Der Dieb und die Probe

159 8 0
                                        

Hey Leute,

hier ist nun das nächste Kapitel.
Jetzt erfahrt ihr, was Lady Midford von Lucia möchte und habt dann wohl auch einen klaren Plan, worum es im nächsten Kapitel gehen wird. Allerdings lasse ich mir eine kleine Überraschung offen, wozu es in diesem Kapitel aber einen Hinweis gibt. Vielleicht hat ja jemand dann schon eine Idee, was ich vorhaben könnte.

LG Juzo-chan

~~~~~~~~~~~~~~~

Kapitel 60: Der Dieb und die Probe

Nervös stehe ich im kleinen Salon. Laut Sebastian hat Lady Midford mich hierher bestellt, um mich zu sprechen. Nun stehe ich hier und warte auf sie und das seit einigen Minuten. Nach den Erzählungen der anderen soll Lady Midford eigentlich eine überpünktliche Frau sein. Gerade deshalb bin ich nun auch so nervös.
„Du musst an deiner Haltung arbeiten. Steh gefälligst gerade.", kann ich plötzlich ihre strenge Stimme hinter mir hören. Ich war so in Gedanken vertieft, hauptsächlich in meiner Nervosität, dass ich nicht bemerkt habe, wie die Tür geöffnet wurde. Dafür aber höre ich deutlich, wie Lady Midford sie wieder hinter sich schließt. Elegant lässt sie sich auf eines der beiden Sofas nieder und mustert mich mit strengem Blick. Mir selbst Mut zuredend straffe ich die Schultern.
„Ihr wolltet mich sprechen, Lady Midford?", frage ich schließlich. Ich bin selbst darüber überrascht, wie fest meine Stimme klingt.
„Das wollte ich in der Tat.", kommt es nur schlicht von ihr: „Ich kann es nicht gutheißen, dass mein Neffe einen Dieb hier beschäftigt. Da er dir allerdings zu vertrauen scheint, muss ich es wohl auch tun. Allerdings werde ich mich deiner Fähigkeiten überzeugen müssen."
„Wie gedenkt Ihr dies zu tun, Mylady?", frage ich mit gesenktem Blick nach. Auch wenn Lady Elisabeth darauf besteht, dass wir ihr beim Reden ins Gesicht blicken und auch der junge Herr dies verlangt, so ist mir die Etikette dennoch nicht fremd. Es kann es riesiges Problem mit sich bringen einem Adeligen direkt ins Gesicht zu blicken, wenn man selbst nur zu den Bediensteten gehört.
„Du wirst diesen Anhänger...", demonstrativ hält die Lady einen fein verzierten Anhänger aus Silber hoch: „... aus meiner Obhut entfernen. Noch ehe unser Aufenthalt in diesem Anwesen beendet ist. Sollte dir dies gelingen, erkenne ich deine Fähigkeiten und deinen Nutzen für meinen Neffen an." Einen Moment lang sehe ich die Frau vor mir schweigend an. Mein Blick geht noch einmal zu dem Anhänger. Schnell erkenne ich, dass er aus zwei zusammengesetzten Teilen besteht und kleine Scharniere auf der linken Seite besitzt.
„Wie ihr wünscht, Mylady.", antworte ich mit einem leichten Knicks: „Ich werde Eurer Probe nachkommen und Euch bei Eurer Abreise das Medaillon überreichen." Ein leises Schnauben ist von Lady Midford zu hören.
„Nun zumindest das Wissen eines Diebes bezüglich Schmuckstücke scheinst du zu besitzen.", sagt sie noch, als sie aufsteht und in Richtung Tür geht. An der Tür bleibt sie dann allerdings noch einmal kurz stehen.
„Und das Auge fürs Detail wohl auch.", fügt sie noch hinzu, ehe sie die Bibliothek verlässt.
In dem Moment, in dem die Tür ins Schloss fällt, ist es als würde mir ein riesiger Stein vom Herzen fallen. Seufzend atme ich aus und schließe für einen Augenblick die Augen. Kurz lege ich meinen Kopf in den Nacken und genieße einen Moment die Ruhe. Dann senke ich mein Haupt wieder, öffne die Augen und mache mich auf den Weg in mein Zimmer. Dort habe ich Ruhe und kann mir einen Plan ausdenken. Mit schnellen Schritten gehe ich in mein Zimmer. Leider kann ich den kleinen Salon nicht durch einen Dienstbotengang verlassen und muss daher zumindest ein kurzes Stück über den Flur.
