Chris folge ich überall hin.

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,,Willst du tanzen?", fragt mich Chris irgendwann, während unseres Starrwettbewerbs. Wir liegen beide auf der Seite und unsere Gesichter liegen genau voreinander. Somit kann ich Chris betrachten in seiner vollen Schönheit. Der Wunsch mit ihm mein erstes Mal zu erleben ist groß und ich könnte mich dafür beißen, dass ich unterbrochen habe, doch die Angst siegt.

Mein Lächeln wird breiter und ich nicke ganz eifrig. Dafür braucht er keine Übersetzung, doch ich schiebe trotzdem ein Gerne hinterher. Chris zieht mich auf die Beine und nimmt meine Hand. Alleine das, mit dem Wissen, dass wir jetzt zusammen sind, ist ein ganz anderes Gefühl. Sonst hat er das gemacht, damit er mich nicht verliert und jetzt... Jetzt, weil er mich einfach liebt. Innerlich schreit alles auf, jede Alarmglocke, jeder müde Schmetterling.

,,Habe ich eigentlich gesagt, wir gut du in diesem Anzug aussiehst?", frage ich und sehe Chris genau an, um jede Regung, jede minimale Reaktion einzufangen. Sein Blick sucht meinen.

,,Jetzt schon, Danke. Das war mein Joker, falls meine Ansprache nichts taugt", meint er sarkastisch und ich muss lachen. Das hat jetzt noch gefehlt. Ich bin froh, dass wir da weitermachen, wo wir aufgehört haben und es nicht merkwürdig wird zu Anfang.

,,Der Anzug hat definitiv dazu beigetragen, dass ich nachgegeben habe", gestehe ich meinerseits gespielt. Das bringt mir einen erneuten Seitenblick und ein leises Lachen seinerseits ein. Wir gehen die breite Treppe, mit ihren vielen Stufen runter. Die Party ist noch im vollen Gange, während meine Welt gerade einfach um einiges schöner geworden ist. Zu unserem oder eher meinem Glück, fängt ein romantisches Lied an.

Chris legt seine Hände an meinen unteren Rücken, während ich mich an seine Brust schmiege und meinen Kopf darauf liegen lasse. Das geht gut, denn ich bin einfach sehr viel kleiner als dieser Mann hier. Wir wiegen zu der Musik hin und her. ,,Ich kann es gar nicht fassen", sage ich leise, bewege mich aber keinen Zentimeter von seiner Brust weg. Chris gibt mir einen Kuss aufs Haar.

,,Was denn?", fragt er nach. Dass wir unsere Masken gar nicht mehr anhaben, scheint niemanden zu stören. Es ist schon so spät, dass viele Gäste sie abgenommen haben.

,,Dass ich hier bin, mit dir. Das habe ich mir den ganzen Tag gewünscht, doch nicht dran geglaubt", gestehe ich nun wahrheitsgemäß. Dafür werde ich von Chris gedrückt. Nur kurz und dann höre ich ihn.

,,Ich stand schon ein paar Mal vor dem Tor", gesteht er mir nun seinerseits und das überrascht mich, weswegen ich mich von seiner Brust löse und ihn ansehe. Sein Blick ruht auf mir. ,,Dann habe ich mich aber eines besseren besonnen und wollte dir Zeit geben. Immerhin war ich ein paar Tage vorher vor deinem Fenster aufgetaucht." Daran erinnere ich mich und will es auch schnell vergessen. Das wollen wir sicherlich beide.

,,In den letzten Tagen habe ich mir so oft gewünscht, dass du vor mir stehst und das alles zu mir sagst." Meine Augen glitzern sicherlich, denn der Kloß in meinem Hals ist groß. Nicht, weil ich traurig bin. Viel eher bin ich überwältigt von den Gefühlen, die auf mich einprasseln. Chris schiebt mir meine verirrten Strähnen vom Gesicht.

,,Es zählt nicht mehr was war. Es zählt das, was gerade geschieht. Ich möchte mit dir im Moment leben", erwidert Chris und ich nicke zustimmend. Mein Blick geht über den Saal.

,,Wollen wir gehen?", frage ich Chris, der seinerseits auch den Saal betrachtet.

