Vor uns steht ein Operiertisch.
Gleich neben dem Tisch ein Stuhl.
Es ist genau der Stuhl, auf dem ich mein erstes Foto hatte. Zwei Männer stehen an den Seiten der Türe.
Ein Mann mit einer schwarzen Sturmmaske packt Stanley am Arm und wieder ein anderer, der sein Gesicht Clownmässig angemalt hat greift nach meinem Handgelenk und zieht mich mit.
Noch ein anderer bringt einen weiteren Stuhl und stellt sie hinter dem Stuhl, auf dem ich gesessen bin.
Ich schlage wie wild um mich, doch dieses Clowngesicht lässt kein bisschen locker. Sie drücken mich und Stanley in den Stühlen.
Rücken an Rücken werden wir aneinander geschnürt.
Dieses Seil schneidet sich in meine Haut ein und hinterlässt eine rote Stelle.
„So, Stanley und Dolorea. Ihr seid ja das neue Traumpäärchen!
Wie wärs wenn wir ein bisschen Benzin über Stanley schütten damit er schön glänzt? Und dann vielleicht noch eine nette schöne Flamme, da du ja Dolorea's Liebesflämmchen bist."
Das ist Tatsuno's Stimme hinter der Sturmmaske.
Ich weiss doch dass er es ist. Egal ob er sich versteckt oder sich etwas auf das Gesicht klatscht.
Ich schweige.
Tatsuno klatscht zweimal rasch in die Hände und befielt: „Los, her mit der Ware!" Die anderen Männer nehmen geschwind zwei Kanister Benzin und schütten es über Stanley's Kopf.
Ich bekomme nur am Rücken etwas Benzin ab. So schnell wie möglich denke ich mir einen Plan aus.
Natürlich lasse ich es mir nicht gefallen, hier gefoltert zu werden.
Meine Hände zucken , als Tatsuno ein weiteres mal in die Hände klatscht.
„So! Das reicht! Zeit für das Feuer!"
Meine Augen weiten sich als er "Feuer" sagte.
Das will ich nicht! Ich muss jetzt einen Plan haben oder sonst sterben wir!
Ich schaue mich panisch um.
Dort, neben dem Operiertisch, steht der Clown mit Stanley's Kamera und macht Fotos.
„Stanley" sage ich mit zittriger Stimme.
Von ihm kommt keine Antwort.
Er sitzt schweigend, mit dem Kopf hängend, da.
Langsam kommen mir die Tränen. Diese Frustration ist mir zu viel.
Wenn ich sterben würde, hättd ich dann wenigstens Stanley bei mir.
Rücken an Rücken.
Ich schaue nicht mehr auf, ich habe keine Lust es mir anzusehen wie Stanley bei lebendigem Leibe verbrennen wird.
Das Auffachen des Streichhölzchend höre ich, als wäre es direkt neben meinem Ohr.
Plötzlich fällt mir etwas ein.
Wieso hat denn der Clown Stanley's Kamera?
Und wieso trägt niemand eine Schutzmaske oder so was?
Das alles ist nur gespielt. Bitte, sag mir dass es gespielt ist. Langsam beginne ich zu lachen. Tatsuno ist doch nicht so raffiniert wie ich dachte.
Tatsuno schreitet auf mich zu und packt mich an den Haaren.
„Was gibts da zu lachen?"
„Sie sind dumm, Tatsuno. Es macht mir zwar Sorgen, doch so dumm kann auch kein Esel sein."
Ich setze ein freches, hämisches Grinsen auf und provozieren ihn damit.
So wie er es immer macht, wenn ihm etwas nicht gefällt, schlägt er mich mit dem Handrücken. Ich spüre ein leichtes Reiben an meinen Handgelenken und spüre in kürze wie die Seile um einiges Locker werden. In mir kommt eine völlig unbekannte, neue Energiewelle auf.
Vorsichtig erhebe ich mich aus dem Stuhl Meine Knie schmerzen mir dabei ein wenig.
Mein Kopf ist frei und meine Hände zittern nicht mehr. Alles ruht auf der Wut.
Mein Lächeln zieht sich breiter und ich spüre ein fegendes Feuer in meinem Herzen.
„Was ist hier los? Makota!" ruft Tatsuno, mit weit aufgerissenen Augen.
