Nervös gehe ich im Wartezimmer auf und ab. Schwanger. Schon wieder. Kann man denn schon wieder sagen? Immerhin ist das letzte mal zwei Jahre her. Es kann nicht sein. Oder?
Schnell schüttel ich den Kopf. Es kann sein, soll aber nicht. Alexa reicht doch. Mein Baby reicht mir vollkommen. Andererseits sind da einfach wieder diese Anzeichen. Mist, ich will jetzt endlich wissen, ob wir ein Geschwisterchen für Alexa bekommen oder nicht. Diese Ungewissheit ist furchtbar.
10:03 Uhr. Jede Minute, jede verdammte Minute schaue ich auf die Uhr. Die Zeit will einfach nicht schneller vergehen. Vor 3 Minuten hatte ich den Termin. Aber noch immer sitzen wir hier. Im Wartezimmer. Nervös wische ich mir meine schwitzigen Hände an der Hose ab und laufe weiter. Es ist mir egal, dass eine Frau mich kritisch mistert und der kleine Junge mir dauernd hinterher krabbelt.
"Lilly? Jetzt setz dich doch bitte hin." seufzt Harry und zieht mich auf seinen Schoss. Willenlos und immer noch total nervös zittere ich auf seinem Schoß. Er hat gut reden. Er muss das nicht alles nochmal durchmachen, wenn ich wirklich schwanger bin. Er muss mir nur zusehen, während ich verzweifle, dicker werde, Stimmungsschwankungen und Schmerzen habe.
"Aber ich bin so nervös." flüstere ich.
"Wieso flüsterst du?" fragt er mit einem schrägen Grinsen. Kurz überlege ich aber mir fällt keine richtige Begründung ein.
"Weiss nicht. Es fühlt sich so komisch an und ich bin so geteilter Meinungen." sage ich. Er schaut mich etwas fragend an.
"Irgendwie habe ich mich gefreut, als ich gesehen habe, dass mein Test negativ ist. Aber als du dann freudestrahlend gemeint hast, dass der 2. Test positiv wäre, habe ich mich auch gefreut. Wieso freue ich mich wenn er negativ, als auch positiv ist? Es wäre so toll ein Baby zu haben aber andererseits auch mega schwer. Die Zeit und das Geld fehlt." verzweifelt grabe ich mein Gesicht in seine Brust. Ich weiss einfach nicht was ich machen soll.
"Süße, jetzt atme erstmal tief durch." sagt er und legt seine Hand auf mein Bäuchlein. Ich schüttle den Kopf. Was bringt mir das? Was bringt es mir tief durchzuatmen?
"Denk an die anderen Sachen. An die schönen Momente. Denk daran wie sehr wir es lieben werden und wie gut es bei uns hätte. Du bist eine gute Mutter, eine richtig gute sogar. All die anderen Aspekte bekommen wir hin, wie sonst auch. Solange du nicht auf die Idee kommst es abzutreiben, stehe ich hinter dir. Und das weisst du auch." sagt er aber am klang seiner Stimme merke ich, dass auch er nervös ist. Diese Situation setzt ihm mehr zu als er zugeben möchte. Ich nicke ihn leicht lächeln an.
"Ich will mich ja nicht einmischen, aber ich habe so zufällig ihr Gespräch mitbekommen." unterbricht uns eine Frau mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie scheint Ende 30 zu sein. "Ihr erstes Kind?"
"Nein, wir haben schon eine kleine Tochter." sagt Harry und streicht mir über die Seite.
"Oh dann kann ich das verstehen. Aber sie beide scheinen noch sehr jung zu sein, da sind solche Gedanken nichts ungewöhnliches. Vor dem zweiten Kind haben viele Mütter und auch Väter bammel. Ist es das richtige? Werde ich das Zweite genau so lieben wie das erste Kind? Wird mir das nicht zu viel mit zwei Kindern? Aber glauben sie mir, wenn sie ihr Neugeborenes Baby in den Armen hält, seit ihr Glücklich. Glücklicher könntet ihr nicht sein." lächelt sie uns entgegen.
"Das ist ein wunderbares Gefühl. Ein kostbarer Moment, wenn man seine Tochter zum ersten mal auf dem Arm hält. Ich würde es liebend gerne immer wieder erleben und ich bin mir sicher, dass jedes mal doch anders ist." sagt Harry und streicht mir weiter über meine Seite.
"Das stimmt. Nehmen sie es mit Freude hin, wenn sie wieder Eltern werden. Dies ist ein Geschenk. Aber seien sie nicht zu traurig wenn nicht, sie sind jung. Haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Ich wünsche ihnen viel Glück." lächelt sie, steht auf und verlässt den Raum.
10:17 Uhr. Ein Geschenk, aber irgendwie bin ich so unschlüssig. Es ist ein anderes unschlüssig wie bei Alexa damals. Damals ging es um meinen Willen oder um Harrys Liebe, unsere Beziehung. Ich musste mich entscheiden. Zwar habe ich zuerst die flasche Entscheidung getroffen und um ehrlich zu sein bereue ich es schon ein bisschen. Meine kleine Tochter. Ich liebe sie und kann mir ein Leben ohne diesen Wirbelwind gar nicht mehr vorstellen. Wenn man dann zurückdenkt, dass nur wenige Sekunden ihr Leben gerettet haben. Aber ich war naiv, da ich umbedingt meinen Willen durchsetzen wollte. In einer Beziehung muss man Kompromisse eingehen. Es war ein großer Kompromiss, aber ich bereue ihn nicht und bin froh ihn gemacht zu haben. Ich bin froh meine Meinung in der letzten Sekunde geändert zu haben. Denn dann habe ich die richtige Entscheidung getroffen. Harry, Alexa und mich als Familie anzusehen.
"Lilly Smith bitte." ruft mich eine Krankenschwester auf. Zitternd stehe ich auf und laufe mit Harry an der Hand der Krankenschwester hinterher. Fast erdrücke ich seine Hand, aber es scheint ihm nichts auszumachen.
"Sie sind hier um eine Schwangerschaft zu überprüfen?" fragt sie freundlich und deutet uns auf die Stühle zu sitzen.
"Okay, dann erzählen sie mir mal, wieso sie eine Schwangerschaft vermuten." verlangt sie und schaut uns fragend an.
"Naja also ich bin etwa zwei Monate drüber. Zuerst dachte ich, dass kommt von dem Pfrüfungsstress aber der ist jetzt vorbei und ich habe sie immer noch nicht." sage ich.
"Es muss nicht unbedingt heißen, dass sie deshalb schwanger sind. Das Ausbleiben der Periode kann auch andere Gründe haben. Wie von Ihnen gesagt zum Beispiel Stress. Der Körper braucht einige Zeit um sich wieder anzupassen. Haben sie noch andere Beschwerden? Hatten sie ungeschützten Geschlechtsverkehr?" fragt sie weiter.
"Ja. Also beides. Sie ist müder als sonst, hat Stimmungsschwankungen und übergibt sich auch. Das gleiche war auch bei Alexa. Unserer Tochter." sagt Harry. Es ist schade, dass die Frauenärztin von damals, die ich bei Alexa hatte nicht mehr hier ist. Sie wüsste alles, mehr oder weniger.
"Naja und Sex hatten wir auch. Ohne Verhütung. Ausversehen." fügt er hinzu.
"Okay. Dann schlage ich vor wir machen ersteinmal einen Bluttest und je nach dem wie dieser Ausfällt ein Ultraschall." Wir nicken zustimmend. Sie nimmt mir Blut ab und lässt dieses im Labor testen.
Die Sekunden ziehen sich hin wie Kaugummi in der Sonne. Schweigend. Nervös. Schwitzend. So sitzen wir im Behandlungszimmer und warten.
"Wir sollten mal wieder zu Mum und Dad." breche ich die Stille. Wir waren länger nicht mehr da.
"Mhm." macht er. Ich rücke ein Stück näher an ihn und lege meinen Kopf auf seine Schulter. Das ist auch für ihn eine schwierige Situation. Es ist auch sein Leben, sein eventuelles Baby und ich bin seine Freundin.
Alexa wird sich freuen mal wieder auf den Friedhof zu gehen. Sie spricht immer so süß mit Mira, das ist unglaublich. Außerdem hat sie ihre eigenen Namen für Mum und Dad. Nicht Oma und Opa, sondern total außergewöhnliche Namen. Keine Ahnung wie sie auf die Namen gekommen ist, aber irgendwann hat sie Angefangen sie so zu nennen. Anfangs war das ziemlich ungewohnt für mich, für uns.
"Dann wollen wir mal." freudig kommt die Krankenschwester wieder ins Zimmer, setzt sich an den Schreibtisch und teilt uns das Ergebnis mit.
DU LIEST GERADE
alright?
AcakFortsetzung von Du! - meine Hoffnung Alles ist gut. Probleme gelöst, Ängste bekämpft. Was kann da noch schief gehen? Einen Job der Spaß macht, eigenes Geld, erste Wohnung. Das alles haben Lilly und Harry jetzt. Ihr Leben geht weiter und somit wird...