,,Wenn du das möchtest", lässt er mich entscheiden. Ich möchte und ziehe ihn mit mir zum Ausgang. Chris hat allerdings andere Pläne und hält mich auf. Er möchte nicht direkt gehen. ,,Komm mit", dirigiert er mich in eine komplett andere Richtung.

Von mir aus könnte er mich überall hinführen und es wär mir egal. Die Tatsache, dass er meine Hand hält und wir nun offiziell zusammen sind, macht alles so viel schöner. Besser kann dieser Tag nicht mehr werden. Chris folge ich überall hin. Natürlich nur, solange es human bleibt. So eine abgefahrene Bungeejumping Aktion ist gar nichts für mich und da bekommen mich keine zehn Pferde hin... oder doch? So im ersten Augenblick sicherlich nicht. Ich schweife ab.

Der Weg ist jedoch recht klar, wenn ich mich etwas umgucke. Meine Eltern sitzen an ihrem Tisch und reden gerade mit Tante Kate und Onkel T.

Mama hat uns schon längst erblickt und winkt uns fröhlich zu. Mein Grinsen ist kaum zu übersehen, ich mache dem Kronleuchter Konkurrenz, so sehr wie mein Gesicht strahlt. ,,Mr. Stark, Gina und ich würden uns für ein, zwei Stunden von der Party entfernen. Ich hoffe, das stellt kein Problem dar", schildet Chris sein Anliegen und ich bin überrascht, dass er Papa Bescheid gibt. Das hätte ich jetzt nicht gemacht. Seine Aufmerksamkeit beeindruckt mich immer wieder. Vielleicht ist es auch nur so, weil er mein Vater ist und Kinder machen sich um sowas ja keine Gedanken... So oder so, ich verliebe mich immer mehr in Chris... obwohl das gar nicht mehr gehen sollte.

,,Solange sie sicher zu Hause ankommt, bin ich einverstanden", meint Papa lässig und lacht dabei auch noch. Er steht auf und gibt Chris die Hand. Aha, als ich damals mit Jonas ein Date wollte, musste ich regelrecht eine stundenlange Diskussion führen... einen Krieg gewinnen sozusagen. Das hier ist ein Kinderspiel. Chris widmet sich Mama zu und verabschiedet sich auch von ihr. Da ich nicht unerzogen wirken möchte, verabschiede ich mich auch von den beiden, doch ich möchte so schnell es geht hier weg.

Nicht, weil ich undankbar wär oder es mir nicht gefällt, doch der Gedanke mit Chris alleine zu sein, gefällt mir um einiges mehr.

Wir gehen die Stufen hinunter und ich schaue Chris die ganze Zeit über an. Mein Bauch kribbelt und mein Herz flattert wie wild. Seine Mundwinkel wandern höher, als er mein Starren bemerkt, doch er sagt nichts und zieht mich einfach mit sich.

Wobei ziehen das falsche Wort ist, wie gehen entspannt spazieren und genießen die Zeit zusammen. Die Laternen geben ihr Licht ab und die Sterne funkeln so zahlreich. Doch wir gehen nicht weit, nur bis zu dem Punkt, wo Chris geparkt hat.

,,Warum hast du es nicht da parken lassen, wo alle ihre Fahrzeuge abstellen?", frage ich, denn die Autos werden für die Gäste geparkt, wenn sie bis zur Location fahren. Da steht dann halt der Parkservice. Chris scheint das aber nichts zu bedeuten. Er zuckt nur seine Schultern, als wär das nichts bedeutsames.

,,Ich hab nicht drüber nachgedacht." Damit hält er mir die Tür auf, damit ich einsteige. Ich mache nicht immer, was er mir sagt, aber in diesem Fall widerspreche ich nicht. Niemals. Chris nimmt auf der Fahrerseite platz.

Es ist egal was wir heute Abend machen und genau das wissen wir beide. Zusammen sein, das wollen wir und ja was soll ich sagen? Wir gehen spazieren, wir reden und das ist der schönste Abend, den ich seit Langem hatte... wenn nicht sogar jemals.

Ich will Dich!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt