Ich atme auf.
„Grosses Kompliment jedenfalls..."
Puh...ich dachte schon jemand von uns zweien hätte was falsch gemacht.
Stanley steht auf und schaut ihn an.
„Aus dem weg." gibt der andere kühl von sich. Der Mann wendet sich zu mir.
„Wer zum Teufel sind sie?" frage ich ihn aufgebracht. Seine Schritte nähern sich mir langsam aber gefährlich.
„Erstens, ich heisse Tatsuno und zweitens..."
Tatsuno packt mich am Arm und zieht mich nah an sein Gesicht sodass kaum zwei Fingerbreiten dazwischen Platz hätten.
„Eine Puppe hat an meinem Namen nichts zu suchen!!!" Auf einmal rast mir nach einem Aufprall das Blut in die linke Wange.
Was habe ich denn Falsch gemacht?
Stanley zuckt und versucht diesen Schlag zu ignorieren.
„Pass auf dass das nicht mehr passiert! Hat man dir denn keine Manieren beigebracht, Weib?"
Eine Träne kullert mir über die Wange.
Tatsuno verlässt schnell und wütend den Saal.
Kaum schliesst sich die Türe mit einem Knall, schon eilt sich Stanley zu mir und nimmt ein weisses Häkeltüchlein aus seiner Hosentasche raus.
Er wischt mir die Träne weg und haltet mich am Kinn.
„Tatsuno ist halt so. Es tut mir leid dass ich dir nicht geholfen habe."
Ich antworte ihm nicht.
„Wir werden uns morgen sehen..." Die Türe geht wieder auf doch diesmal ist es nicht der grausame Tatsuno.
An Makota's Schritttempo glaube ich nicht dass er gerade im friedlichsten Stand wäre. Mit einem Ruck werde ich aus dem Holzstuhl gerissen und einfach so mitgezogen. Ich blicke zu Stanley zurück der mir benommen nach schaut.
„Wir haben ein hübsches Zimmer für dich." sagt Makota und grinst hinterhältig. Ich stecke immernoch in diesem gotts-engen Kleid und bekomme fast keine Luft mehr.
Er wirft mich gewalttätig ins Zimmer.
Doch bevor Makota die Türe wieder zuknallt rufe ich aus: „Warte!!!"
Er hat meine Aufmerksamkeit zum Glück gefangen.
„Ich krieg fast keine Luft mehr."
Makota kniet sich hin und schnürt mir das Korsett ein Stück auf.
„Danke..."
Er schweigt und starrt zu mir runter.
Seine Brillengläser glänzen und seine grünen Haare schimmern in diesem Mörderlicht.
„Na dann, gute Nacht." wünscht er mir und schliesst die Türe sorgfältig.
Auch wenn er mir eine gute Nacht wünscht, sehe ich schon dass diese Nacht für mich die reiste Höllenfahrt wird. Ich ziehe mich mühevoll aus. All diese Schnüre und Schichten dieses Kleides. Dass Makota sich so gut auskennt? Draussen hört man ein paar Schritte. Doch kommen, tut niemand. Nachdem ich in meiner Garderobe erfolgreich nach einem Nachthemd gesucht habe, lege ich mich in das abgenutze Bett in der Ecke direkt gegenüber der Tür.
Dieses Bett ist trotz der Abnutzung und mangel der Hygiene äusserst Bequem.
Ich habe gerade nicht daran gedacht dass das ja ein Puppenhaus ist...
Ein Psychopuppenhaus.
Welcher Mensch kommt auf die Idee, einen Menschen zu betäuben und diesen in ein Horrorpuppenhaus zu schleppen? Und welcher gesunde Mensch steckt jemanden einfach in ein Kleid und macht Fotos?
Ich versuche so schnell wie möglich einzuschlafen obwohl das hier in dieser Kälte und nach all dem was passiert ist, schwer sein wird.
Jedoch höre ich ständig ein Klicken am zugenageltem Fenster.
Ich habe Angst.
Das Wort:
ANGST
Ist ganz gross auf meinem Rücken gebrannt. Ich kneife mir bei jedem Klicksen die Augen zu. Das Fenster ist getintet und in der Ecke sitzt ein riesiger Teddybär. Ob dort jemand drin ist und mich heimlich beobachtet?
Da ich eh nicht schlafen kann, stehe ich vorsichtig auf. Meine Füsse berühren den kalten nassen Boden. Es gibt kein Licht das hier reingeschienen kommt. Ich muss nach einem Lichtschalter suchen. Mit zitternen Knien mache ich mich auf die Suche und versuche dem Teddybären ja nicht zu nah zu kommen. Schliesslich will ich nicht hier drinnen meine letzte Minute verbringen.
Als kleines Kind hatte ich genauso viel Angst vor der Dunkelheit. Was mir so Angst macht, ist das Gewissen dass ich Sachen nicht sehen kann. Meine Hände tasten vorsichtig die glatte Betonwand ab. Ich spüre nichts. Keine Form die einem Lichtschalter ähneln könnte.
Ob es hinter dem Teddybären einen hätte? Das will ich nicht riskieren. Einen Moment lang starre ich den Bären an. Ich sehe nur den dunklen Umriss und ein klein Bisschen von seinen Knopfaugen. Ich erkenne noch, dass dieser keinen Mund hat. Schwer zu sagen ob das jetzt ein guter oder ein böser Bär ist.
Ich bin zum Entschluss gekommen dass ich es lasse. Ich will hier einfach nur raus. Nach Hause zu meinem Bruder. Dann würde ich auch gleich die Polizei anrufen wenn ich wüsste wo zur Hölle ich bin.
Ich krabble wieder in mein Bett und wickle mich mit der mickrigen Decke ein. Die Angst darf mich nicht wach halten. Ich weiss einfach, wenn ich hier raus will, riskiere ich sozusagen mein Leben. Wer weiss was diese Gruppe alles drauf hat. Das ist nicht ein gewöhnliches Haus. Das ist die luxuriöse Version einer Folterkammer.
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Dollphotographer
Mystère / ThrillerDolorea, 17, jung und ahnungslos. Yamato, ihr grosser Bruder, ist der Einzige aus der Familie, nachdem ihre Eltern auf der Reise nach Venedig wegen eines Flugzeugabsturzes umkamen. Als sie in ihrer neuen Schule sich einigermassen zurechtfand, war da...
