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Schweigend legten sie fast die ganze Strecke bis zum Haus der Burmanns zurück. Fast trotzig blickte Tonya aus dem Fenster und Hendrik überließ sie ihren Gedanken. Erst als er in die Straße zu den Burmanns einbog, blickte Tonya erstaunt auf.

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich heute zu deiner Mutter begleiten werde", beantwortete Hendrik Tonyas stumme Frage. „Mara hat Frühstück für euch vorbereitet und auch das Mittagessen. Dann habt ihr genügend Zeit füreinander. Ich werde dich nach dem Mittagessen wieder abholen, und falls ich es nicht rechtzeitig schaffen werde, werde ich Ben und Bodo schicken. Ok?"

Tonya nickte. „Danke", sagte sie schließlich leise.

Schon hielt Hendrik vor dem Haus und stieg aus. Er öffnete den Kofferraum, nahm eine große Box heraus und trug sie zum Haus. Melli hatte das Auto gehört und war staunend herausgekommen.

„Tonya. Alpha Hendrik", rief sie überrascht.

„Mama", flüsterte Tonya und umarmte Melli.

„Hallo Melli", nickte Hendrik und trug die Box in die Küche. Dann ging er zurück und holte die zweite Box. „Frühstück und Mittagessen für euch mit den besten Grüßen von Mara. Lasst es euch schmecken. Ich wünsche euch viel Spaß."

Dann stieg er in sein Auto, winkte den beiden nochmals kurz zu und fuhr weg.

„Darfst du uns nun besuchen, wann immer du willst?", fragte Melli erstaunt.

„Glaub nicht", murmelte Tonya. „Ich wollte eigentlich gestern schon kommen. Da durfte ich nicht."

„Egal", winkte Melli lächelnd ab. „Jetzt bist du ja da."

Sie zog Tonya in die Küche und wagte dann neugierig einen Blick in die Boxen.

„Das sieht ja lecker aus", schwärmte Melli. „Machst du Kaffee?"

Ein paar Minuten später saßen sie am Küchentisch, tranken Kaffee und probierten sämtliche Brotaufstriche, die Mara ihnen eingepackt hatte.

„Von wem ist eigentlich diese Kette?", fragte Tonya plötzlich.

„Ich habe sie von einer Krankenschwester erhalten, als du geboren wurdest", erzählte Melli.

„Bitte erzähle mir mehr", bat Tonya.

„Nun ja", seufzte Melli. „Zu der Zeit ging es mir nicht sonderlich gut. Es war eine schwere Schwangerschaft und leider auch eine schwere Geburt."

„Das tut mir leid", flüsterte Tonya traurig.

„Da kannst du nichts für, Schätzchen", tröstete sie Melli. „Manchmal ist das eben so. Aber das war auch der Grund, weshalb ich nicht zu Hause entbinden wollte. David hatte mich schon einige Tage vorher ins Krankenhaus gebracht, und das war auch ganz gut so. Denn kaum war ich im Krankenhaus, hattest du dich schon angekündigt. Wir hatten wirklich Angst um dich. Du warst ganz still, als du endlich da warst und es hatte einige Zeit gedauert, bis du geschrien hast. Wir waren so erleichtert, als wir den ersten Ton von dir hörten. Die Ärzte haben sich sehr um dich gesorgt und gekümmert. Mir haben sie nach der Geburt Schmerzmittel gegeben und ich habe fast einen ganzen Tag geschlafen. Als ich dich dann in den Armen halten durfte, warst du wie ausgewechselt. Du hast so laut geschrien und erst Ruhe gegeben, als du die Flasche bekommen hast."

„Da hatte ich wohl ziemlich Hunger", grinste Tonya.

„Ja", bestätigte Melli lachend. „Und du warst sehr fordernd."

Melli räumte die Brotaufstriche in den Kühlschrank, dann schenkte sie Kaffee nach.

„Ich hatte eine sehr liebevolle Krankenschwester", erinnerte sie sich. „Das war wirklich eine wunderbare Krankenschwester, die sich um mich und auch um dich gekümmert hatte. Sienna hieß sie. Sie war es auch, die dich mir zum ersten Mal in die Arme gelegt hatte. Und da hattest du diese Kette um. Sienna erzählte mir, dass diese Kette magisch wäre. Die Zeichen darauf, wären spezielle Symbole, die für Gesundheit, Stärke, Weisheit und Macht stehen würden. Sie hätte diese Kette von einer Seherin bekommen mit dem Auftrag, sie dir zu geben."

„Mir?", fragte Tonya erstaunt.

„Nun ja", Melli zuckte mit den Schultern. „Du warst das einzige Mädchen, das an diesem Tag in diesem Krankenhaus zur Welt gekommen war. Und du warst so schwach und so still, fast schon leblos. Sie hatte dir noch am Abend die Kette um den Hals gelegt und sie hatte dir gute Dienste erwiesen. Sienna bat mich noch, dir diese Kette immer nur dann umzuhängen, wenn du krank bist, ansonsten sollte ich sie für dich verwahren bis du volljährig bist."

„Arbeitet diese Sienna noch immer in diesem Krankenhaus?"

„Nein", schüttelte Melli traurig den Kopf. „Sienna hatte zwei Tage später das Krankenhaus verlassen. Niemand weiß, wo sie hingegangen ist. Ich wollte sie nochmal besuchen und mich bei ihr für ihre Hilfe und Unterstützung bedanken, aber das ging ja leider nicht mehr. Und außerdem hätte ich gerne noch mehr über diese Zeichen gewusst."

„Ich auch", murmelte Tonya. „Deswegen wollte ich ja unbedingt mit dir reden. Ich hatte gehofft, von dir mehr über diese Kette zu erfahren. Ich habe ein paar Bücher über Münzen und Symbole gekauft. Aber ich konnte bisher noch nichts über diese Münze finden. Ich bin aber auch noch nicht alle durch. Hatte diese Sienna noch etwas über diese Seherin erzählt?"

Melli überlegte lange. „Über die Seherin selbst hatte sie nichts erzählt", sagte sie schließlich. „Aber sie erzählte noch, dass diese Münze aus einem Land weit im Süden kommt. Und sie erzählte, dass das Reich untergegangen sei. Aber mehr ... Das ist jetzt auch schon so lange her."

Tonya spielte nachdenklich mit ihrer Kette. Es war nicht viel, was sie erfahren hatte, aber den einen oder anderen Hinweis hatte sie doch bekommen. Vielleicht wird sich ihr irgendwann doch die Möglichkeit ergeben, diesen Hinweisen nachzugehen und mehr zu erfahren.

Gehorche, Tonya.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt