstag und Thomas und ich wollten gerade Mittagspause machen, da kam ein weiterer Notruf ein, ein Raubüberfall.

Weder die Anzahl der Personen, noch ob Waffen im Spiel waren war bekannt. Wir machten uns also auf den Weg zu einem Kiosk. Solche kleinen Raubüberfälle kamen häufiger vor als man dachte, meist war das ganze aber keine allzu große Sache.

Trotzdem waren es Situationen die man vermeiden wollte. Auch jetzt war ich wieder einmal sehr aufgeregt und wieder einmal begann ich mein ganzes Leben zu hinterfragen.

Solche Momente waren wie eine innere Bestätigung, dass ich nicht als Polizist arbeiten wollte. Ich fühlte mich für solche Stressmomente nicht gemacht und sie verlangten mir viel zu viel ab.

Jetzt war es allerdings zu spät für einen Rückzieher und das einzige was ich tun konnte war, mich irgendwie auf potentielle Gefahren vorzubereiten.

Vor Ort kam uns schon die Melderin entgegen und beschrieb uns kurz die Situation. Soweit schien alles gut, es gab keine Verletzten und es schien sich um eine Person zu handeln.

Die Kioskbesitzerin war sehr aufgebracht, was natürlich verständlich war. Trotzdem viel es so immer schwerer an brauchbare Informationen heranzukommen und in der nötigen Ruhe das weitere Vorgehen zu planen.

Thomas und ich betraten mit gezogener Waffe den Laden und gaben uns zu erkennen. Während Thomas die wenigen Gänge neben mir absicherte, bewegte ich mich geradeaus Richtung Kasse.

Plötzlich sah ich hinter der Kasse einen Schatten und forderte die Person lautstark auf sich zu erkennen zu geben und die Hände hochzunehmen.

Thomas schloss ziemlich schnell wieder von links zu mir auf. Eine schwarz gekleidete Person erhob sich und hielt ein Messer in der Hand. „Legen Sie sofort das Messer weg!" rief ich, aber die Person zögerte.

Wie die Menschen in solchen Stresssituationen reagierten und handelten, sagte meist schon sehr viel über die Motive und Professionalität eines Diebes aus.

Ob sie gefasst blieben oder in Panik gerieten, ob sie direkt gehorchten oder währenddessen noch weiter denken konnten, es waren immer die selben Muster. Manche reagierten so als wüssten sie nicht einmal, dass sie etwas falsch gemacht hatten.

Immernoch war die Person am überlegen, ob sie ihr Messer uns übergeben sollte oder nicht. Zumindest dachte ich das, was ich nicht wusste war, dass sie wartete. Sie schindete Zeit, es ging lediglich um Sekunden.

Rechts von mir knallte plötzlich eine Tür zum hinteren Bereich des Kiosks auf und eine weitere maskierte Person trat zum Vorschein, in ihrer Hand eine Waffe.

Diese sah ich allerdings nur eine Sekunde, bevor mehrere Schüsse fielen. Ich sah wie die zweite Person durch einen gezielten Schuss ins Bein zu Boden ging.

Ich drehte mich zu Thomas, welcher mich mit einer überwältigenden Besorgnis anschaute, während er die andere Person mit seiner Waffe fokussiert.

Ich schaute an mir runter und plötzlich sah ich, wie meine Uniform sich mit Blut tränkte. Mir wurde schwarz vor Augen. Was passierte hier? Ich musste Thomas helfen!

Gerade als ich anfing die unglaublichen Schmerzen meiner Schusswunden zu spüren, ging ich zu Boden und verlor das Bewusstsein.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt