Isoliert

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Georg Madorn hatte von sich selber immer behauptet ein Stehauf-Männchen zu sein. Und so hatte er sofort nach seinem Rauswurf tatkräftig daran gearbeitet eine neue Einkommensquelle zu erschließen. Ein paar seiner Kontakte waren tatsächlich noch erreichbar gewesen und da er sich berufsbedingt gut mit Roundup-Erntemaschinen auskannte, war er nun Kolonnenführer einer städtischen Einheit geworden, die die Schäden an den Interzone-Straßen beseitigte. Es fühlte sich ein wenig an wie Buße tun, zumal er nun aus einer schlecht ausgestatteten und miserabel bezahlten Perspektive heraus beobachten konnte wie sich der Raubbau der Konzerne auf die städtische Infrastruktur ausgewirkt hatte. Sein Gehalt reichte gerade für ein kleines Appartement in einem Wohnblock am Nordbahnhof. Immerhin. Es hätte schlimmer kommen können.
Jetzt saß er mit einem Glas Scotch in der Hand auf dem Monobloc, der zur Grundausstattung des Apartments gehörte, und dachte darüber nach, was er noch von Ludicorp und von Felberstein zu erwarten hatte. Bisher hatte ihn kein Mittelsmann kontaktiert. War es möglich, dass von Felberstein beschlossen hatte sein Bauernopfer zu ignorieren? Ihn nach zwanzig Konzernjahren tatsächlich einfach so vom Hof zu jagen? Er spielte einige Minuten mit dem Slate bevor er Dr. de Boniños Nummer wählte. Der Firmenanschluss war tot. Madorn ließ die Privatnummer aufrufen und nach zweimaligem Klingeln meldete sich eine matte Stimme.
„Fernando?"
Ein paar Sekunden herrschte Stille in der Leitung.
„Herr Madorn ... was kann ich für Sie tun?"
„Lass den Quatsch Fernando. Ich arbeite nicht mehr bei Ludicorp."
De Boniño stieß ein überraschtes, vorsprachliches Seufzen hervor.
„Dann haben sie nicht nur meinen Kopf rollen lassen?"
„Scheint so ... Um ehrlich zu sein, bin ich überrascht dass DU nicht mehr für von Felberstein arbeitest ... ‚wwoofer connect' war ja meine Idee ... Egal, was treibst du jetzt?"
„Ach Georg, ich habe hier nicht mehr viel verloren. Ich habe einen Antrag auf Ausreise in die Interzone Madrid gestellt. Müsste eigentlich in den nächsten Tagen bewilligt werden."
„Ernsthaft? Ich dachte die sind da unten fast am Verhungern ..."
„Kann sein ... aber von dem was ich hier verdient habe, können meine Familie und ich uns eine Weile durchschlagen ..."
„Juckt es dich nicht in den Fingern herauszufinden was hier gespielt wird? Wenn sie dich auch gefeuert haben, dann wollen sie offenbar verhindern, dass etwas durchsickert."
„Georg, du klingst paranoid. Was soll schon passiert sein? Wir haben die Firma viel Geld gekostet und sie haben die Konsequenzen gezogen."
„Fernando, sei nicht naiv. Bei meinem letzten Gespräch mit von Felberstein ist der Hauptkommandant des Interzone-Militärs aufmarschiert. Anscheinend haben wir mit unserer Operation in ein Wespennest gestochen."
„Ein Grund mehr von der Bildfläche zu verschwinden. Ich bin Ingenieur, Georg. Kein Geheimagent. Um ehrlich zu sein: ich hatte schon die ganze Zeit über ein ungutes Gefühl. Ich wünschte ich hätte mich nie auf diese Operation eingelassen."
„Vielleicht gibt es eine Möglichkeit uns wieder zurück ins Spiel zu manövrieren. Ich brauche jemandem dem ich vertrauen kann. Wie sieht es aus, Fernando? Bist du dabei?"
„Tut mir leid, Georg. Das ist nichts für mich. Ich wünsche dir alles Gute!"
„Mensch Fernando, du kannst doch nicht so einfach aufgeben ..."
Die letzten Worte blieben ungehört. Dr. de Boniño hatte bereits aufgelegt.

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