Am frühen Abend kamen die Geschwister mit Hannah in Mülheim an. Während Maite und Paddy auf der Autofahrt eingenickt sind, war Hannah viel zu aufgeregt und hatte Angst, etwas zu verpassen, wenn sie nur kurz die Augen schloss. „So da wären wir. Willkommen in Mülheim, dem wahrscheinlich schönsten Ortsteil in Köln", lachte Jimmy und stieg aus dem Auto aus. Joey machte es ihm gleich und streckte seine Gliedmaßen. Hannah riss die Tür des Autos auf und lief ohne etwas zu sagen an Jimmy und Joey vorbei, um sich über das Gelände zu beugen und den Rhein zu beobachten. Wie schön diese leichte Brise an diesem Abend doch war. Jimmy gesellte sich zu Hannah und schaute auf den Rhein. „Und was sagst du? Ich denke, hier lässt es sich tatsächlich eine Weile aushalten. Es ist zwar nicht gerade das große weite Meer, aber der Rhein hat auch irgendwie etwas Beruhigendes." Hannah nickte zustimmend. „Wo ist denn nun euer Hausboot? Ich bin echt gespannt wie es aussieht", fragte sie Jimmy. „Siehst du da links die Sean O'Kelley?" Jimmy zeigte auf ein Boot, das etwas weiter abgelegen von den anderen Booten angelegt hatte. „Wow, das ist ja riesig", brachte Hannah hervor, worauf Jimmy anfing zu lachen: „Na hör mal, wir sind ja auch eine große Familie oder denkst du, ich will ständig beim Schlafen irgendwelche Kelly-Füße im Gesicht haben?" „Hannah stimmte in das Lachen mit ein und ging wieder zum Auto, um Maite und Paddy zu wecken. Eines musste man diesen beiden lassen. Sie konnten wirklich überall und zu jeder Zeit schlafen. Selbst wenn die größte Baustelle direkt neben diesem Auto im vollen Gange wäre, würden Maite und Paddy seelenruhig weiterschlafen. „Hey, wollt ihr nicht langsam mal wach werden?", fragte Hannah und piekte Maite in die Wange. Maite öffnete ganz verschlafen ihre Augen und gähnte ausgiebig. Anschließend schubste sie Paddy weg, der an ihrer Schulter schlief und weckte ihn somit unsanft. „Paddy durch Schnarchnase, wir sind da."
Nachdem nun auch alle einigermaßen wach waren und Joey Hannahs Gepäck aus dem Kofferraum genommen hatte, gingen sie hinüber zum Boot, wo Kathy schon ungeduldig auf sie wartete: „Da seid ihr ja endlich. Wir warten schon auf euch. Das Abendessen steht auch schon auf dem Tisch. Angelo ist gar nicht zu bändigen. Der lauert hier schon wie ein Löwe und wandert von einer Tischkante zur anderen. Ohne Witz, ich weiß nicht wo er das lässt, aber der isst momentan echt für zwei." Kathy steuerte auf Hannah zu und nahm sie in ihre Arme: „Schön dich zu sehen Hannah. Ich hoffe, dir geht es gut und du hast ein bisschen Hunger mitgebracht." Hannah erwiderte die Umarmung und bemerkte, dass Kathy etwas fülliger geworden ist. „Oh ja, ich freu mich auch euch alle mal wieder zu sehen. Hier, das soll ich dir von Mama geben." Hannah übergab Kathy den Brief, den sie an sich nahm und gleichzeitig die Ankömmlinge sanft zum Eingang des Bootes schob. Angelo war der erste, der Hannah erblickte und ran auf sie zu: „Hannah, Hannah, Hannah! Da bist du ja endlich." Er nahm Anlauf und sprang auf Hannah zu, die sich gerade noch an Paddy halten konnte, damit sie nicht durch Angelo über den Haufen gerannt wurde. „Nicht so stürmisch! Man, du bist aber auch gewachsen. Wenn das so weiter geht, kannst du mir aber bald nicht mehr so in die Arme springen", sagte Hannah und wuschelte Angelo durch seine blonden Locken. Auch die anderen aus der Familie kamen und begrüßten Hannah mit einer Umarmung.
Das Abendessen war wie immer, wenn Hannah bei dieser Familie zu Besuch war, voller Leben und sehr unruhig. Da saßen neun Geschwister inklusive Vater und Hannah an einem großen runden Holztisch und unterhielten sich quer über diesen. Hannah liebte diesen Trubel dieser Großfamilie und versuchte möglichst alle Gespräche mitzuverfolgen, was definitiv nicht einfach war. Schon viel zu lange war sie nicht mehr bei den Kellys zu Besuch gewesen und merkte, wie sie jeden einzelnen mit seinen Ecken und Kanten vermisst hat. Sie beobachtete das wilde Treiben am Tisch und währenddessen wird ihr bewusst, dass bei ihr zu Hause schon seit einiger Zeit keine familiäre Atmosphäre mehr herrschte. Dieser Gedanke versetzte ihr einen Stich in die Magengrube. Sie blendete das glückliche Familien-dasein komplett aus und dachte unwillkürlich an ihren Vater und ihren älteren Bruder, an die sie eigentlich nie wieder einen Gedanken verschwenden wollte.
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Beste Freundinnen
FanfictionHannah ist ein gewöhnliches Mädchen, das wie jede andere Jugendliche auch zur Schule geht und alltägliche Teenagerprobleme bewältigen muss. Doch eine Sache unterscheidet sie doch von ihren Mitschülern. Ihre beste Freundin ist alles andere als ein ge...