" Morgen Chef" ich grinse Martin an. Er schlurft müde in unseren Aufenthaltsraum und steuert direkt die Kaffeemaschine an.
"Morgen Jule, ich hoffe es ist heute nicht viel los. Muss noch einen Haufen Schreibkram erledigen und die letzte Nacht war einfach viel zu kurz."
Er gähnt herzhaft und zieht eine Tasse aus dem Regal.
"Lass mich raten die Zwillinge? "
Ich stelle flink, Milch und Zucker auf den Tisch.
Martin nickt und fährt sich durch das Gesicht.
"Beide haben einen Magen-Darm-Infekt. Meine Frau und ich haben uns abgewechselt mit Spukschüsseln auswaschen ,Fieber messen und Tee einflößen."
Ich verziehe angewidert das Gesicht.
"Bähhh, also ich mein natürlich gute Besserung für eure kleinen Mäuse. Aber hört sich schon eklig an."
Martin lächelt wissend und nickt mir zu.
"Für uns ist es auch nicht die schönste Arbeit. Aber wenn die kleinen dich brauchen und sich bei dir in den Arm kuscheln, hast du die Spukschüsseln sofort wieder vergessen."
Mir wird ganz warm ums Herz.
"Die zwei haben dich ja ganz schön um den Finger gewickelt und die sind doch jetzt erst drei."
Verlegen reibt er sich die Augen.
" Sie hatten mich schon im Griff als sie frisch geboren waren."
Ich lache und schenke mir selbst einen Kaffee ein.
Der Vormittag läuft heute schleppend. Drei Patienten war bisher da und keiner war wirklich ein Notfall. Aber wer weiß was noch kommt. Martin sitzt im Büro und arbeitet sein Stapel Papiere ab.
Im Labor hab ich alle Schränke aufgefüllt und jetzt geh ich in unser Stationszimmer,um die Tierboxen für Montag zu richten. Da werden wir zwei stationäre Tiere bekommen und ich richte schonmal alles vor. Ich hasse Montage und deshalb mach ich alles schon mal soweit fertig. Jetzt muss ich noch die Wäsche aus dem Trockner nehmen nochmal eine Maschine voll waschen.
Dann muss ich die Unordnung an der Anmeldung noch beseitigen und den riesen Stapel Karteikarten absortieren.
Langsam schleicht der Zeiger auf ein Uhr mittags . Da schließen wir offiziell die Tür und lassen nur noch das Telefon an. Bis 14 Uhr dann ist Schluss.
Ab da übernimmt die Tierklinik unsere Patienten.
Martin schleicht heute schon zum dritten Mal zur Kaffeemaschine. Ich muss schmunzeln, der Arme ist wirklich fertig.
Die letzten Handtücher noch in den Schrank räumen und dann ist genug für heute.
Ich streife meinen Kittel ab und werfe ihn in den Wäschesack.
"Jule, mach den Anrufbeantworter rein. Wochenende!" Brüllt Martin aus seinem Büro. Ich brülle aus Spass ein "yippie " hinterher und flitze zur Anmeldung.
Das rote Licht an der Telefonanlage blickt und in mir stellt sich ein Hochgefühl ein. Wochenende!
Freudig sammle ich die restlichen Kugelschreiber zusammen und stopfe sie in einen Becher.
Martin kommt an die Anmeldung mit einem Stapel Briefe in der Hand.
"Für Montag, Rechnung zum verschicken. Aber jetzt lass uns gehen. Schönes Wochenende Jule."
Ich verbeuge mich spielerisch vor Martin und sage kichernd "Gleichfalls Sir" .
In der Umkleide, streife ich schnell meine Schuhe ab und schlüpfe in meine Ballerinas,dann packe ich Tasche und Autoschlüssel als es hektisch an der Tür klopft und donnert. Ohhh nein. Nicht noch ein Notfall.
Ich blicke über die Schulter zu Martin, ob ich öffnen soll. Offiziell sind wir nicht mehr im Dienst.
"Mach auf Jule, vielleicht ist es ja nix großes." Ich schnaube frustriert auf
lasse meine Tasche und Autoschlüssel auf die Anmeldung plumpsen und öffne die Türe.
Dort steht ein großer junger Mann vor mir mit einem wimmernden Hund auf dem Arm.
"Der Kerl hier, ist mir vors Auto gelaufen. Es ging echt schnell. Ich konnte so schnell nicht reagieren. Bitte,sie müssen ihn noch anschauen."
Ich nicke und schiebe die Türe weit auf damit er mit Hund auf dem Arm durch schreiten kann.
