Ein Kribbeln breitet sich in meinem Magen aus. Müde reibe ich mir über meine Augen und reiße sie auf, als ich erkenne was dieses Kribbeln zu bedeuten hat. Schnell sprinte ich mit Hand vor dem Mund aus dem Bett ins Badezimmer, um mich noch gerade rechtzeitig über die Toilette zu lehnen. Ungewollt kommt immer mehr Mageninhalt meine Speiseröhre hoch.
Von hinten hält mir plötzlich jemand meine Haare zusammen, weshalb ich zusammenzucke aber mich beruhige als ich Harrys Stimme höre.
"Shh. Ist okay." murmelt er und streicht mir den Rücken entlang. Ich sehe auf, als es scheint als müsse mich nicht mehr übergeben und schaue in sein Gesicht. Er sieht nicht gut aus. Seine blasse Haut sieht im Gegensatz zu den müden und roten Augen und den dunklen darunterliegenden Augenringen noch schlimmer aus.
Erschöpft lehne ich mich an die kalte Wand und schließe die Augen. So geht das schon die ganze Nacht, seit gestern Abend. Immer Abwechselnd übergeben wir uns. Wenn ich nicht gerade schlafe, was sowieso nicht so oft vorkommt knie ich mich neben ihn, halte seine Haare zurück und gebe ihm anschließend ein Glas Wasser. Genau so macht er es auch bei mir.
Sanft fährt er meinen Rücken entlang und überreicht mir das Glas Wasser. Ich spüle meinen Mund aus, spucke das Wasser in die Toilette und betätige die Toilettenspülung. Zittrig hiefe ich mich hoch und laufe mit Harry zusammen wieder zum Bett. Erschöpft legen wir uns nebeneinander hin. Aber schlafen kann ich nicht. Meine Bauchkrämpfe verhindern es.
Harry beginnt neben mir zu zittern, weshalb ich ihm die Decke höher zu seinem Gesicht ziehe. Meine Hand streicht ihm noch schnell eine verschwitzte Haarsträhne von der Stirn. Dabei bemerke ich, dass er richtig glüht. Ich küsse seine Wange und lege meinen Kopf auf seine Brust.
"Schlaf ein bisschen Schatz."flüstere ich und spüre auch schon wie sich seine Brust regelmäßig hebt und senkt.
Harry hat es schlimmer erwischt als mich. Während ich mich übergeben muss, Bauchkrämpfe habe und mir leicht Schwindelig ist, hat Harry noch Fieber. Bauchkrämpfe hat er anscheinend auch und er übergibt sich auch mehr als ich mich.
Zwar habe ich auch versucht einzuschlafen aber gelungen ist es mir nicht. Ich drehe mich um und achte darauf, dass Harry auch weiterhin gut zugedeckt ist. Ein Blick auf mein Nachtschränkchen verrät mir, dass es 7 Uhr in der Frühe ist. Ich rappel mich etwas auf und greife nach dem Telefon. Die Nummer der Rezeption ist schon eigespeichert, so dass ich nur den grünen Hörer drücken muss. Nach kurzem Getute ertönt auch schon eine freundliche Stimme.
"Guten Morgen, was kann ich für sie tun?"
"Ich würde gerne zwei Tee aufs Zimmer bestellen wenn das geht?" frage ich.
"Natürlich. Wenn Sie mir dann gerade Ihre Zimmernummer sagen würden?"
"Zimmer 309. Kamilletee wenns geht und könnten sie vielleicht einen Arzt her holen? Meinem Freund geht es wirklich nicht gut." frage ich. Ich denke, auch wenn ich Ärzte hasse ist es besser. Immerhin hat er Fieber und bricht und alles. Er muss ja nicht mich untersuchen.
"Ja ich rufe einen an. Ich denke er wird in 15 - 20 Minuten bei Ihnen sein." Ich bedanke mich und lege dann auf. Müde schließe ich meine Augen und lasse mich wieder in das weiche Kissen fallen.
Plötzlich rennt Harry ins Badezimmer. Geschockt gehe ich ihm hinterher und sehe ihn, wie ich mir schon gedacht habe über der Toilette gebeugt. Ich gehe, wenn auch schwankend zu ihm. Neben ihm kniend halte ich sein Haare außer reichweite. Als er aufhört sich zu übergeben, steht er auf. So gut es geht stütze ich ihn und zusammen laufen wir wieder zum Bett. Gerade als wir, immernoch schwankend aus dem Bad treten kloppft es. Ich rufe ein 'Ja' und schon geht die Türe auf und ein junger Mann kommt rein. Als er uns sieht, lässt er den kleinen silbernen Wagen neben sich stehen und kommt besorgt auf uns zu.
"Warte, ich helfe Ihnen." meint er besorgt und stützt Harry von der anderen Seite. Ich lasse von ihm ab und setze mich auf das Bett. Diese Grippe kostet uns beiden alle Kräfte.
"Hier ist erstmal ihr Tee." meldet sich der junge Mann wieder zu Wort und stellt sie uns jeweils auf das Nachttischchen. Ich bedanke mich und er verlässt wieder unser Zimmer.
Ich trinke einige Schlücke meines Tees. Kamillegeschmack erfüllt meinen Mund. Am liebsten würde ich den Tee ausspucken aber es heißt doch immer, dass er hilft wenn man krank ist. Einen Versuch ist es wert. Er ist nicht mehr ganz so heiß, weshalb ich sanft an Harrys Schulter rüttel und hoffe er wacht auf. Der Tee hilft ihm. Er muss einfach. Er hat durch das Schwitzen, das Übergeben und den Durchfall viel Flüssigkeit verloren. Ich auch aber Harry ist mir wichtiger. Ich will ihn nicht so sehen. So krank und schwach. Ich bin froh, dass der Arzt bald kommt. Er soll ihm helfen.
Sanft streiche ich ihm mit einem Finger über seine Wange. Er grummelt etwas unverständliches vor sich hin wacht aber nicht auf. Seine Wange ist warm und verschwitzt. Mein armer Harry. Mein Blick verlässt sein krankes aber schönes Gesicht seinen Körper hinunter, um zu überprüfen, dass er noch gut in der Decke eingewickelt ist.
Ich streiche ihm noch einmal mit dem Vorsatz ihn zu wecken ein paar verschwitzte Stränen von der Stirn. Und tatsächlich. Langsam öffnet er seine Augen.
"Lass mich schlafen." murmelt er.
"Nein. Harry bitte trink etwas. Ich habe uns Tee bestellt." flehe ich und schaue ihn mit meinem best möglichen Hundeblick an.
"Lass mich schlafen." wiederholt er sich.
"Harry bitte. Du bist krank, ich mache mir Sorgen." flüstere ich und lege meinen Kopf wieder auf mein Kissen. Ihn aber nicht aus den Augen lassend.
"Dir geht's doch auch nicht gut." kontert er. Nachdem ich noch ein bisschen gebettelt habe trinkt er endlich ein paar Schlücke des Tees. Ich lege meinen Kopf auf seine Brust und streiche über deinen Bauch.
"In 10 Minuten dürfte ein Arzt kommen." flüstere ich. Er sollte es wissen und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
"Du hast einen Arzt gerufen?" fragt er leise aber ungläubig. Ich weiss, Lilly und freiwillig einen Arzt. Das hört sich an wie Fisch mit Gummibärchen aber es ist wahr. Ich habe einen Arzt gerufen, nur nicht für mich sondern für Harry.
"Ja. Dir geht es total dreckig." murmel ich leise und kuschel mich näher an ihn.
"Dir auch." kräzt er. Klar hat er recht und mir geht es auch nicht gut aber ihm schlechter. Bevor wir aber weiter reden konnten klopft es an der Türe. Ich rufe ein nicht ganz so lautes "Herein", lege meinen Kopf aber wieder auf Harrys Brust. Wie schon vermutet kommt der Arzt rein.
"Guten Morgen. Wie kann ich ihnen helfen?" fragt er. Ich drehe meinen Kopf nach hinten um ihn anzuschauen. Er sieht noch jung aus. Vielleicht Mitte bis Ende 20.
"Ihm geht's nicht gut. Er bricht, friert, zittert, schwitzt, hat Durchfall und Bauchkrämpfe." sage ich zu ihm und setze mich langsam auf. Harry hingegen bleibt liegen.
"Okay. Sie sehen aber auch nicht ganz gesund aus." bemerkt er. Skeptisch sieht er mich an. Ich schüttel nur meinen Kopf.
"Ihr geht es auch nicht gut. Sie hats nicht so schlimm erwischt wie mich, aber sie bekommt immer Angst vor Ärzten." fällt Harry mir mit leiser Stimme in den Rücken. Mit einem Killerblick revanchiere ich mich.
"Okay. Am besten ich schaue erst einmal nach Ihnen." sagt er und widmet sich Harry. Er untersucht ihn. Ich sehe wie erschöpft Harry ist und bin es ja selbst auch, trotzdem lässt er das alles über ihn ergehen. Was bleibt ihm auch anderes übrig.
"Okay. Es sieht aus, als hätten sie eine Lebensmittelvergiftung. Haben sie in den letzten Tagen etwas schlechtes oder Fisch gegessen?" Der Arzt packt all seine Sachen wieder in den kleinen Koffer. Yeah, dass heißt er untersucht mich nicht.
"Eigentlich nicht. Ich habe gestern zum Abend Muscheln gegessen. Könnte es damit zutun haben?"
"Ja, daran könnte es auch liegen. Hat sie auch welche davon gegessen?" beantwortet er Harrys Frage. Ich nicke ihm zu.
"Okay. Ich gebe Ihnen Antibiotika. Sie müssen viel trinken, sich ausruhen und nichts überstürzen. In ein paar Tagen sollte es ihnrn besser gehen. Wenn es in einer Woche keine Besserung gibt, dann sollten sie noch einmal einen Arzt aufsuchen." Er verabschiedet sich und geht dann.
"Lass uns noch ein bisschen schlafen." murmelt Harry und schließt auch wieder seine Augen. Ich kuschel mich an seine Brust und versuche trotz der Bauchschmerzen einzuschlafen.
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alright?
RandomFortsetzung von Du! - meine Hoffnung Alles ist gut. Probleme gelöst, Ängste bekämpft. Was kann da noch schief gehen? Einen Job der Spaß macht, eigenes Geld, erste Wohnung. Das alles haben Lilly und Harry jetzt. Ihr Leben geht weiter und somit wird...
