„Lebend?" frage ich. Er nickt.
„Lebend."
Ich blicke rüber zu Stanley, der sein Gesicht in seinen Armen vergraben hat.
„Wieso?"
„Weil du ihm nunmal etwas... grosses Bedeutest." antwortet er und streicht mit seinem Daumen über meine rote Wange. „Was auch immer R dir angetan hat, du kannst dich auf Makoto verlassen. Er wird es ihm für dich heimzahlen." Tatsuno zieht mich in eine Umarmung als er merkte, dass mir ein Kloss im Hals steckt.
„Es wird alles ok. Wir müssen auch bald wieder weiter." flüstert er mir ins Ohr. Langsam beginne ich an zu schluchzen. Ich will mir nicht vorstellen, wie Makoto geschlagen und verletzt wird. Das macht mir selber weh. Mein Herz... Ich fühle wie es schrumpft.
Er löst sich wieder von mir, steht auf und ruft: „Stanley! Pass auf sie auf. Ich muss mit Rivus reden."
Schon ist er weg. Vor mir lässt sich nun eine familiäre Gestalt nieder und sieht mich an. Soll ich meinen Blick heben?
Aus Stanley's neutralem Mundwinkel, zieht sich ein leichtes, vielbedeutendes Lächeln. Dieses lässt mein Herz eben wieder gross machen. Er ist eine wunderbare Person. Wie konnte ich ihn nur schlecht einschätzen? Ich sollte mich dafür schämen.
„Makoto kommt zurück. Wir alle kennen ihn zu gut." sagt er.
Diese Stimme.
Ich schaue rüber zu Rivus, der mit einem verlorenen Blick, mit Tatsuno redet. „Kümmer dich nicht um ihn. Ohne R ist er machtlos." ermutigt mich Stanley und gibt mir wieder ein warmes Lächeln.
Auf einmal hören wir alle schnelle Schritte. Rennende, gehetzte.
Warte. Das können aber keine normalen Schritte mit Schuhen sein. Es sind viele rapide Klicke, die immer näher kommen. Unsere Blicke schiessen auf das metallene Tor. Stanley steht auf und zieht mich rauf. „Was ist das?" fragt Tatsuno und kommt zu uns. „R. Er hats geschafft."
Geschafft?! Was ist mit Makoto?!
Das ist der schlimmste Tag.
Als die Klicke aufhören, herrscht Stille.
Niemand von uns wagt es, zu atmen.
Langsam dreht sich das Zahnrad und so auch die anderen tausend Zahnräder, die am Tor sind. Mit einem plötzlichen Ruck wird das Tor gewaltsam aufgetreten.
Wer kann es sonst sein als R? Was ist mit Makoto?
„Da ist sie ja. Dein Prinz ist tot." sagt er lachend und kommt näher. Stanley nimmt mich schützend in die Arme. „Fass sie nicht an!" brüllt er und dreht sich von R ab, doch ihm scheint es nicht zu stören.
„Keine Sorge. Ich werde von nun an dein Prinz sein. Oder vielleicht dein König."
R streckt seinen Arm willkömmlich aus. „Oder sonst..."
Seine Hand packt Stanley's Nacken und mit seinen langen schwarzen Fingernägel, dringt er in seine Haut ein. Ich sehe wie das Blut runterströmt, doch Stanley lässt sich nichts anmerken ausser, dass er ein wenig schneller atmet als sonst.
„Sonst stirbt noch dein Ritter."
„Gnadenloser Schwätzer!", ruft Tatsuno und wirft Rivus vor sich hin, auf die Knie. „Dein Diener wird dann ebenso draufgehen müssen!"
R schaut geschockt und verwirrt zugleich, auf den kopfhängenden Rivus runter und zieht seine Fingernägel aus Stanley's Hals. „M-Mein Junge." stottert er uns kniet sich zu Rivus runter. „Was haben sie dir getan?"
Die langen Spinnenbeine klappen zusammen. Ich schaue zu Stanley, der sich schmerzerfüllt die Unterlippe beisst. Er schüttelt den Kopf, um zu sagen: „Es ist alles ok. Mach dir keine Sorgen."
Also das ist das Unnützlichste was man mir in diesem Zeitpunkt sagen kann. Ich sehe doch selbst, dass wir hier alle sterben werden! Makoto ist nicht mehr da. Stanley ist verletzt und... Tatsuno kann jetzt mal ehrlich gesagt nicht mehr als R. Aber was ist mit meiner Transformation wenn mir jemand auf die Nerven geht?
Nein. Für das steckt in mir noch zu grosse Trauer.
„Mein Diener. Mein treuer Kettenhund." sagt R immer wieder und streichelt Rivus am Kopf.
„Ihr habt mir zu viel genommen." murmelt er und spannt seine Spinnenbeine aus. „Denk erstmal nach, wie viel du uns genommen hast!" motzt Tatsuno und schaut auf die beiden herab. „Oh nein. Was könnt ihr mir denn anbieten?" fragt R.
Wie jetzt? Will er einen Handel machen? Es stimmt ja schon dass wir viele seiner Kreaturen, inklusive Daisy und den Hundemensch hier auf dem Boden, vernichtet haben aber das war nunmal nötig. Sonst wären wir wohl auf hoher Prozentzahl draufgegangen!
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Dollphotographer
Misterio / SuspensoDolorea, 17, jung und ahnungslos. Yamato, ihr grosser Bruder, ist der Einzige aus der Familie, nachdem ihre Eltern auf der Reise nach Venedig wegen eines Flugzeugabsturzes umkamen. Als sie in ihrer neuen Schule sich einigermassen zurechtfand, war da...
