Tränenüberströmt liege ich zitternd und zusammengerollt auf der Couch. Weinen, schreien und mich in eins der Kissen krallen hilft zwar nicht aber ich mache es trotzdem.
Das ist alles wie ein schlimmer Albtraum. Ein grausamer Albtraum. Ich will aufwachen.
"Hey Schatz." ruft Harry durch die Wohnung. Ich bleibe, wie schon den ganzen Tag, unverändert auf der Couch liegen. Heute Morgen habe ich mich hier hin gelegt und den Platz seit dem nicht verlassen. Nicht, um etwas zu essen, um auf Toilette zu gehen oder für sonst etwas. Zur Arbeit bin ich auch nicht gegangen.
"Ach da bist....Hey was ist denn los?" fragt er und kommt mir näher. Ich vergrabe mein Gesicht im weichen Stoff der Couch um sein Gesicht nicht sehen zu müssen. Ich will ihm nicht absehen, sonst kommen nur wieder die vielen Fragen ich mir auf, ob das Kind Harry ähnlich sieht? Lockige Haare? Grüne, atemberaubende Augen? Grübchen? Ein wunderschönes Lächeln?
Ich merke wie er sich zu mir setzt und mir über den Oberarm streicht. Das macht es aber auch nicht besser. Ich bin Schwanger, verdammt. Ich will kein Kind. Wieso konnte es nicht eine Frau treffen, die Kinder will. Sie wäre glücklich und würde sich freuen und was mache ich? Ich verkrieche mich auf der Couch und weine.
"Willst du darüber reden?" höre ich seine leise, sanfte Stimme. Schnell schüttel ich den Kopf. Das Kissen ist schon ganz nass von all meinen Tränen aber darum kümmere ich mich nicht.
"Okay." seufzt er.
Am liebsten würde ich jetzt alleine sein. Ohne Harry. Einfach auf der Couch liegen, schreien und hoffen, dass das alles nicht wahr ist. In mir wächst ein kleines Lebewesen. Es ist unvorstellbar. Für manche mag es das schönste auf der ganzen Welt sein aber nicht für mich. Ich bin 18 Jahre. Ich will keine Kinder. Aber ich will auch Harry nicht verlieren. Was soll ich denn nur machen? Wenn ich Harry von dem Kind erzähle, wird er sich freuen und schon ausmalen, wie perfekt unsere Zukunft als kleine Familie aussehen wird. Er wird überglücklich sein, Namen für das Kind aussuchen und das Kinderzimmer planen und herrichten. Ich sehe ihn schon mit dem Kind Fußball spielen oder Kekse backen. Harry würde in einer Vaterrolle total aufgehen.
Wenn ich ihm aber dann sage, dass ich kein Kind möchte, obwohl da eins in mir drin ist und munter vor sich her wächst, wird er zuerst verwirrt sein. So lange, bis er es begreift.
Ich denke, das beste für mich wäre es einfach, das Kind abzutreiben. Wir können unser Leben weiter leben wie davor. Er würde nie etwas davon erfahren. Aber kann ich Harry und dem Kind das antun? Ich würde das Kind einfach töten. Im Prinzip ist es unschuldig und kann am wenigsten dafür. Soll es für etwas leiden, für das eigentlich niemand Schuld ist? Ich wusste nicht, dass die Pille an Wirkung verliert, wenn man sich öfter übergibt. Harry genauso wenig. Andererseits wäre Harry mega enttäuscht und verletzt wenn er dann irgendwann herausfindet, dass ich unser Kind getötet habe. Oder noch Schlimmer, wenn ich in keine Ahnung, sagen wir 10 Jahren ein Kind bekomme und somit dann an dieses erinnert werde? Ich müsste mit der Schuld leben ein Menschen getötet zu haben, auch wenn es noch nicht so aussieht und noch nicht von alleine leben kann. Aus Verzweiflung schreie ich laut auf und kralle mich stärker in das Kissen.
"Hey. Shh. Komm mal her." reagiert er auf meine Schrei-Attacke. Sofort zieht er mich in seine Arme und drückt mich fest an sich. Nach kurzer Zeit löst er sich und legt sich auf die Couch. Mich zieht er mit sich, so dass ich vor ihm liege. Stark drücke ich ihn an mich und er sich an mich. Seine Arme liegen um meinen Bauch und drücken ihn fest.
Es tut gut. Der Druck, den er an meinem Körper auslöst beruhigt mich aber ich habe etwas Angst. Er drückt so fest an meinem Bauch. Irgendein Instinkt hat Angst um das Kind. Um mein Baby.
Das ist das erste mal, dass ich es als mein Baby sehe. Ich sehe sonst immer nur ein Kind vor mir. Das Kind, welches mit Harry spielt und lacht. Ein Träne kullert aus meinem Auge, als ich realisiere, dass es auch meins ist. Es wäre auch mein Baby. Es ist unser Baby.
Meine Hand legt sich auf Harrys um sie zu lockern. Ein Teil in mir will einfach, dass es dem Kind gut geht. Will es beschützen.
"Nicht so fest." flehe ich und sofort lässt er lockerer.
"Sorry." murmelt er in meinen Nacken und küsst ihn kurz.
