„James Potter etikettiert seine Socken..."

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Ich flüchtete mich in Hagrids Schuppen. Seit ein paar Tagen war er gewissermaßen zu unserem Hauptquartier mutiert. Mithilfe von Marlenes angelerntem Ratzeputz und meiner Erfahrung mit Besen hatten wir es sogar geschafft, dass nicht mehr in jeder Ecke eine Staubschicht lauerte, die höher war als Potters Ego.
Resigniert kletterte ich auf die Kommode und wrang meine Haare aus. Zu viel Kontakt zu Menschen machte mich fertig. Wieso machte Lupin sich so große Sorgen um mich? In der Situation ging es doch vor allem um ihn! Um mich brauchte er sich doch keinen Kopf machen. Meine Eltern hatten sich so gut wie nie Sorgen gemacht und es ging mir doch gut. Ja, ein paar Schrammen, gebrochene Knochen und Gehirnerschütterungen hier und da, aber im Großen und Ganzen war ich doch recht heile geblieben. Warum bildeten sich plötzlich alle ein, mich beschützen zu müssen?

Nachdenklich fing ich an, meine noch nassen Haare zu einem französischen Zopf zu flechten. Warum hieß das eigentlich so? Hatte sich irgendein Franzose mal gedacht „Haare genau so zu flechten, das hab ich erfunden. Deshalb nenn ich das jetzt so. ICH als Franzose." Oder trugen Franzosen den gerne? Liefen die in Beauxbaton alle mit solchen Zöpfen rum? Hätten Mum und Dad mich auf diese blöde Spießerschule geschickt, hätte ich mich vermutlich ertränkt. Wenn ich eines nicht haben konnte, dann war es übertriebene Ordnung und Disziplin. Außerdem konnte ich kein Französisch.

Erst, als ich anfing in meinen Taschen nach einem Haargummi zu wühlen, wurde die Tür mit einem leisen Quietschen der Angeln aufgeschoben. Durch den Türspalt lugte Marlenes grinsendes Gesicht, umrahmt von klatschnassen Haaren. Schnell schob sie sich durch die Tür, gefolgt von dem ebenfalls durchnässten Kniesel, der sich kräftig schüttelte. Jetzt sah er so aus, als hätte er in eine Muggelsteckdose gefasst.

„Willst du dich auch noch ne Runde schütteln?", fragte ich Marlene, von ihrem Grinsen angesteckt.
„Ich verzichte, danke." Sie ließ den Niffler und die drei Bowtruckles neben mich auf die Kommode klettern. Der Niffler sah so aus, als wäre er hochschwanger.
„Ausbeute, ich sehe." Ich kraulte ihm über Kopf und Nacken. „Hoffen wir mal, dass ihr den richtigen Schlafsaal ausgeräumt habt."
Marlene hob sich neben mich auf die Kommode, sodass unsere Rekruten noch Platz zwischen uns hatten. Rekrut Fünf schien sich ausgeschlossen zu fühlen und so rollte er sich wenige Sekunden später auf meinem Schoß zusammen und durchnässte meine Hose noch weiter.
„Wir waren so knapp davor erwischt zu werden." Marlene schien offensichtlich Spaß daran zu finden, die Regeln zu brechen. „Wir sind ganz knapp noch hinter eine Ritterrüstung gekommen, als die vier an uns vorbei zurück zum Gemeinschaftsraum gegangen sind. Das war so knapp." Ihre Wangen glühten und ihre Augen funkelten aufgeregt.
„Na dann, Kleiner." Ich wandte mich an den Niffler. „Hau mal raus."
Der Niffler sah so aus, als hätte man ihm eine Tonne Schokolade geschenkt. Binnen kürzester Zeit hatte er den gesamten Inhalt seines Beutels auf die Kommode verfrachtet. Die Bowtruckles konnten sich gerade so auf meine Schulter flüchten, um nicht von irgendetwas erschlagen zu werden.
„Ähm ja.", meinte Marlene schließlich langsam. „Ich glaube, wir müssen erst mal sortieren, was davon Hagrid gehört."
Ich nickte. Der freudige und erwartungsvolle Blick des Nifflers ließ mein Herz doch schmelzen. „Marlene, schau mal auf dem oberen Brett da links... Das andere Links. Da müsste eine ranzige Tafel Schokolade liegen. Gib ihm mal ein Stück davon. Am besten nur ein Halbes. Ich kann nicht." Mit dem Kopf wies ich auf den eingeschlafenen Kniesel auf meinem Schoß.
Eigentlich war Schokolade für den eh schon recht pummeligen Niffler nicht ideal, aber nach der Aktion hatte er sie sich reichlich verdient.
Nachdem er sein Stückchen Schokolade genüsslich verputzt hatte, machten Marlene und ich uns daran, die Sachen auseinanderzusortieren neben zahlreichem Besteck von Hagrid fanden wir auch ein paar Goldschätze.
Grinsend hielt ich eine, frisch gewaschen aussehende, linke Socke nach oben. „Bingo!", kommentierte ich nach einem Blick auf das eingenähte Namensetikett. „James Potter etikettiert seine Socken. Das sollte mal einer Lily erzählen." Ich ließ die Socke auf den rechten Haufen segeln.
„Schau mal." Marlene hielt eine Armbanduhr in der Hand. „Die gehört glaub ich Pettigrew, aber warum hat man eine Armbanduhr, wenn man sie nicht trägt?", fragte sie irritiert.
„Vielleicht hat er sie an seinen Bettpfosten gehängt?", fragte ich. „So, als Wanduhr?"
„So und nicht anders.", murmelte Marlene.

Am Ende des Sortierens hatten wir drei Haufen. Ein Haufen mit Dingen, die eindeutig Hagrid gehörten, einer mit Dingen, die eindeutig den Rumtreibern gehörten und ein letzter Haufen mit Dingen, bei denen wir uns unsicher waren.
Auf Haufen zwei lagen nebst Pettigrews Armbanduhr und Potters Socke, noch einige weitere einzelne Socken, ein Kamm, zwei Fässer mit schwarzer Tinte, allerhand Scherzartikel und noch einiger Kleinkram.
Marlene und ich wechselten einen Blick. Die Tage der Rumtreiber waren gezählt. Ja, Lupin tat mir zwar irgendwo leid, aber für die Jahre erduldete Schikane durfte auch er bezahlen. Die Jahre des Mobbings würden den Vieren noch leidtun.

Kelpie || HP/Rumtreiber FFGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt