Kapitel 17 - dieses mulmige Gefühl

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Etwas unentschlossen gehe ich mit mulmigem Gefühl im Bauch auf die Frauenarztpraxis zu. Jetzt ist es also gleich so weit. Wie viel ich dafür geben würde, wenn Harry hier wäre. Ich würde ihn so gerne jetzt bei mir haben, er soll mich unterstützen und meine Hand halten. Aber welcher Vater, der sein Kind liebt und haben will geht mit zur Abtreibung?

Ich habe seit er Schluss gemacht hat nichts mehr von ihm gehört. Mit zittrigen Händen krame ich mein Handy aus meiner Tasche und wähle seine Nummer

Es tutet.
Und Tutet.
Und Tutet.
Und Tutet
Und Tutet.
Und Tutet.
Und Tutet.
Und Tutet.
Und Tutet.
Mailbox.

Seufzend packe ich es wieder in die Tasche und wische mir eine kleine Träne aus meinem Augenwinkel. Es wäre schön gewesen jetzt seine Stimme zu hören. Egal ob er mich anschreit oder mir Vorwürfe macht. Egal ob er mir mit seinen Worten weitere Schmerzen zufügt oder mich bestärkt. Es wäre mir egal. Die Hauptsache wäre, dass ich seine Stimme hören dürfte. Nur was hätte ich gesagt, weshalb ich anrufe? Das wäre theoretisch egal, solange ich seine Stimme hören könnte.

Eigentlich bin ich fest dazu entschlossen es zu tun. Fest entschlossen, aber trotzdem stehe ich jetzt hier und atme bibbernd. Meine Hände zittern, genau so wie meine Beine. Ist das wirklich die beste Lösung. Ist es das wofür ich die ganzen letzten Tage getrauert habe? Diesen Schmerz ertragen habe? Ist es das, warum ich Harry verlassen habe? In gewisser Weise habe ich Harry verlassen, weil er mir die Wahl gestellt hat und ich mich gegen unsere Beziehung und für die Abtreibun entschieden habe.

Hätte ich gesagt, ich würde das Kind behalten, dann wären wir noch zusammen, wir wären glücklich und wären eine Familie.

Zitternd drücke ich auf die Klingel und höre kurz danach das Surrende Geräusch, welches einem verrät, dass man die Türe nur aufdrücken muss. Genau dies mache ich und stehe kurz darauf in der weißen, nach Desinfektionsmittel richenden Praxis. Die Frau an der Theke schaut konzentriert auf den PC vor sich und notiert sich immer wieder etwas. Im Wartezimmer sitzen Frauen, von jung bis alt und warten. Warten auf ihren Termin, auf gute Neuigkeiten, auf schlechte Neuigkeiten. Sie warten, bis sie aufgerufen werden um endlich ins Behandlungszimmer zu kommen.
Mit kleinen Schritten laufe ich zu der Theke und spiele währenddessen nervös mit meinen Fingern, als die Frau mich erwartungsvoll anschaut, begebe ich mich mit meinem Namen zu erkennen. Sie nickt mir freundlich zu und tippt etwas in Ihrem Computer ein. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen sieht sie mich wieder an und deutet mir noch kurz im Wartezimmer Platz zu nehmen.

Ich tue was sie gesagt hat und gehe durch die gläserne Türe in den Wartebereich. Mir gegenüber sitzt eine ältere Frau und lächelt mich aufmuntern an. Ein ehrliches Lächeln kann ich nicht über meine Lippen bringen aber ich versuche es.

Eine Frau betritt den Raum mit einem kleinen Kind an der Hand und wahrscheinlich ihrem Freund oder Mann im Schlepptau. Lächelnd schauen Sie sich an und setzen sich auf eine der Stühle. Das könnten genauso gut Harry und ich sein. Wie mich leicht lächelnd hierher begleitet, aber trotzdem die grausame Tatsache warum wir hier sind nicht vergisst. Wahrscheinlich hat er immer noch ein kleines bisschen Hoffnung, dass ich es mir doch anders überlege und unser Kind behalten.

Von einer Frau in einem weißen Kittel, also wahrscheinlich einer der Krankenschwestern werde ich aus meinen Gedanken gerissen, indem sie mich auf ruft. Beim näherem Betrachten der Menschen um mich herum merke ich, dass die ältere Dame schon längst nicht mehr hier ist.

Mit mulmigem Gefühl im Bauch und immer noch mit zitternden Händen folge ich ihr in einen der Behandlungsräume.

Sie deutet mir mich auf den Stuhl am Schreibtisch zu setzen. Auch wenn ich jetzt den Termin zur Abtreibung habe, wird zuerst nochmal darüber gesprochen. Das erste Plichtgespräche habe ich schon hinter mir.

alright?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt