Kapitel 22 - sein erster Gedanke

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"Was wenn sie nein sagt?" flüsterte ich und beuge mich weiter zu seinem Ohr. Er lacht leicht und zieht somit alle Blicke der Leute im Wartezimmer auf uns. Das wollte ich eigentlich vermeiden.

"Dann machen wir es eben wie gestern. War doch auch schön." grinst er und nimmt meine Hand in seine. Er spielt mit meinen Fingern. Einer der seltenen Momente, in denen Harry die Chance hat seine Hand auf mein Bäuchlein zu legen es aber nicht macht.

"Ja schon, aber es ist nicht das selbe." nuschel ich leise. Ich habe das Gefühl als würde jede Person in diesem Raum an meinen Lippen hängen.

"Hauptsache etwas."

"Du Lilly? Wann erkennt man eigentlich was es wird?" fragt er plötzlich total aufgeregt und zieht wieder die Blicke auf sich.

"Keine Ahnung, aber ich denke erst später wenn es größer ist." Wie will man auch jetzt schon was erkennen?

"Aber sicher sagen kannst du es nicht oder?" fragt er nach. Gott, er ist so schlimm. Am liebsten würde er das Kind bestimmt jetzt schon haben.

"Nein. Ich bin ja auch kein Arzt." nuschel ich und lege meine Hand auf den Bauch. Leicht streichel ich über den dünnen Stoff meines Pullis.

"Sie bekommen ein Baby?" fragt die Frau gegenüber von uns interessiert und schaut uns lächelnd an.

"Jap." grinst Harry.

"Ihr erstes?" fragt sie weiter.

"Ja. Ich kann es gar nicht mehr erwarten, dabei ist sie erst in der 13. Woche." lacht er wieder.

"Das war bei mir und meinem Mann auch nicht anderst." lacht sie. "Es ist so ein wunderbares Erlebnis. Allein die Schwangerschaft, zu fühlen und sehen wie dein Kind in dir wächst. Da steht man dann automatisch über die heftigen und schmerzhaften Tritte oder die Rückenschmerzen. Auch darüber, sich nur noch eingeschränkt bewegen zu können oder die schrecklich schmerzvolle Geburt. Wenn man sein Baby in den Händen hält vergisst man die quälenden Stunden des Schmerzes davor." sagt sie lächelnd, während es mit eiskalt den Rücken hinunter läuft. Ich verkrampfe meine Hand in Harrys und drücke sie fest.

"St-Stundenlange Schmerzen?" stottere ich und kann mir nur ansatzweise denken, wie Kreidebleich ich bin.

"Ja aber danach ist alles vergessen." prophezeit sie.

"Hey Lilly." sagt Harry sanft und legt einen Arm um mich, während er der älteren Frau einen bösen Blick zuwirft.

"Ganz ruhig Süße. Vielleicht wird es auch gar nicht so schlimm hm?" sanft redet er auf mich ein.

"Das kann ich ihnen gleich aus dem Kopf schlagen. Ich habe 5 Kinder, alle sind auf natürlichem Wege auf die Welt gekommen und keine war auch nur ansatzweise angenehm. Nur der Gedanke an mein Kind und die, die ich schon habe hat mich durchhalten lassen." mischt sich die Frau wieder ein und sorgt dafür, dass ich Harrys Hand abschüttel und mich ängstlich zusammenziehe. Tränen sammeln sich in meinen Augen.

"Bitte, bitte halten sie ihren Mund. Sehen sie nicht, dass sie schon genug Angst hat?" fragt Harry aufgebracht.

"Ja schon aber es ist nunmal so." verteidigt sie sich.

"Jetzt hören sie aber auf. Schön und gut, dass sie das alles geschafft haben aber meine Freundin hat furchtbare Angst okay? Sie machen das alles nur noch schlimmer." schreit er die Frau an und dreht sich wieder zu mir.

"Komm mit mein Schatz." sagt Harry und nimmt mich sanft hoch. Zitternd in seinen Armen läuft er aus dem Wartezimmer zur Rezeption.

"Entschuldigen sie? Gibt es hier vielleicht irgendwo ein Zimmer oder so, in das ich Lilly bringen und beruhigen kann? Eine Frau im Wartezimmer hat ziemlich Angst eingejagt." fragt Harry.

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