"Zimmer eins,gerade aus durch , Dr. Thimme wartet dort". Er marschiert an mir durch und ich folge dem Mann. Er ist wirklich groß und hat ein breiten Rücken. Von hinten kann man überhaupt nicht erkennen daß er etwas im Arm hält.
Trotz des steigenden Adrenalinspiegel nehme ich seinen Duft war. Er riecht wahnsinnig gut. Ein Geruch der sofort mein Bauch kribbeln lässt.
Ich laufe schnell in die Umkleidekabine und werfe mir einen frischen Kittel über und renne auch schon wieder den Flur runter als Martin nach mir ruft.
"Jule, wir müssen röntgen. Zieh dein Röntgenschutz an und komm dann ist die eins rein."
Mit einem rums fällt die Türe zu und ich biege direkt in unser Röntgenraum ein. Dort nehme ich den schweren Schutzmantel von Haken und schlüpfe rein, lege die Röntgen- Handschuhe parat und kehre in das Sprechzimmer zurück.
Während Martin die Röntgenbilder anschaut richte ich eine Infusion und Schmerzmittel hin. Der braune Hund hat sich mittlerweile etwas beruhigt. Nur wenn ich ihn bewege fängt er an zu jammern. Zwei Schürfwunden an Ohr und Schnauze muss ich noch säubern. Der süße Hund blickt mich so traurig an. Ich rede leise und ruhig mit ihm und kraule ihm über den schmalen Kopf.
Kurz darauf öffnet Martin die Tür und kommt mit dem Fremden Mann wieder in das Sprechzimmer herein.
Er ist noch mitten im Gespräch und nickt mir nur zu, ohne seine Erklärung zu unterbrechen . Er hält einen Karton mit Gipsbinden unter dem Arm. Damit habe ich verstanden und richte die restlichen Utensilien zum Gipsen. Der Hinterlauf den wir geröntgt haben muss wohl gebrochen sein.
Der junge Mann vereinbart mit Martin erstmal die Kosten zu übernehmen. Da wir den Besitzer erstmal finden müssen. Er ist immer noch ziemlich nervös und blickt mitleidig zu unserem Patienten.
Nachdem wir den Gips angelegt haben und die Infusion mit Schmerzmittel durchgelaufen ist bringe ich den Pechvogel erstmal auf Station und lege ihn in eine Hundebox. Bis Montag bleibt er erstmal bei uns in der Praxis.
Der Fremde Typ wartet an der Anmeldung auf mich.
"Also ich brauche noch ihre Personalien und eine Telefonnummer wäre auch gut. Und wir müssten für Montag einen Termin ausmachen. Bis dahin hat sich vielleicht ja auch ein Besitzer gemeldet."
Da ich keine Lust mehr habe einen Anmeldebogen rausziehen lege ich ihm einfach ein weißes Blatt Papier hin und reiche ihm einen Kugelschreiber.
Als er diesen entgegennimmt streift er meine Finger und es kribbelt sofort auf meiner Haut.
Er schreibt schnell und krakelig, kaum ist er fertig steht er dicht vor mir und reicht mir das Stück Papier. Ich muss etwas aufblicken um ihm in die Augen zu sehen. Und diese sind wunderschön, ein samtiges braun und sein Duft lässt mein Bauch nervös kribbeln. Er ist wirklich heiß. Puh er bringt mich ganz schön aus den Konzept.
"Kann ich Montagabend kommen ,ich arbeite bis 17 Uhr."
Seine raue Stimme lässt mich richtig erschaudern. Er ist wirklich Hammer.
"Ähm achso,also ich trag es in den Kalender ein. Passt soweit."
Ich strahle ihn, etwas verlegen an.
Er räuspert sich und schnappt sich seine schwarze Jeansjacke von der Garderobe.
"Dann vielen Dank und schönes Wochenende" er schlüpft in seine Jacke als er schon fast zur Tür raus ist, dreht er sich nochmal zu mir und flüstert schon fast "meine Hunde Retterin".
Ich bin völlig platt und hab einen Kloß im Hals. Zu allem übel werde ich auch noch rot.
"Bye" flüsterte ich zurück und hebe mein Hand zum Gruss. Dann fällt die Tür ins Schloss.
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Tief im Gefühl
RomanceJuliana lernt in einer Diskothek Matz kennen und freundet sich mit ihm an. Ohne zu ahnen wer dieser ist. Doch zur selben Zeit, stolpert Elias in ihr Leben. Mit einem verletzten Hund im Arm steht er auf einmal in der Tierarztpraxis in der sie arbeite...