Ich höre jemanden auf mich zugehen und drehe mich umy
Der Clown mit der Kamera macht direkt vor mir Halt.
Nein, das kann ich Makota nicht zutrauen.
Hat er uns etwa verraten?
Vielleicht reagiere ich über aber dieses Schwein macht mich aggressiv.
Das werde ich ihm nie verzeihen. Ich hätte ihm das von Vorhin eventuell verziehen doch nun ist die Zeit vorbei.
Ein grausamer Schmerz verbreitet sich im ganzen Körper.
Mein Gesicht brennt wie verrückt und meine Knie stechen.
Mein Augenpaar wird glühend Orange wie Lava und mein Gesicht mit schwarzen Adern umnetzt.
An der Seite meiner beiden Knien und Fussknöcheln wachsen ledrige, schwarze, kleine Flügel.
Meine Ohren ziehen sich lang.
So wie mein Körper, auch meine Zähne schmerzen.
Die Eckzähne werden länger sodass sie über meine Unterlippen streifen.
Als der ganze Schmerz aufhört, sacke ich zu Boden, worauf Tatsuno nurnoch starrt.
Der ganze Raum wird mit Ruhe gefüllt.
Langsam versuche ich aufzustehen, doch Tatsuno kickt mich einmal, dafür sehr stark. Ich bleibe liegen. Meine Arme und Beine fühlen sich so nutzlos. Wie geht es Stanley? Ist er unversehrt?
„Dämon!" schreit er und einer seiner Mitarbeiter aber nicht Makota oder Stanley, packt mich am Arm.
„Lasst sie! Nicht anfassen!"
warnt eine vertrauliche Stimme.
Ich sehe leicht verschwommen, einen Jungen mit Feuerroten Haaren keuchend am Türrahmen stehen.
„Ich bringe sie in mein Labor. Wenn sie gestatten?"
Darauf nickt Tatsuno einverstanden und hebt mich mit einem genervten Grummeln auf.
Er hievt mich auf den kalten, silbrigen Tisch und fährt in Richtung Labor.
Während der Fahrt, redet er kein Wort mit mir.
Nicht einmal ansehen konnte er mich.
Es ist das erste Mal, dass ich mit so einer Transformation auftauche.
Aber wieso?
Die Labortüre geht auf und hinter uns wieder zu.
Rivus schiebt den Wagen, auf dem ich drauf bin, in die Mitte des Raums und stellt es ab.
„So, wie ist es dazu gekommen? Was zur Hölle ist das?" fragt er mich, als er meine schwarzen Adern näher betrachtet.
„Ich weiss es nicht..." gebe ich ihm, mit einer schwachen Stimme zur Antwort.
Er mustert mich von Kopf bis Fuss.
"Verrückt..." haucht er und kratzt sich am Hinterkopf.
„Deine Eltern. Kennst du sie noch? Hast du ein paar Informationen, die uns, oder besser gesagt, mir weiterhelfen würden?"
Ich schüttle den Kopf.
Schweigen bricht in den Raum ein.
Dass Rivus ein Labormensch ist, wusste ich nicht.
„Die andere Dolorea hat ebenfalls Flügel, doch nicht so weit entwickelt wie deine; kann es sein, dass sie deine Schwester ist?"
„Es tut mir leid wenn ich dich enttäuschen muss aber ich weiss wirklich nichts über meine Familie."
Rivus seufzt und rollt mit dem Stuhl zu seinem Regal.
„Na gut dann... dann geb ich dir mal die Spritze."
Eine Spritze?
Will er mich etwa vergiften?
Da kommt er mit vertraulichen Worten und dann eine Spritze?!
„Gib mir deine Zunge."
Er hält die Spritze schon in der Hand und legt sanft seinen Daumen an mein Kinn.
Ich zögere. Was will er mit meiner Zunge?
„Nun komm schon, es wird nichts passieren." versichert er mir.
Na gut. Ich werde Rivus vertrauen.
Langsam öffne ich meinen Mund.
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Dollphotographer
Mystery / ThrillerDolorea, 17, jung und ahnungslos. Yamato, ihr grosser Bruder, ist der Einzige aus der Familie, nachdem ihre Eltern auf der Reise nach Venedig wegen eines Flugzeugabsturzes umkamen. Als sie in ihrer neuen Schule sich einigermassen zurechtfand, war da...
