Maite und Hannah machten sich nach dem Essen auf den Weg in ihre Kajüte. Hannah machte sich noch nicht einmal die Mühe sich den Weg dorthin zu merken geschweige denn sich ihr Heim auf Zeit genauer anzuschauen. Maite ließ ihr auch gar nicht die Zeit dazu, denn sie zog Hannah an ihrem Arm mit sich, so dass Hannah es schwer hatte ihr überhaupt zu folgen ohne über ihre eigenen Füße zu stolpern. In ihrer Kajüte angekommen, schloss Maite auch schon die Tür und ließ sich an der gegenüber liegenden Wand hinunter gleiten, bis sie schlussendlich auf dem Boden saß. Hannah stand mitten im Raum und betrachtete ihr neues Schlafgemach. Rechts von der Tür war ein großes Bett, in dem locker zwei Personen Platz zum Schlafen hatten. Über dem Bett war ein langes Regal angebracht, auf dem eine Schneekugel und drei Bilderrahmen mit einem Familienfoto, einem Bild von Maites Mutter und ein Bild von Hannah und Maite, das vor ein paar Jahren in Spanien aufgenommen wurde, standen. Hannah musste schmunzeln, als sie das Bild sah. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wie Maites Vater Dan das Bild gemacht hatte. Genau an diesem Tag haben Maite und Hannah sich geschworen beste Freundinnen zu sein. Hannah und ihre Familie hatten damals in Spanien die Sommerferien verbracht und lernten dort Dan und seine Rasselbande kennen. Als sie auf den Weg zum Meer waren, hatte das Auto von Hannahs Eltern einen Platten und Dan kam mit seinem Doppeldeckerbus zufällig vorbei und half Hannahs Eltern aus. Ab diesen Zeitpunkt haben beide Familien beschlossen den Rest des Urlaubes gemeinsam zu verbringen, was für Hannah das Beste war, was ihr je passiert ist. Gerne denkt sie an diesen Spanienurlaub zurück, den sie als intakte Familie verbrachten.
Auch an die Schneekugel erinnerte sich Hannah nur zu gut. Maite war letztes Jahr mit ihren Geschwistern spontan in Köln und Hannah war mit ihrer Mutter auf dem Weihnachtsmarkt, um sich das spontane Konzert der Kellys in der Fußgängerzone anzuhören. Es war eine herrliche Atmosphäre. Als es während des Konzertes auch noch angefangen hat zu schneien, stimmten Maite und Patricia spontan „Leise rieselt der Schnee" an und das Publikum sang lauthals mit. Es schien als gehörten alle Menschen, die damals stehen geblieben sind, um sich das Konzert anzuhören, zu einer großen Familie. Nach dem Konzert holten sich Hannah und Maite jeweils einen Apfelpunsch zum Aufwärmen und neben dem Apfelpunschstand war eine junge Frau, die Schneekugeln verkaufte. Hannah dachte nicht lange nach, kaufte eine Schneekugel, in dem der Kölner Dom vom Schnee berieselt wurde, und schenkte sie Maite mit den Worten: „Damit du auch immer schön weißt, wo du mich findest!"
Links standen ein Schreibtisch mit einer kleinen Schreibtischlampe und ein großer Schrank, der mit sämtlichen Bildern beklebt war. An sich war das Zimmer wie in einem normalen Haus eingerichtet. Nur das runde Fenster erinnerte da dran, dass sich dieses Zimmer auf einem Boot befand.
Hannah krabbelte auf das große Bett, lehnte sich an die Wand und umschlang ihre Beine, den Blick auf die kleine Schreibtischlampe gerichtet. Reden wollte sie gerade überhaupt nicht, aber sie wusste, dass Maite sie nicht lange verschonen würde und Fragen stellt. Mit traurigen Augen blickte sie zu Maite hinüber. Maites Augen ruhten auf Hannahs Gesicht. Ihr Blick war einfühlsam und besorgt, strahlten gleichzeitig aber auch eine Gelassen- und Vertrautheit aus. Hannah fing an zu seufzen und sagte: „Du weißt wie sehr ich deine Familie und den ganzen Trubel mag, oder?" Maite runzelte die Stirn, antwortete jedoch nicht. „Als wir zusammen am Tisch saßen, habe ich gemerkt wie schön es ist, wenn die ganze Familie zusammen ist, über alltägliche Dinge spricht und sich gegenseitig zum Lachen bringt...einfach ein ganz normales Familienleben halt." Maite stand auf und setzte sich neben Hannah auf das Bett: „Ach Hannah, du weißt aber auch, dass meine Familie auch nicht gerade „normal" ist, oder? Welche normale Familie lebt schon in einem Bus oder auf einem Boot und verdient Geld mit Straßenkonzerten, bei denen die gesamte Familie mit anpacken muss?" Hannah lächelte matt: „So meine ich das auch gar nicht. Ich vermisse einfach solche Abende, an denen wir alle zusammengesessen, entweder einen Film geschaut oder Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt haben, verstehst du? Natürlich mache ich so etwas auch noch mit Mama, wenn sie nicht gerade bis spät in die Nacht in der Kanzlei arbeitet oder jemanden vertreten muss, aber es ist nicht das gleiche ohne meinen Vater und..." Hannahs stimme brach und wurde immer leiser: „...und ohne Basti." Leise kullerten ein paar Tränen Hannahs Wangen hinunter, die sie schnell mit ihrem Ärmel wegwischte. Maite hörte ihrer Freundin aufmerksam zu und legte einen Arm um ihre Schulter: „Hey, nicht weinen. Ich weiß wie schwierig das für dich sein muss. Basti wird immer ein Teil von dir bleiben und du hast doch auch noch die schönen Erinnerungen, die ihr gemeinsam hattet. Weißt du noch in Spanien, als wir am Lagerfeuer saßen und Musik gemacht haben? Basti hat so schräg gesungen. Die anderen meinten, dass selbst Joey gegen Basti eine Singstimme hätte. Und was hat Basti gemacht? Einfach noch lauter gesungen und einfach weiter gemacht. Das solltest du auch, Hannah. Basti hätte bestimmt nicht gewollt, dass du wegen ihm so traurig bist." Hannah ließ ihren Kopf auf Maites Schulter sinken. „Ich verstehe das nicht. Wenn er nicht wollte, dass ich wegen ihm traurig bin, warum hat er mich dann verlassen und das gemacht?" Auf diese Frage wusste auch Maite keine passende Antwort. Für einen Moment hingen beide Mädchen ihren eigenen Gedanken hinter her. Hannah war die erste, die sich schließlich aus der Umarmung löste und sich räusperte: „Willst du mir vielleicht noch das restliche Boot zeigen? Ich habe das alles ja noch gar nicht richtig gesehen. Und auf Toilette müsste ich auch mal." Hannah lächelte Maite schräg an, die das Lächeln erwiderte. Allerdings wusste Maite, dass Hannahs Lächeln nicht ehrlich war und nur den Anschein machen sollte, dass alles wieder in Ordnung war.
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Beste Freundinnen
FanfictionHannah ist ein gewöhnliches Mädchen, das wie jede andere Jugendliche auch zur Schule geht und alltägliche Teenagerprobleme bewältigen muss. Doch eine Sache unterscheidet sie doch von ihren Mitschülern. Ihre beste Freundin ist alles andere als ein ge...