"Hast du heute schon etwas gegessen?" fragt Harry nach einer langen Zeit der endlosen Stille. Jeder ging seinen eigenen Gedanken nach und meine haben mich zu einem Entschluss bestärkt. Es ist das beste für uns alle. Was soll ich denn anderes machen? Ein Kind bringt nicht nur schöne Zeiten mit sich. Es gibt auch schlechte Zeiten. Was wenn das Kind krank wird? Ich habe keine Ahnung wie man mit Kindern umgeht. Mit Babys zumindest. Ein paar Stunden bekomme ich so ein Wesen schon beschäftigt aber dauernd? Tag für Tag? Nein, das ist nichts für mich.
"Nein." gebe ich zu.
"Lilly wir haben 16 Uhr und du hast den ganzen Tag noch nichts gegessen?" fragt Harry ungläubig nach. Ich nicke und er lehnt sich leicht über mich, um mich anzuschauen.
"Dann wollen wir das mal ändern." grinst er, drückt mir einen kurzen Kuss auf die Stirn und klettert dann über mich rüber um aufzustehen. Ich bleibe weiter auf der Couch liegen während er in die Küche geht.
Ich höre nur Geschirrgeklapper und lege meinen Kopf schmunzelnd wieder auf das weiche Kissen. Als er mich hier im Arm gehalten hat und für mich da war, obwohl er nicht einmal wusste wieso ich so niedergeschlagen bin, das war viel besser als hier so alleine hier zu liegen. Hunger habe ich sowieso keinen großen.
"So hier hast du erst einmal etwas für dein Bäuchlein." schmunzelt Harry und stellt mir einen dampfenden Teller mit Nudeln auf den Tisch. Ich setze mich richtig hin und beginne, auch ohne großen Hunger, zu essen. Es schmeckt lecker, keine Frage. Er kocht eigentlich immer lecker.
Bei vollem Magen lege ich mich wieder auf die Couch, Harry neben mich. Das geht mir alles einfach nicht aus dem Kopf. Wie ein kleiner Parasit frisst sich das Kind nicht nur in meinem Bauch sondern auch in meinem Gehirn fest. Immer muss ich an es denken. Wie es wohl aussieht? Ich denke, es hat mehr von Harry als von mir.
Es ist alles so verwirrend. Auf der einen Seite will ich nichts mehr, als dieses Kind los werden. Mein Leben mit Harry weiter leben wie davor. Auf der anderen Seite will ich das Harry und dem Kind nicht antun. Ich sehe immer einen kleinen Jungen vor mir, der mit Harry spielt. Er hat genau so dunkle Locken und atemberaubende grüne Augen. Beide lachen und sind unendlich glücklich. Nur nie komm ich darin vor. Immer nur sehe ich Harry und das Kind.
Was, wenn es das gleiche Schicksal hat wie ich? Wenn mir oder Harry etwas geschieht? Oder es sogar ein Voll-Weise wird, genau so wie ich? Ich will nicht, das das Kind genau das selbe mitmachen muss wie ich. Das hat niemand verdient. Es ist schrecklich an die Zeit damals zurück zu denken. Eine kleine Träne kullert meine Wange hinunter und sofort drückt Harry mich näher an sich. Ich kuschel mich an ihn. Die Zeit liegt hinter mir, ich habe sie überwunden. Mit viel Geduld und Liebe habe ich es geschafft. Mit Hilfe von Harry, meinen Freunden, Frau Kerry und auch meiner Familie. Es hat insgesamt, bis alles weg war fast ein dreiviertel Jahr gedauert. Wir der Kleine oder die Kleine genauso tief stürzen und vor allem, wird er oder sie es mit der gleichen großartigen Hilfe, wie ich wieder aus dem dunklen Loch raus kommen oder nicht?
Doch auch das ist nicht sicher. Genauso könnten wir als Familie glücklich zusammen leben. Sehen wie sie oder er seine ersten Schritte macht. Die ersten Worte sagt werden. Der erste Kindergartentag, erster Schultag, erste Liebe. Jeden Tag ihr oder sein Lächeln sehen.
Trotz allen Gründen für und gegen das Kind, bin ich immer noch gegen es. Es kann so viel passieren? Unfälle, Krankheiten oder Trennung. Für das Kind müsste ich immer da sein, egal wie schlecht es mir geht. Nicht nur eine große Menge meiner Zeit sondern auch viel Geld braucht so ein Kind. Wir sind beide mitten in der Ausbildung. Ich kann sie doch nicht einfach abbrechen. Ich liebe meinen Job. Das macht mir super viel Spaß und genauso wie Harry. Ich bin einfach noch nicht bereit für ein Kind.
Harry ist kurz auf Toilette und sobald er weg ist, ist es irgendwie kälter. Ich will wieder mit ihm kuscheln. Meinen Kopf auf seine Brust legen und ganz dicht an seinen Körper gedrückt sein. Er soll mir durch die Haare streichen und sagen wie sehr er mich liebt. Und jedes mal erwiedere ich seine Worte. Aber alles kommt ganz anders, als er mit den drei Tests und blassem Gesicht wieder ins Wohnzimmer kommt.
"Lilly, was ist das?"
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alright?
AléatoireFortsetzung von Du! - meine Hoffnung Alles ist gut. Probleme gelöst, Ängste bekämpft. Was kann da noch schief gehen? Einen Job der Spaß macht, eigenes Geld, erste Wohnung. Das alles haben Lilly und Harry jetzt. Ihr Leben geht weiter und somit wird...
