Alleine machte ich mich also auf zum See. Wie immer lag er ruhig und still, nur der Wind kräuselte seine spiegelgleiche Oberfläche an manchen Stellen. Irgendwie erleichtert, endlich wieder alleine zu sein, ließ ich mich in den Uferkies sinken. Es dauerte nicht ein mal zwei Steine, die ich übers Wasser schnellen ließ, bis ein Paar kleine Ohren aus dem Wasser auftauchten.
Das Fohlen war im letzten Monat prächtig gewachsen. Seine Rippen traten nicht mehr deutlich hervor und es hatte deutlichen Gefallen an Streicheleinheiten gefunden. Freudig schnupperte es über meine Hände und ließ sich dann neben mich in den Kies fallen. Seinen Kopf mit der patschnassen Stoppelmähne platzierte der Kleine ein meinem Schoß. Lächelnd kraulte ich seine kleinen Ohren.
Die Stute war vermutlich nicht weit und beobachtete ihren Schützling vom Seeufer aus und tatsächlich sah man bei genauem Hinsehen ein Paar Kelpieohren, die dort, wo eine Weide ihre Äste im Wasser hängen hatte, aus dem See schauten. Im Vergleich zu seinen Eltern wirkte der Kleine zerbrechlich. Vor allem im Vergleich zu Dunar, dessen Kopf fast so groß war, wie mein Oberkörper.
Er schnaubte gegen meine Hand und wieherte leise. Ich strich ihm über die weiche Schnauze. Entspannt schloss er die Augen und ließ sich von mir das Fell kraulen. Es dauerte nicht lange, bis er döste und schließlich einschlief. Meine Beine schliefen zwar vom Gewicht seines Kopfes schnell ein und begannen zu kribbeln, aber das nahm ich in Kauf.
Das Knirschen von Kies hinter mir ließ mich zusammenzucken. Den Kleinen störte das nicht.
„Darf ich?" Eine nur zu bekannte Stimme.
Ich zuckte mit den Schultern ohne aufzusehen. Was bitte wollte der denn hier?
Lupin sank eine Armlänge neben mir in den Kies. Stumm starrte ich weiter auf den See.
„Der ist aber niedlich." Er schien irgendwie nervös zu sein. Wenn Menschen nervös waren, dann redeten sie meistens Unfug. Ich senkte meinen Blick auf das Fohlen, das im Schlaf mit den Ohren zuckte und strich ihm weiter über den Hals.
„Bist du oft hier?", fragte er, anscheinend eher um die Stille zu brechen. Ich zuckte mit den Schultern. Ja, ich war oft hier, aber das musste ich ihm ja nicht auf die Nase binden. Sonst würde er am Ende noch auf die Idee kommen, es seinen beiden Kumpels zu erzählen. Darauf konnte ich dankend verzichten.
„Wie alt ist es denn?"
Als würde er sich wirklich für das Fohlen interessieren. Was wollte er überhaupt hier?
„Einen Monat.", antwortete ich knapp. Hoffentlich würde er bald das Interesse verlieren.
„Ah." Rhetorischer Meister war er also auch noch.
Schweigen erfüllte die Luft. Ich kraulte das Fohlen weiter hinter den Ohren und starrte hinaus auf den See. Das Wasser aus seiner Mähne und seinem Fell hatte meine Hose mittlerweile durchtränkt.
Viele Menschen realisieren nicht, was für eine starke Waffe Stille sein kann. Sie sorgte Oft dafür, dass sich der Gegenüber in seinen eigenen Worten verhedderte und schließlich mit dem Gesicht voran in seiner Aussagengrütze landete, wie es Pettigrew damals getan hatte. Aber Lupin tat dies offensichtlich nicht. Er saß einfach nur weiter stumm neben mir. Was wollte er? Wollte er, dass ich anfing zu reden? Da würde er wohl ziemlich lange hier sitzen.
Ich weiß nicht, wie lange ich dagesessen hatte und er einfach nur neben mir gesessen hatte, aber es muss eine ganze Weile gewesen sein, denn der Schein der Sonne wurde langsam schwächer. Auch das Fohlen wachte auf. Saksig hob es sich auf die Beine, blies mir ein letztes Mal durchs Gesicht und trabte dann wieder in den See zu seiner Mutter. Auch Lupin stand auf.
Erst jetzt fiel mir auf, dass seine Bewegungen irgendwie schwach wirkten. Ich sah ihn weiterhin nicht an, aber es war schwer überhörbar, dass ihm etwas Schmerzen bereitete. Er versuchte es zwar zu unterdrücken, aber sie Signale waren unüberhörbar. Seine Knie und sein Rücken knackten leise, das Zähneknirschen, die Probleme beim Gleichgewicht halten, all das waren deutliche Zeichen für Schmerzen. Warum auch immer er ewig neben mir im kalten, unbequemen Kies gesessen hatte, wenn es ihm offensichtlich nicht gut ging.
„Dann bis Morgen. Denk ich.", verabschiedete er sich.
Erst, als er schon gute fünf Minuten verschwunden war, machte auch ich mich auf den Weg nach oben zum Abendessen.
DU LIEST GERADE
Kelpie || HP/Rumtreiber FF
Fanfiction„Weißt du, machmal will ich einfach keine Hexe mehr sein. Ich wäre lieber einer von ihnen." ▪︎▪︎▪︎ Das sechste Schuljahr der Rumtreiber beginnt und natürlich nicht nur für sie. Auch für ihre Stufenkameradin Freya. Für sie, wie immer nur purer Stress...