In meinem Zimmer lege ich mich auf mein Bett und starre an die Decke, als ich überlege, wie ich am besten an den Anhänger kommen kann. Er sah aus wie ein Medaillon und mit hoher Wahrscheinlichkeit befindet sich in diesem etwas mit hohem emotionalen Wert für Lady Midford. Sie wird diesen Anhänger also nicht einfach irgendwo ablegen, sondern ihn immer bei sich haben. Zumal sie jetzt wohl sogar noch einmal mehr auf ihn Acht geben wird, da sie mir diese Aufgabe gestellt hat. Zudem gibt es einiges zu beachten. Wenn ich diese Aufgabe wirklich wie ein Meisterdieb erfüllen soll, dann gibt es einige Hürden zu überwinden. Bei meinen Kollegen begonnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie Bescheid wissen. Immerhin würden sie dann vielleicht nicht versuchen mich aufzuhalten oder zumindest nicht mit aller Kraft und das liegt nicht im Sinne von Lady Midford. Und ich habe wirklich keine Lust an Finny, Maylene und Bard vorbeikommen zu müssen und Sebastian wäre dann auch noch dabei. Bei Tanaka bin ich mir nicht ganz so sicher, was er kann. Allerdings wage ich es keine Sekunde daran zu zweifeln, dass auch er eine echte Herausforderung darstellen würde. Pluto sollte wohl von allen meine kleinste Sorge sein, auch wenn er ein Höllenhund ist. Er würde mich wohl kaum angreifen, auch nicht auf Befehl. Nur würde er mich wohl zu Boden werfen und abschlabbern oder so etwas... Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, was schlimmer ist: Von Pluto abgeschlabbert oder gejagt zu werden. Und dann wären da noch Lady Elisabeth, Sir Erdward und Lord Midford, deren Fähigkeiten ich absolut nicht einzuschätzen weiß. Aber die Informationen kann ich noch bis zum Abend einholen.
>Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich etwas vergesse.<, geht es mir durch den Kopf, während ich an die Decke starre. Lady Midford wird morgen Nachmittag bereits wieder abreisen. Also habe ich nicht allzu viel Zeit, um mich vorzubereiten.
>Ich kontrolliere am besten als Erstes meine Ausrüstung und was ich davon wohl am besten nutzen könnte.<, denke ich mir und richte mich in meinem Bett wieder auf. Schnell schwinge ich die Beine über die Bettkante und stehe vom Bett auf. Allerdings nur, um mich gleich davor wieder auf dem Boden zu knien. Ich ziehe einen Koffer unter dem Bett hervor. Unter meinem Bett befinden sich zwei Koffer. Einer ist leer und der andere gefüllt mit meiner Ausrüstung. Meine ehemalige Arbeitskleidung lege ich ordentlich auf das Bett und begutachte dann die verschiedenen Dinge im Koffer. Schnell habe ich mir eine Ausrüstung zusammen gestellt, die ich nutzen werde. Dann brauche ich jetzt nur noch die Informationen, die mir noch fehlen. Einige Dinge weiß ich ja auch schon, daher habe ich bereits einen Anhaltspunkt für weitere Informationen.
Schnell verlasse ich mein Zimmer und mache mich auf die Suche nach jemanden, um demjenigen Bescheid zu geben, dass ich noch einmal weggehe. Da ich am ehesten Bard in der Küche finden kann, mache ich mich direkt auf den Weg zu dieser. Maylene, Sebastian oder Tanaka müsste ich im gesamten Anwesen suchen und Finny ist irgendwo im Garten. Bis ich einen von ihnen gefunden habe, würde einfach viel zu viel Zeit vergehen.
Überrascht bleibe ich stehen, als ich die Tür betrete. Bard befindet sich nicht allein in der Küche. Zu meiner Überraschung ist auch Agni anwesend und hilft Bard bei der Küchenarbeit.
„Guten Tag, Miss Lucia.", grüßte Agni höflich wie immer.
„Oh, hallo Agni.", bringe ich schließlich heraus: „Ich wusste gar nicht, dass du und Prinz Soma ebenfalls zu Besuch kommen."
„Mein Prinz hatte diesen Einfall heute während seines Frühstücks.", erklärt Agni mit einem fröhlichen Lächeln. Verstehend nicke ich. Die Lebhaftigkeit des jungen Prinzen ist mir mittlerweile auch bekannt. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt er es auch in die Tat um. Also haben wir wohl noch weitere Gäste bekommen. Agni sollte ich dann wohl auch noch mit einplanen.
„Ach ja...", fällt mir wieder ein, was ich eigentlich in der Küche wollte: „Bard, ich bin noch mal kurz weg."
„Alles klar.", kommt es nur vom Koch: „Bist du zum Abendbrot wieder da?"
„Ja, es dauert nicht lang.", antworte ich. Bard nickt nur, als er weiter seiner Arbeit nachgeht.
„Dann bis später, Agni.", verabschiede ich mich vom weißhaarigen Butler und bin dann auch schon wieder aus der Küche verschwunden.

Eine knappe halbe Stunde später sitze ich auf dem Sims eines hohen Gebäudes in London mit einigen Unterlagen, die ich mir zwischenzeitlich ausgeliehen habe, in der Hand. Sie enthalten Informationen über die derzeitigen Mitglieder der Familie Midford. Ehrlich gesagt überrascht mich, was ich lese. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass Lady Midford und Lady Elisabeth solch begabte Fechterinnen sind. Es ist eher selten, dass Frauen dieser Sportart nachgehen. Aber auch Lord Midford und Lord Edward sollte ich keineswegs unterschätzen. Es gibt sogar einen kleinen Vermerk, dass die Familie Midford auf der Campania war. Ich habe vor einigen Jahren eher beiläufig davon gehört. Zu der Zeit befand ich mich mitten in meinem Training. Albert wollte es vermeiden, dass ich von irgendetwas abgelenkt werde, das gerade in der Welt geschieht. Deshalb haben wir in einer kleinen, abgelegenen Hütte in einem Wald gelebt. Auch wenn ich es damals ziemlich hart fand und nicht verstand, wieso ich das tun musste, wäre ich wohl nie ein so guter Dieb geworden und hätte in der Organisation wohl auch kaum eine Chance gehabt. Erst über ein Jahr nachdem mein Training abgeschlossen war, habe ich erfahren, was mit den Neulingen geschieht, die es nicht schaffen der Organisation gerecht zu werden. Von dem Vorfall auf der Campania habe ich erst einige Zeit später wirklich erfahren. Es sind damals bei diesem mysteriösen Schiffsunglück sehr viele Menschen gestorben und die Überlebenden sollen von seltsamen Sachen mit lebenden Toten und Untoten berichtet haben. In der normalen Welt sind diese Berichte schnell zu Gerüchten geworden und dann in Vergessenheit geraten. In einem Zeitungsartikel habe ich irgendetwas von einem Gasleck gelesen, dass während dem Unglück entstanden sein soll und Halluzinationen hervorgerufen haben soll. In der Unterwelt allerdings war dies deutlich länger Gesprächsthema und dort gab es auch deutlich andere Berichte von den Geschehnissen auf dem Luxusschiff. Aber selbst dort schien es keine wirkliche Erklärung gegeben zu haben, dafür aber große Aufregung und viel Misstrauen. Glaube ich also den Berichten aus der Unterwelt, dann hatten die Midfords entweder sehr viel Glück dies zu überleben oder aber sie sind sehr ernst zu nehmende Gegner mit denen man sich wohl nicht leichtfertig anlegen sollte. Und genau das muss ich heute Nacht wohl tun.
Seufzend lege ich die Akte neben mir auf den Sims und lege den Kopf mit geschlossenen Augen in den Nacken. Ich atme einmal tief durch und gehe dann noch mal in meinem Geiste den Grundriss des Anwesens durch, ebenso die Wege der anderen auf ihrer Patrouille. Solange ich keinen von ihnen über den Weg laufe, wird es auch keine Probleme geben. Ehrlich gesagt hält sich meine Begeisterung dafür mit Statuen beworfen, durch Kugelhagel zu laufen und Explosionen ausweichen zu müssen doch etwas in Grenzen. Was ich Tanaka zu trauen kann, kann ich noch immer nicht sagen. Und von Sebastian will ich gar nicht anfangen. Obwohl ich mir auch denken kann, dass er bereits Bescheid weiß. Er weiß ja irgendwie immer alles. Leider bin ich mir auch nicht ganz sicher, wie ich mit Agni umgehen sollte, falls es dazu kommt. Er ist unglaublich stark und ein guter Kämpfer, den ich keineswegs unterschätzen möchte. Von Maylene habe ich erfahren, dass er rein körperlich in der Lage sein soll Sebastian zumindest aufzuhalten. Ein Mensch, der dazu in der Lage ist, kann ich auf keinen Fall unterschätzen. Ich atme noch einmal tief durch, ehe ich aufstehe. Wenn ich mich jetzt nicht auf den Rückweg mache, dann verpasse ich das Abendessen doch noch. Und Bard würde es mir wohl ewig vorhalten, dass ich dann doch nicht pünktlich zurück wahr. Daran hat er eindeutig zu viel Spaß.

SchattendiebGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt