Entlassung

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Das Wochenende war unfassbar langweilig. Am Freitagnachmittag wurde Lupin aus dem Krankenflügel entlassen, also war ich das Wochenende über alleine. Zumindest, wenn Marlene gerade nicht da war, was sie zwar oft war, aber doch nicht die ganze Zeit.
Ich konnte es ihr nicht verübeln. Den Tag über machte ich nicht viel außer schlafen, essen und hin und wieder mal pinkeln. Aber das führte immerhin dazu, dass mir Madam Pomfrey am Montagnachmittag erlaubte, den Krankenflügel endlich zu verlassen, aber nur, nachdem ich ihr hoch und heilig versprochen hatte, dass ich erst einmal nicht wieder in den schwarzen See gehen würde. Dass ich mir ohne den Werwolf vermutlich nicht diese ekelhafte Grippe geholt hätte, verschwieg ich ihr dann doch lieber. Wenigstens schien Madam Pomfrey den Gerüchten um den Werwolf keinen Glauben zu schenken, oder zumindest schien sie nicht mich für den Werwolf zu halten.

Es tat gut, in der Nacht von Montag auf Dienstag wieder in meinem eigenen Bett schlafen zu können. Das, obwohl ich von Helena und ihrer Clique immer wieder komische Blicke kassierte. ich tat mein Bestes, um sie zu ignorieren. Ich würde ihr nicht den Gefallen tun und anfangen mit ihr zu diskutieren.
Aber natürlich kassierte ich nicht nur von ihr komische Blicke. Übers Wochenende schien die ganze Schule davon Wind bekommen zu haben.
„Mich macht das so wahnsinnig, dass die ihr das einfach alle glauben.", murmelte Marlene am Dienstagmorgen beim Frühstück.
„Lass sie gaffen." Ich nahm einen Schluck von meinem Orangensaft. „Zwei Wochen und es gibt den nächsten Skandal. Vielleicht jagen die Rumtreiber Slughorn in die Luft."
„Wenn du mich fragst sollten die sich mal mehr auf den Unterricht konzentrieren. Die haben jetzt nicht die schlechtesten Noten, aber ein gutes Vorbild sind sie trotzdem nicht." Kopfschüttelnd sortierte sie einen kleinen Haufen Zettel sauber, sodass die Ecken genau aufeinanderlagen. Das tat sie oft. Dinge sortieren. Nur leider beschränkte sich das nicht nur auf ihre eigenen Sachen. Dank Marlene waren die Pullover in meiner Kommode nach ihrer Farbe und ihrer Art sortiert und meine Socken nach der Zahl ihrer Löcher. Am Anfang hatte es mich unfassbar genervt, aber inzwischen hatte ich mich daran gewöhnt, so wie Marlene sich daran gewöhnt hatte, dass ich physische Nähe hasste.
„Du bist auch kein gutes Vorbild. Mit deinem Racheplan."
Marlene grinste und schob eine Büroklammer um die Zettel. „Immerhin mach ich das nicht im Unterricht. Und meine Noten sind trotzdem besser als Potters."
„Was macht deine Planung eigentlich?"
„Läuft vorwärts und bergauf. N bisschen stalken muss ich noch."
„Gar nicht creepy." Ich grinste ebenfalls und schluckte den Bodensatz meines Orangensafts herunter.
„Pf. Erzähl mir, dass das nicht creepy waren, was die mit dir gemacht haben." Sie stand auf. Ich folgte ihr langsam.

Im Unterricht spürte ich doch wieder, wie schwer es mir fiel, mich zu konzentrieren. Die Reste der Grippe klammerten sich doch in meinem Gehirn fest.
Meine Gedanken wanderten immer wieder zum Werwolf. War das ein Schüler gewesen? Oder vielleicht doch jemand aus Hogsmeade? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Dumbledore einen Werwolf an die Schule lassen würde. Obwohl, bei Dumbledore konnte ich mir das doch sehr gut vorstellen. Er hatte mich ja damals auch mit einem Kelpie in die Schule gelassen.
Apropos Kelpie. Ich musste nach dem Unterricht unbedingt nach unten zum See.
Jemand trat mir gegens Schienbein. Ich zuckte zusammen und hob meinen Blick vom Tisch. Professor McGonagalls strenger Blick musterte mich, als würde sie eine Antwort erwarten.
„Miss Winter? Sind sie geistig anwesend? Welcher Teil eines Zauberspruchs findet sich in fast allen Verschwindezaubern wieder?"
Ich starrte wieder auf die Tischplatte. Woher sollte ich das denn bitte wissen? Ich zuckte die Schultern. Vermutlich ließ McGonagall gerade einen mentalen Seufzer los. Äußerlich machte sie einfach mit ihrem Unterricht weiter und rief Lily auf, die ihr natürlich alles einwandfrei herunterrattern konnte.
Aber meine Gedanken schweiften schon wieder ab. Ich musste Dad unbedingt einen Brief schreiben. Vielleicht gab es schon was neues vom Verlag. Am besten würde ich Iduna fragen, ob ich von ihr noch etwas in den Brief schreiben sollte, bevor ich ihn schrieb. Vielleicht erwischte ich sie noch nach der sechsten Stunde.
Professor McGonagall war dazu übergegangen, vorne auf ihrem Pult einen Kessel verschwinden zu lassen. Den Moment nutzte ich, um von meinem Stück Pergament eine Ecke abzureißen und mit meiner Feder daraufzukritzeln:
Weißt du, wo Iduna heute in der 6. Stunde hat?
Irgendwie war es schon ironisch, dass Marlene besser über Idunas Stundenplan bescheid wusste als ich, aber sie kannte auch den Stundenplan von gefühlt jedem. Unauffällig schob ich ihr meinen Zettel zu.
Wenige Sekunden später kam er wieder zurück mit einem Wort auf der Rückseite. Zaubertränke.
Hm. Praktisch. Dann konnte ich einfach oben am Treppenabsatz in der Eingangshalle vor dem Mittagessen warten. Hoffentlich würde sie mich nicht wieder ignorieren...

Kelpie || HP/Rumtreiber FFGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt