Das erste mal, dass ich auf einer Beerdigung war, als ich 9 war. Irgendeine Freundin meiner Mum oder so. Vieles weiss ich nicht mehr so genau, da es mich nicht wirklich interessiert hat. Klingt jetzt vielleicht hart, ist aber wahr. Wenn du einer Person nicht so nahe stehst, machst du nicht diese emotionale Reise durch, die man sonst mitmacht. Manche Menschen empfinden im allgemeinen Verlust stärker und andere schwächer. Das hat nichts damit zu tun, dass die Menschen keine Gefühle haben oder 'kaltherzig' sind. Das hat mit ihrer Verarbeitung zutun. Jeder Verarbeitet den Schmerz, den Verlust anders. Ich spreche viel mit Lou, seit das alles passiert ist. Lilly hingegen verarbeitet das alles ganz anders als ich. Es kommt aber auch darauf an, ob du deine Mum, deinen besten Freund, deinen Lehrer oder 'nur' den Nachbar verlierst. Für deine beste Freundin empfindest du anders als zum Beispiel für den Mann am Ende der Straße oder die Frau, die du einmal in der Woche auf dem Markt triffst.
Jetzt selbst eine Beerdigung organisieren zu müssen ist viel mehr arbeit, viel schwieriger und vor allem viel emotionaler. Vor allem, weil es für ihn ist. Ich habe alles alleine gemacht. Meine Mum wollte ich nicht fragen, genau so wenig wie Robin. Sie sind zwar die Großeltern aber ich bin sein Vater. Es wäre Falsch, ich hätte ein falsches Gefühl und ein schlechtes Gewissen diese Angelegenheit für ihn nicht selbst zu machen. Meine Freunde wollte ich damit nicht belasten und Lilly scheint nur noch ihre Hülle zu sein.
Seit Kilians Tot hat sie fast kein Wort mehr geredet. Im Krankenhaus ein 'Ich liebe dich' an den Kleinen aber danach nichts mehr. Auch 5 Tage später nichts. Kein sterbens Wörtchen. Ich kann froh sein, wenn ich sie abends an mich ziehen kann und sie sich etwas an mich kuschelt, ohne den Körperkontakt zu verweigern. Ich kann froh sein, wenn Alexa ihr einen Gute-Nacht-Kuss geben kann ohne, dass sie in einem Meer aus Trönen versinkt. Ich kann froh sein, wenn sie ein bisschen von dem isst, was die Krankenschwester ihr bringt. Aber vielleicht liegt das ja auch an der Umgebung und es wird besser, wenn wir wieder Zuhause sind. Sie lag die ganze Zeit in dem Zimmer, in welchem sie auch Kilian zur Welt brachte. Vielleicht haucht unsere Wohnung, die damit verbundene Geborgenheit und Liebe wieder etwas Leben in sie. Ich hoffe es. Es schmerz und kostet mich verdammt viel Energie sie so zu sehen, nichts für sie tun zu können, für Alexa da zu sein, die Beerdigung zu organisieren und noch mit dem eigenen Schmerz fertig zu werden.
Alexa habe ich schon ein paar Stunden nach unserem kleinen Telefonat wieder zu mir geholt. Sie hat nur geweint und nach mir geschrien. Also bin ich in aller Frühe, ich glaube es war 1 Uhr, zu Lou gefahren und habe meine kleine Tochter abgeholt. Noch auf dem nach Hause Weg ist sie eingeschlafen. Als würde sie einfach nur bei mir sein wollen, da sie gefühlt hat, das etwas nicht stimmt. Denn normalerweise ist sie super gerne bei Lou oder Perrie. Sie hatte noch nie Schwierigkeiten wo anders als Zuhause zu schlafen. Aber ich kann nicht sagen, dass es mir geschadet hat sie bei mit zu haben. Wir haben noch die ganze restliche Nacht zusammen in ihrem Bett gelegen und geschlafen. Sie in meinen Armen.
Und jetzt? Jetzt stehen wir hier, vor dem Grab unseres Sohnes mit unseren Freunden, meiner Mum, Robin und auch Lillys Tante Mara. Maras Familie und wir haben seit dem Grillfest vor ungefähr 5 Jahren wieder Kontakt. Ich fande es wichtig, dass auch sie dabei ist.
Lilly und ich stehen, natürlich in schwarz gekleidet, mit Alexa an der Hand direkt vor dem Grab. In wenigen Minuten werden noch ein paar Worte gesprochen.
"Es ist immer schwer geliebte Menschen zu verabschieden. Egal wie groß, klein, reich oder arm sie sind. Der Schmerz ist unvermeidbar, so auch bei dem kleinen Kilian. Gott hat ihn viel zu früh zu sich geholt, doch nun schaut er als Engel auf seine große Schwester Alexa, seinen Papa Harry und seine Mama Lilly herunter. Möge er in Frieden ruhen." spricht der Pfarrer und weiht den kleinen Sarg, bevor er in die Erde gelassen wird.
"Schlaf gut Brüderchen." sagt Alexa und wirft eine rote Rose in das Grab. Wir haben ihr das erklärt, aber naja es war schwer für zu verstehen. Sie sagte:
"Dann schläft er doch nur? Halt für immer, aber ich denke doch an ihn." Es war einfacher sie das glauben zu lassen, als zu sagen, dass sein ganzes Leben aus ihm rausgesaugt wurde. Aber irgendwie stimmt es. Er schläft und so sah er auch aus als wir ihn gehalten haben.
"Gut Schatz." flüstere ich zu meiner kleinen Tochter und drücke sie kurz an mich. Ich will erst reden, wenn Lilly fertig ist. Wenn sie ihm das gesagt hat, was sie ihm noch sagen möchte.
"I-Ich liebe Dich, Kilian." sagt sie mit brüchiger Stimme, flüstert noch einige leise Worte und drückt dann Alexa fest an sich. Es ist so anders ihre Stimme wieder zu hören. Nach so langer Zeit, in welcher sie nur geschwiegen hat.
"Mein Kleiner. Nur ein Hauch von Leben,
mehr warst du noch nicht. Nur ein Hauch von Leben, trotzdem vermissen wir dich.
Für kurze Zeit nur bei uns, nicht genug dich richtig kennenzulernen. Für kurze Zeit nur bei uns, gingst viel zu früh zu den Sternen. Vergessen werden wir dich nie, bist in den Sternen und im Wind.
Vergessen werden wir dich nie, du bleibst für immer unser Kind. Wir werden nicht aufhören dich zu lieben, auch wenn der Verlust wird immer schmerzen.
Wir werden nicht aufhören dich zu lieben, du bist in unseren Gedanken und unseren Herzen." flüstere ich mit tränenden Augen.
"Wir lieben dich. Du bist der Sohn, den ich mir gewünscht habe und du wirst dieser Sohn bleiben." Schnell drehe ich mich zu Lilly und Alexa um und nehme sie beide fest in die Arme. Die anderen sagen ihre Worte, werfen wie wir auch Rosen oder Erde in das Grab, sprechen uns ihr Beileid aus und gehen mit Alexa zusammen langsam von dem Friedhof.
Doch wir, wir liegen nur in den Armen von einander und weinen. Fest in ihr Kleid gekrallt drücke ich sie an mich. Will ihr von dem Schmerz wegnehmen der sich in ihr ausbreitet. Sie wenigstens ein bisschen davon erlösen, doch er hat sich zu tieg in unseren Seelen, in unseren Herzen festgesaugt. Ihrer, wie auch meiner. Es zerreißt mich innerlich und es zerreißt Lilly innerlich. Wir sind in der selben Situation. Wir haben bei unseren Sohn verloren. Wir müssen beide mit dem Schmerz und dem Verlust klarkommen und das wird schwerer als wir jetzt denken. Das wird uns viel Energie und Zeit rauben, bis wir wieder eingermaßen weiterleben können, ohne das Gefühl zu haben durch den Schmerz in unserer Brust zu sterben. Doch wir haben Lexy und für sie müssen wir da sein. Für sie müssen wir stark sein.
Vielleicht ist es taktlos, so vor allen anderen zu weinen. Vielleicht sollten wir stark sein oder zumindest so tun, als wären wir stark. Aber wofür? Ist es so schlimm zu zeigen, was für einen Schmerz wir durchmachen müssen? Ist es schlimm zu weinen, nachdem wir unseren Sohn verloren haben?
Vielleicht war er nicht geplant, aber er wurde geliebt. Mehr, als manch andere Kinder von ihren Eltern. Vielleicht war er kein Wunschkind, aber als wir von ihm erfahren haben, war er gewollt. Er wurde nicht sehr alt, aber es schmerzt ihn gehen zu lassen.
Leise bist du gegangen, doch in unseren Herzen auf ewig gefangen!
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alright?
De TodoFortsetzung von Du! - meine Hoffnung Alles ist gut. Probleme gelöst, Ängste bekämpft. Was kann da noch schief gehen? Einen Job der Spaß macht, eigenes Geld, erste Wohnung. Das alles haben Lilly und Harry jetzt. Ihr Leben geht weiter und somit wird...
