Ein Angriff auf meine Gefühle?

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Na toll, Mama hat alles kaputt gemacht. Ich kann aber nicht sauer sein, denn Mama kann nichts dafür. Sie hätte Chris auch direkt nach Hause schicken können. Ich bin nur froh, dass sie mich und Chris nicht gesehen hat. Wer weiß, was passiert wär.

Noch mehr als das aber interessiert mich, was passiert wär, wenn Mama gar nicht reingekommen wär. Er wollte mir etwas sagen. Wir waren uns so nah und ich konnte förmlich spüre, wie tief es in ihm saß... Jetzt erfahre ich es erst morgen, wenn sein Mut bis dahin nicht verschwunden ist. Oder aber ich rufe ihn an... Schnell, stehe ich auf und suche mein Handy. Irgendwo habe ich es doch hingelegt. Ach da!

Schnell sprinte ich zu meinem Tisch, nehme mein Handy und setze mich im Schneidersitz wieder auf mein Bett. Dann starre ich seine Nummer an. 

Kann ich das wirklich machen? Er sagte, es sei für Notfälle und dieses Angebot kann ich nicht einfach missbrauchen. Wie definiert er einen Notfall? Dieser hier wäre ein emotionaler Notfall. Bezieht er es auf Angriffe? Ein Angriff auf meine Gefühle? Ich... Ich kann das nicht machen. 

Ich lasse es einfach und schaue, was auf mich zukommt. Mit Jonas ist endgültig Schluss. Mehr Fehltritte kann man sich nicht leisten. Egal wie viele Entschuldigungen noch kommen, ich werde ihm sagen, dass es keinen Sinn macht und ich mich in Chris verliebt habe. Es wird hart, aber es muss sein. Ich würde mich genauso belügen wie ihn. 

Wie automatisch drehe ich mich zum Fenster und schaue raus. Der Mond strahlt in mein Zimmer und erinnert mich an die Augen von Chris, in denen ich mich immerzu verliere. Er hat eine enorme Wirkung auf mich. Neben ihm fühle ich mich zwar wortkarg und schüchtern, dennoch erwachsen. Bald habe ich Geburtstag und bin es offiziell. Was fühlt Chris für mich? Was wollte er mir sagen? Oh mein Gott, ich kann es kaum erwarten ihn wieder zu sehen. 

Zu gerne würde ich wissen, was er jetzt macht und was er denkt. Wo wohnt er? Dort wo ich ihn gesehen habe? Ich weiß es leider nicht. Ob ich es jemals herausfinden darf? Ob Chris mich sein Leben erforschen lässt? Mich als Teil dessen macht, was ihm wichtig ist? 

Mit all diesen Gedanken kann ich nicht einschlafen, stehe auf und schaue aus meinem Fenster. So fühlt sich wahre Liebe an. Sie lässt mich nicht einschlafen, die Gedanken bestehen praktisch nur noch aus ihm und mein Herz explodiert bei jedem Blick, jeder Berührung und auch nur bei einem Gedanken an ihn. Ist es mein naives Alter oder erkenne ich schon früh wer für mich richtig ist? Mama und Papa waren im Gegensatz zu mir schon viel weiter. Hoffentlich irrt sich mein Herz nicht. 

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,,Du sagst also, ich soll mich einfach trauen?", frage ich Alex, die an der anderen Seite der Leitung sitzt, wahrscheinlich mit Popcorn auf dem Schoß und einem Softdrink in der Hand, die nicht das Handy erwartungsvoll ans Ohr drückt. 

,,Auf alle Fälle! Schiebe es nicht vor dir her. Schnapp ihn dir, ansonsten mache ich's!", sprudelt es aus ihr heraus. Mich macht dieses Gespräch schon so hibbelig. Wie soll ich es nur schaffen mit Jonas und Chris zu sprechen? Oh man o man. 

Nun hat Alex alle Informationen und ich begebe mich runter in den Flur, um mich dem Frühstück zu widmen. Von Papa ist nichts zu sehen und das ist wohl gut so. Aber auch ohne Papa haben meine Gefühle genug zu schaffen. Chris muss hier irgendwo sein und mein Herz springt mir gleich aus meiner Haut, aus meinem Körper. Im Haus habe ich ihn noch nicht gesehen. Steht er wohl bei Carl? Ob Carl meine Aufruhr auch spüren kann? Sicherlich. 

Also versuche ich raus zu gehen und dort Chris vielleicht anzutreffen. Doch ich entdecke nur Carl, der mich anlächelt. Mein misslungener Versuch muss nicht noch analysiert werden, deshalb gehe ich wieder rein und grüble. Hat Papa Chris etwa gekündigt? Das kann nicht sein. Sowas will ich mir nicht einmal vorstellen. Meine Beine tragen mich in die Küche, wo ich mir gedankenverloren ein Brot mache. Eines, dass ich sicher posten könnte, was ich aber nicht mache. Mir steht der Kopf nach allem, aber nicht nach Instagram und Beiträgen meinerseits. Während ich die Arbeit mache, die unsere Haushälterin sonst erledigt, entdecke ich Mama im Garten. Sie ist bei den Rosen, die Papa für Mama anlegen lassen hat. Da sehe ich auch unsere Haushälterin, die Mama gerne bei dieser Arbeit hilft. 

Ich will Dich!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt