Der Dieb hat Familie

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Hey Leute,

hier ist nun das nächste Kapitel und jetzt kommt auch endlich die Auflösung, um die Identität Lucias.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

LG Juzo-chan

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Kapitel 77: Der Dieb hat Familie

Erst ist es als wäre die Zeit stehen geblieben und dann geht es plötzlich ganz schnell. Während ich erst von den Dreien mit Unglauben angeschaut werde, habe ich nur wenige Sekunden später auch schon ernsthafte Probleme nicht nach hinten zu kippen. Ich sehe gerade noch etwas Rosa-rotes mit etwas Gelben obendrauf auf mich zu kommen, dann verliere ich beinahe mein Gleichgewicht. Leicht überfordert stehe ich einfach nur da und versuche zu verstehen, was gerade passiert ist. Nach den Gesichtern um mich herum zu urteilen, bin nicht nur ich verwirrt. Sogar bei Sebastian kann ich kurz einen Anflug von Überraschung erkennen. Dieser verschwindet aber genauso schnell wieder, wie er gekommen ist und ich könnte beinahe meinen, dass ich ihn mir nur eingebildet habe.
Erst als ich ein leises Schluchzen hören kann, widme ich meine Aufmerksamkeit wieder zu dem rosa-roten Etwas mit dem Gelb obendrauf. Das Gelb entpuppt sich als blondes Haar und das rosa-rote Etwas als ein Kleid. Um meinen Hals sind die Arme von Lady Elisabeth geschlungen. Das leise Schluchzen stammt ebenfalls von ihr. Unweigerlich muss ich an den Nachmittag vor einigen Monaten in London denken. Damals war ich in der Stadt, um meinen Auftrag den Earl Phantomhive auszurauben vorzubereiten. Ich war in der Stadt und habe auf einmal ihren Blick bemerkt. Der nachdenkliche Ausdruck ihres Gesichtes kommt mir wieder in den Sinn. Es hatte mich doch ziemlich verwirrt. Aber vielleicht hatte sie damals aus der Ferne und im ersten Augenblick bereits eine Vorahnung?

Einige Minuten später sitzen wir zu viert im Salon. Sebastian steht hinter dem großen Ohrensessel, auf welchem sein Herr sitzt. Auf dem Sofa links vom Ohrensessel sitzen die Geschwister und auf dem Sofa rechts sitze ich. Auf dem Tisch zwischen den Sofas stehen mehrere Tassen Tee, eine Teekanne und ein Teller mit Gurkensandwichs. Der Blick des Butlers liegt wachsam auf mir, was mich wirklich beruhigt.
Auch wenn wir erst seit wenigen Minuten hier sitzen, fühle ich mich momentan doch sichtlich unwohl in meiner Haut. Dass ich die ganze Zeit über leises Winseln und hin und wieder leises Kratzen von der anderen Seite der Tür hören kann, macht es auch nicht gerade besser. Pluto wollte vorhin unbedingt mit in den Salon, darf diesen Raum allerdings nicht betreten. Weswegen er jetzt winselnd und kratzend vor der Tür liegt und wartet, ob er nicht doch in den Raum herein darf.
Die Stille im Raum wird erst unterbrochen, als die Tür sich öffnet. Seit wir hier sitzen, war sie geschlossen. Sofort macht sich die Nervosität wieder in mir bemerkbar. Dabei hatte ich wirklich gehofft, dass ich sie endlich ein Stück weit unter Kontrolle hatte.
„Ciel, mein Junge, weshalb hast du nach mir schicken lassen?", kann ich die Stimme dies Marquess Midford hören. Knapp hinter ihm steht Tanaka, welcher vom Earl losgeschickt wurde, um den Marquess zu holen. Tanaka scheint ihm aber noch nichts gesagt zu haben, so wie der Earl es ihm befohlen hat.
„Setz dich doch erst einmal, Onkel.", fordert der Earl ihn auf. Mit fragendem Blick folgt er der Aufforderung des Jüngeren und setzt sich neben seiner Tochter auf das Sofa, sodass diese nun zwischen ihrem Vater und Bruder sitzt. Mich scheint er aber noch nicht wahrgenommen zu haben.
„Also worum geht es, mein Junge?", fragt er noch einmal nach.
„Sieh dir doch bitte diese Kette an und sag mir, ob du sie erkennst.", bittet der Graublauhaarige und hält besagte Kette in die Luft. Der Blick des Älteren legt sich auf die Kette. Ist erst noch Verwirrung und Verwunderung zu sehen, weichen diese schnell dem Schock.
„Wie ich sehe, erkennst du diese Kette, Onkel.", redet der junge Earl auch schon weiter.
„Natürlich, wie könnte ich sie nicht erkennen?", fragt der Marquess nach: „Aber woher hast du sie?" Kurz ist es still.
„Habt ihr sie etwas gefunden? Nach all den Jahren?", fragt er aufgeregt weiter und springt geradezu von dem Sofa auf. Dein Blick ist auf den Earl gerichtet. Es scheint beinahe als würde er nichts anderes im Raum wahrnehmen.
„Ja, Onkel. Wir haben sie endlich gefunden.", bestätigt der Earl mit einem leichten Lächeln.
„Wo ist sie? Wo war sie all die Jahre? Wie ist es ihr ergangen? Können wir uns wirklich sicher sein?", redet der Marquess aufgeregt weiter.
„Ja, Onkel, wir können uns sicher sein. Es gibt mehrere Bestätigungen dafür.", antwortet der Earl nur auf die letzte Frage.
„Welche Bestätigungen?", fragt der Marquess vorsichtig nach.
„Echte Bestätigungen, Vater. Keine falschen, wie all die anderen, die kamen.", mischt sich nun auf Lady Elisabeth ein. Auf ihren Lippen liegt ein beruhigendes Lächeln.
>Sie haben mich all die Zeit gesucht.<, geht es mir durch den Kopf. Ich kann spüren, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln und nur darauf warten jeden Moment meine Wangen herunterzulaufen.
„Ich habe mir vergangene Nacht erlaubt diesen Bestätigungen persönlich nachzugehen und konnte keinen Hinweis auf deren Unzuverlässigkeit finden.", mischt sich auch Sebastian ein. Erst jetzt bemerke ich, dass er die Akten in der Hand hält, welche ich mitgebracht und welche von Mister Spears gebracht wurde. Mit einem höflichen Lächeln reicht Sebastian diese Akten weiter. Schweigend liest der Marquess die Akten durch. Es vergehen ein paar Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen, bis er zum Earl aufschaut.
„Unsere Amelia ist also...", bringt er nur langsam heraus.
„Lucia, ganz recht. Sie war bereits seit einigen Monaten wieder bei uns und wir alle wussten es nicht.", beendet der Earl den Satz: „Bedauerlicherweise ist sie durch einen Gedächtnisverlust nicht in der Lage sich zu erinnern."
„Wo ist Amelia. Ich will sofort mit ihr reden.", bringt der Marquess schließlich heraus.
>Er hat mir wirklich überhaupt nicht wahrgenommen.<, denke ich mir bei dieser Aussage. Den Gedanken scheinen auch alle anderen im Raum zu haben. Sir Edward und Lady Elisabeth schauen peinlich berührt zur Seite, der Earl schaut ihn erstaunt an und Sebastian hat ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen.
„Onkel, sie sitzt dir bereits die ganze Zeit gegenüber.", bringt schließlich der Earl heraus. Verwundert blickt Marquess Midford seinen Neffen an, dann wendet er langsam seinen Blick zu mir. Wieder wird es still im Raum.
„Wie konnte mir das nur entgehen?", fragt er schließlich und unterbricht somit die Stimme. Einige Sekunden liegt sein Blick genau auf mir. In diesen Sekunden kommt die Nervosität wieder in mir hoch und lässt mich unangenehm in meiner eigenen Haut fühlen. Genau mustert er mich, als würde er etwas suchen. Dann legt sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen.
„Ich kann es nicht fassen. Nach all den Jahren.", bringt er schließlich heraus: „Wie konnte mir die Ähnlichkeit nur nicht auffallen?"
„Sie fiel keinem von uns auf, Vater.", versucht Lady Elisabeth ihren Vater zu trösten.
„Dabei sieht sie ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Nur die Augen sind dieselben, wie Onkel Victors und Mutters.", mischt sich nun auch Sir Edward in das Gespräch mit ein. Da ich nichts dazu sagen kann, bleibe ich einfach nur Still auf meinem Platz sitzen.
„Wir sollten eurer Mutter diese Nachricht schnellstmöglich zukommen lassen. Immerhin geht es hierbei um die Tochter ihres Bruders.", fällt dem Marquess schließlich ein.
„Ich werde sofort ein Telegramm aufsetzen.", bringt Tanaka ein und verbeugt sich leicht.
„Nein, schon gut. Ich werde persönlich zurück zu unserem Anwesen fahren und es ihr sagen. Sie wird sicherlich viele Fragen haben und ihr wird einiges durch den Kopf gehen. Da sollte sie den Weg nicht allein fahren.", winkt der Marquess ab.
„Wenn sie wünschen, werde ich sofort eine Kutsche vorbereiten lassen.", entgegnet Tanaka augenblicklich mit einem freundlichen und höflichen Lächeln.
„Bitte.", geht der Marquess darauf ein.
„Ich werde morgen zurück sein, lieber Neffe. Bis dahin solltet ihr euch vielleicht einfallen lassen, wir ihr alles Weitere regeln wollt.", sagt er noch, ehe er auch schon den Raum verlässt.
>Was meint er damit?<, frage ich mich in Gedanken.

Schweigend sitze ich auf dem großen Bett und schaue mich in dem Zimmer um. Kurz nachdem der Marquess gegangen ist, ist auch Tanaka gegangen, um dieses Zimmer vorzubereiten. Es fühlt sich alles so unwirklich an. Ich bin mir auch noch nicht so ganz sicher, was ich über all das denken soll. Natürlich freue ich mich, dass ich eine Familie habe, aber das es nun so gekommen ist... ist einfach so unwirklich. Es fühlt sich beinahe so an, als würde ich mich in einem Traum befinden und aus diesem jeden Moment erwachen.
„Die nächsten Tage werden wohl sehr turbulent werden.", kann ich die Stimme Sebastians plötzlich dicht an meinem Ohr hören. Erschrocken zucke ich zusammen und drehe mich schnell um. Dort steht er und grinst mich an. Scheinbar amüsiert es ihn, dass ich mich erschrocken habe.
„Ist das alles wirklich wahr?", frage ich anstatt auf seiner Aussage einzugehen. Mit hochgezogener Augenbraue schaut er mich einen Moment an. Dann seufzt er kurz und kommt auf mich zu. Vor mir geht er in die Knie und blickt mir direkt in die Augen.
„Was genau meinst du?", fragt er genauer nach.
„Ist das alles wirklich oder nur ein Traum, aus dem ich jeden Moment erwache?", präzisiere ich meine Frage.
„Wünschst du dir, es wäre ein Traum?", hinterfragt der Teufel. Überrascht schaue ich ihn an, dann schüttle ich schnell meinen Kopf.
„Ich bin mir einfach nur nicht sicher, ob das alles wahr sein kann. Es fühlt sich so surreal an. Gestern noch war ich eine Diebin ohne Erinnerungen oder den kleinsten Hinweis auf Familie und Vergangenheit. Und heute bin ich auf einmal eine englische Lady aus dem höheren Adel und habe eine Familie, die seit Jahren nach mir gesucht hat.", versuche ich ihm zu erklären. Es klingt für mich selbst ja seltsam. Die meisten würden sich wohl darüber freuen und einfach ihr neues Leben genießen.
„Es scheint nur ein wenig viel auf einmal zu sein.", redet Sebastian mit ruhiger Stimme auf mich ein. Seine Hand legt sich auf meine Wange. Sofort schmiege ich mich in seine Hand und schließe meine Augen.
„Dem jungen Herrn ist klar, dass es eine große Umstellung ist. Ich bin mir sicher, er wird alles mit Bedacht und Zeit planen.", beruhigt Sebastian mich weiterhin. Im nächsten Moment liege ich auch schon in seinen Armen. Ohne meine Augen zu öffnen, lehne ich mich weiter gegen ihn und atme seinen Duft ein. Müdigkeit macht sich in mir breit, die ich bis eben nicht einmal bemerkt habe. Vielleicht war es wirklich einfach alles zu viel auf einmal.
„Außerdem werde ich nicht von deiner Seite weichen. Dir wird kein Leid geschehen.", flüstert er mir ins Ohr. Nur am Rande bemerke ich, wie ich in die Kissen abgelegt werde und eine Decke sich über mich legt.

SchattendiebGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt