Den ersten Schock hatte Nike verdaut. Nachdem sie die Bestätigung ihrer Frauenärztin erhalten hatte, dass sie tatsächlich schwanger war, hatte sie sich eine Woche krankgemeldet, um sich und ihre Gedanken zu sortieren. Ihre Frauenärztin hatte ihr erklärt, dass man den Zeugungstag, sofern man einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen hatte, theoretisch recht präzise bestimmen konnte. Der Tag der Zeugung wäre exakt 14 Tage nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Da gab es nun jedoch ein kleines Problem, sie hatte weder einen regelmäßigen Zyklus, noch konnte sie tagegenau den ersten Tag ihrer letzten Periode benennen. Es ergab sich für sie also lediglich ein grobes Zeitfenster und in diesem Zeitfenster hatte sie mit beiden Männern geschlafen. Sie hatte fieberhaft überlegt, ob es eine Situation gegeben hatte, die einen Hinweis darauf gab, dass es mit der Verhütung nicht wie gewollt funktioniert hatte, blieb allerdings erfolglos. Bei einer Sache war sie sich jedoch sicher, sie hatte jedes einzelne Mal verhütet. Der Gedanke erst nach der Geburt des Kindes Gewissheit zu haben, machte sie verrückt. Sie konnte gewiss nicht bis nach der Geburt des Kindes verschweigen, dass einer von ihnen der Vater war. Irgendwann musste sie mit ihnen sprechen und bis dahin würde sie einem der beiden Männer täglich begegnen.
„Guten Morgen, Nike“, hörte sie die überraschte Stimme ihres Chefs, welcher in seinen Türrahmen getreten war. „Schön, dass sie wieder da sind“, bemerkte er und lächelte ehrlich. Für einen kurzen Moment sah sie ihn einfach nur an, rief sich jedoch zur Ordnung: „Das sagen Sie auch nur, weil hier ohne mich alles im Chaos versunken ist“, bemerkte sie schmunzelnd nachdem sie ihre Tasche auf ihrem Schreibtisch abgelegt hatte. „Ein CEO ist nichts ohne seine Assistentin“, erklärte Luis trocken, bis sich doch ein leichtes Schmunzeln auf seinen Lippen abzeichnete. „Immerhin sind Sie realistisch“, konterte sie keck und begann die Unordnung auf ihrem Schreibtisch zu sortieren.
Nike klopfte leise, öffnete die Tür und strecke ihren Kopf zur Tür hinein: „Mr. Jenkins, hätten Sie einen Moment Zeit?“ Luis sah von seinem Laptop hoch und nickte: „Selbstverständlich“. Zielstrebig ging sie um seinen Schreibtisch herum, legte die Mappe aus ihrer Hand neben ihm auf den Schreibtisch und klappte sie auf. „Ich bräuchte einige Unterschriften“, forderte sie ruhig. Irritiert sah er sie an: „Um die Unterschriften kümmere ich mich später“, erwiderte er sachlich. „Wir sind etwas in Verzug, Mr. Jenkins“, erklärte Nike nun etwas nachdrücklicher und wies auf die Dokumente neben ihm. Er nickte knapp: „In Ordnung, worum geht es?“ Nike suchte die dringlichsten Dokumente aus der Mappe zusammen, erklärte kurz was es damit auf sich hatte und schob sie ihm einzeln zur Unterschrift hin. Luis zückte seinen Stift, setzte auf jedes einzelne Dokument seine Unterschrift. Nike schloss für einen kurzen Moment ihre Augen, als ihr der Geruch ihres Chefs in die Nase stieg, der nur wenige Zentimeter von ihr entfernt war. Auch er schien kurz in seiner Bewegung innezuhalten.
„Danke“, sagte Nike leise, als sie die Mappe mit den Unterlagen neben ihm zuklappte und das Büro wieder verließ. An ihrem Schreibtisch angekommen atmete sie tief durch. An der Anziehungskraft zwischen ihnen hatte sich nichts verändert. Im Gegenteil, sie hatte das Gefühl, dass ihre Hormone ihre Sinne noch zusätzlich auf den Kopf stellten. Allein Luis Geruch hatte ihr die wildesten Fantasien in den Kopf gerufen. Sie schüttelte die Gedanken ab und versuchte sich auf die vor ihr liegende Arbeit zu konzentrieren.
Das Klingeln ihrer Haustür ließ sie hochschrecken. Sie sah auf die Uhr des Fernsehers, ein Spontanbesuch von April? Gemütlich machte sie sich auf den Weg zur Tür, welche sie erwartungsvoll öffnete. „Paul“, entfuhr es ihr, als sie den ihr gegenüberstehenden Mann in der Dunkelheit erkannte. „Was machst du denn hier?“. „Hi“, erwiderte er und zuckte mit den Schultern „Ich war in der Nähe und dachte ich komme mal vorbei“. Perplex trat Nike einen Schritt zur Seite und gewährte ihm Zutritt zu ihrer Wohnung. „Du hast dich nicht mehr gemeldet“, erklärte er ruhig, bevor er ins Wohnzimmer ging. „Ich hatte viel zu tun“, erwiderte Nike lächelnd. Paul blieb stehen, drehte sich um und sah Nike direkt an: „Ist zwischen uns alles in Ordnung?“. „Natürlich“ antwortete sie, während sich schlagartig ein mulmiges Gefühl in ihr ausbreitete. Dieser Mann war potenziell der Vater ihres Kindes. Sie atmete tief durch: „Möchtest du was trinken?“, lenkte sie ab und machte sich auf den Weg in die Küche. „Gerne, hast du ein Bier?“, hörte sie Pauls Stimme, gefolgt von einem leisen Rumpeln. Mit einem Glas Wasser und einem Bier betrat sie wenige Minuten später das Wohnzimmer. Paul stand neben der Couch, sein Gesicht kreidebleich, in der Hand ein kleines Heft. „Deine Tasche ist runtergefallen“, rechtfertigte er sich und sah perplex auf den Mutterpass in seiner Hand. Nikes Herz blieb stehen. „Hast du dich deswegen nicht gemeldet?“, fragte er noch immer verwirrt. Sie trat auf ihn zu, stellte die Getränke auf dem Tisch ab und nahm ihm das Heft aus der Hand. „Das ist nichts“, versuchte sie in ruhigem Ton klarzustellen. Paul sah sie fassungslos an: „Ich werde Papa und du sagst mir es ist nichts?“
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Ein Geräusch aus seinem Vorzimmer ließ Luis aufhorchen. Die Woche ohne seine Assistentin hatte ihn herausgefordert, vor allem hatte sie ihm deutlich gemacht, was Nike alles im Hintergrund leistete. Als er in den Türrahmen seines Büros trat, erblickte er Nike, welche ihre Tasche auf dem Schreibtisch ablegte und das vor ihr liegende Chaos betrachtete. Für einen kurzen Moment beobachtete er sie lediglich und konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Er war froh, sie wieder in seinem Vorzimmer zu wissen. „Guten Morgen, Nike“
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Challenge
RomanceNike Davis war mit ihren 28 Jahren fest im Berufsleben angekommen. Ihr Abschluss in Wirtschaftspsychologie hatte ihr eine super Chance in einem weltweit vertretenen Unternehmen in den USA ermöglicht, wo sie nun seit drei Jahren als persönliche Assi...
