Statt direkt zu Alex und Max zu gehen, bleibe ich an einem Punkt der Tanzfläche stehen und tanze hier. Meine Augen schließen sich und ich wiege mich hin und her. Der Song ist schön und ich möchte mich darin verlieren.
Meine Augen öffnen sich und erblicken ein Augenpaar, dass hoch oben an dem Gelände steht. Er hat seine Maske auf, eine graue, schlichte Maske, die männliche Teilnehmer hier tragen. Sein Blick liegt auf mir und ist eisblau.
Mein Körper steht unter Spannung und trotzdem wippe ich noch hin und her. Eine Treppe mitten im Raum führt hoch zu einem Art Balkon und vor dort aus, kann man auf das ganze Geschehen runterblicken. Da steht er in einem wunderschönen Anzug und einer schwarzen Fliege. Seine eisblauen Augen sind kaum zu übersehen und im nächsten Moment ist die Maske ab. Ohne ihn aus den Augen zu verlieren, gehe ich zur Treppe und schreite hoch.
Auch sein Blick lässt meinen nicht los. Während ich hoch gehe, öffne ich das Band hinter meinem Kopf. Sobald ich oben angekommen bin, nehme ich die Maske ab, um so in Chris Gesicht zu sehen. Dieser Balkon hier oben, der auch eine Art Vorraum ist für die weiteren Gänge und Zimmer, die folgen, ist groß und lang. Daher muss ich noch ein paar Schritte gehen, bis ich in der Mitte des Geländers stehe. Hier, wo Chris steht. ,,Hey", begrüßt mich Chris sanft und ich merke, wie verlegen er ist. Ich müsste noch sauer sein, doch sein Anzug lässt ihn so unverschämt gut aussehen, dass mir die Luft wegbleibt. Bekomme ich auch eine Begrüßung raus?
,,Hallo", piepse ich, doch ich versuche standhaft auszusehen. Chris legt seine Maske aufs breite Gelände und schiebt seine Hände in die Taschen seiner Anzughose.
,,Du bist heute die schönste Frau im ganzen Saal", schmeichelt er mir und das nehme ich ihm genauso ab, wie er es sagt. In seiner Stimme schwingt so viel Ehrlichkeit mit, auch wenn ich diese Meinung nicht mit ihm teile. Darum geht es aber nicht. Trotzdem erröte ich und gucke kurz auf den Boden.
,,Chris, warum bist du...", frage ich und werde direkt unterbrochen.
,,Na klar, es tut mir leid", entschuldigt er sich und schüttelt über sich selber den Kopf. So hart wollte ich nicht sein und es klang auch härter als Beabsichtig, doch ich muss irgendwo konsequent bleiben. So schwer mir das auch fällt. ,,Warte kurz", bittet er mich und geht kurz weg, sodass ich ihn nicht sehe. Wirklich nur fünf Sekunden, denn dann kommt er wieder, unzwar mit einer Rose.
Nun steht er vor mir und hält mir die Rose hin. ,,Ich wollte dich nicht mit einem ganzen Strauß überfordern, deshalb eine Rose. Happy Birthday, Gina. Ich hoffe, du hattest einen wundervollen Geburtstag", gratuliert er mir. Überrascht nehme ich ihm die Rose aus der Hand, nur damit er dann etwas aus seiner Hosentasche rausholt. Eine kleine, quadratische Schatulle. Wie ein Schmuckkästchen. Nein? Er hat mir doch nicht... ,,Mach es bitte auf." Das scheint ihm wichtig zu sein. Chris legt es mir in meine Hand und ich öffne die Schatulle. Oh... Ich nehme einen kleinen Schlüsselanhänger aus Glas raus. Darin sind wir beide eingraviert. Ein Bild von uns, aus Prag. Meine Augen leuchten und ich sehe Chris an. Möchte zu einer Frage ansetzen, doch Chris kann meine Geste deuten.
,,Gina, es tut mir leid, was neulich Nacht passiert ist. Wenn ich könnte, würde ich all das schreckliche, was ich zu dir gesagt habe, wieder zurücknehmen. Es war unfair von mir und ich habe dich damit gefährdet. Das ist eigentlich nicht zu entschuldigen. Trotzdem bitte ich dich darum, denn ich habe gemerkt, wie wenig ich ohne dich kann", wird Chris immer leiser. Sein Blick ist so traurig und mein Herz bricht, wenn ich ihn so sehe. Meine Hand lege ich an seine Wange und das nimmt er als Anlass, seine Hand direkt draufzulegen, sie zu streicheln.
,,Ich hatte Angst, dass dir was passieren könnte", gebe ich zu und Chris entfährt ein kurzes Lachen.
,,So einem Idioten wie mir passiert nichts, Gina. Das einzige Leid, das ich mir zufüge ist der, wenn ich dich wegstoße. Damit bin ich diesmal noch weniger klar gekommen, als ich es sonst konnte. Dein Blick hat mich zerrissen und ich habe mir mein Hirn zermartert über dich, über mich, über uns. Vielleicht hast du Recht und der Versuch bringt uns nicht um." Mein Herz schlägt schnell und ich habe das Gefühl, es schlägt mir bis zum Hals. Die Tränen warten schon, denn ich habe Angst. Angst, dass er nicht das meint, was ich glaube zu hören. Plötzlich kniet Chris sich auf ein Bein. Ich schüttle mein Kopf und ich weine ein wenig. Man, was macht er da?
,,Chris, was tust du?", schluchze ich und wische mir die Tränen mit meinem Handrücken weg. Chris holt ein Taschentuch aus der Innenseite seines Sakkos raus.
,,Gina, verzeih mir bitte. Ich habe dir so sehr wehgetan, immer und immer wieder. Das passiert mir nicht mehr, denn ich halte es nicht mehr aus, wenn du nicht bei mir bist. Das habe ich schon so oft gedacht, deshalb stand ich auch vor deiner Schule. Man, die Freundschaft reicht mir nicht, ich will dich küssen, Gina. Ich will das alberne Händchenhalten, die sinnlosen Kosenamen und jeden Mann mit Blicken nach dir vernichten. Vorallem aber möchte ich, dass du glücklich bist, wenn du bei mir bist. Ich möchte, dass du sagen kannst, dass du in meiner Gegenwart nur glücklich bist, denn das ist das einzige, was mich glücklich macht. Dein Glück ist mein höchstes Gut." Nun weine ich aber richtig. Ich schlage meine Hände vor mein Gesicht, denn ich sehe so beschissen aus, da bin ich mir sicher. Chris steht auf, hält meine Arme vorsichtig. Ich spüre wie nah er mir ist. ,,Gina...", flüstert er meinen Namen leise.
,,Chris, bitte, du verarscht mich nicht, oder? Ich kann das nicht nochmal", frage ich unter Tränen und schaue ihn vorsichtig an. Sein Gesicht ist direkt vor mir. Ich schniefe und sehe ihn lächeln.
,,Sei mit mir zusammen, Gina. Damit machst du mich zum glücklichsten Mann, der gerade lebt." Ich nicke, ich nicke wie eine Weltmeisterin und kann es nicht fassen. Es ist kaum zu greifen, doch als Chris mich mit sich in seine Arme zieht und hoch hebt, wird es klarer. Ich schlinge meine Arme um Chris und zerquetsche ihn förmlich.
Solange, bis Chris mich wieder hinstellt und meine Haare, aus meinem nassen Gesicht streicht. Sein Gesicht strahlt und meinen muss ich wirklich nicht sehen. ,,Ich liebe dich, Gina." So schön haben sich diese Worte noch nie angehört.
Bevor ich ihm meine Liebe gestehen kann, zieht er mich weg von den Gästen, die sowieso nichts mitbekommen haben, da alle sich unten tummeln. Chris zieht mich in ein Zimmer und sieht mich direkt an. ,,Nicht jeder muss sehen, wie ich dich küsse", erklärt er diesen Schritt und ich muss lachen, bevor er sein Versprechen wahr macht.
Sanft legt er seine Lippen auf meine. Es beginnt zärtlich und sanft, sodass ich mich vorbereiten kann, auf diese Gefühlsexplosion. So viel prasselt auf mich ein. Mein Verstand versucht einen Fehler zu finden. Es sucht nach dem Sinn hinter all dem, doch ich muss zugeben... Ich bin einfach nur glücklich. Chris Hände fahren über meine Taille und alles was er gerade macht, versetzt meinem Körper einen kleinen Stromschlag. So sehr stehe ich unter Spannung. Meine Hände wandern über seine Brust. Seine starke Brust ist so faszinierend, dass ich mich nicht sattfühlen kann.
Chris Zunge bittet um Einlass, den ich ihm nur zu gerne gewähre. Das beschert mir eine Gänsehaut. Zärtlich fährt seine Zungenspitze über meine, intensiviert den Kuss zwischen uns. Mich überwältigt das Gefühl, auch weil ich das Gefühl habe, dass Chris mich wie Porzellan behandelt. Er behandelt mich wie einen kostbaren Schatz.
Warum ich das nächste mache? Keine Ahnung, ich fühle es so. Meine Hände wandern an seinen Schultern unter das Sakko, das ich runterrutschen lasse. Das ist der Anfang einer jeden aufregenden Geschichte...
Langsam schiebt Chris mich rückwärts... Für ihn ist es Vorwärts, im Grunde ist es nur wichtig, dass ich mit meiner Kniekehle an ein Bett stoße und mich fallen lasse. Chris Lippen sind nicht lange von Meinen getrennt. Er stützt sich links und rechts mit seinen Ellenbogen, damit er sich nicht mit seinem Gewicht auf mich legt. Seine Finger streichen über meine Haare. Meine Hände treffen sich an seinem Nacken und nesteln an den kleinen Härchen.
Chris befreit einen Arm und umfasst mit einer Hand mein Bein und fährt es hoch. Hmm, das macht mich verrückt und gleichzeitig nervös. Hat mich jemals jemand so angefasst? Wollte ich jemals, dass mich jemand so anfasst? Nein und jetzt fühlt es sich genau richtig an. Chris lässt von meinen Lippen ab und küsst mein Kinn und die Stelle unter mein Kinn, bis er mein Hals küsst.
,,Chris...", bringe ich hervor und merke direkt, wie er aufhört.
,,Alles gut?", fragt er mich und schaut mich an. Ich atme weit aus und könnte weinen. Warum kann ich nicht einfach normal sein? Wie alle anderen?
,,Ich habe Angst, ich... ich hatte noch nie...", versuche ich zu erklären, dass ich mein erstes Mal noch nicht hinter mir habe. Chris schüttelt seinen Kopf und küsst meine Stirn.
,,Hey, du musst es mir nicht erklären. Das ist gut, dann liegen wir hier und reden miteinander. Mach dir darum keine Sorgen, okay?", beschwichtigt er mich und legt sich auf die Seite, um mich zu betrachten.
,,Danke", murmle ich und sehe ihn verzweifelt an.
DU LIEST GERADE
Ich will Dich!
RomanceIch hoffe, Chris gesteht sich seine Gefühle ein. Ich glaube nämlich, ich habe mich verliebt. In Chris. Meinen Leibwächter. Leseprobe: „Ist dir kalt?" Mein Mut sinkt und das urplötzlich. Ob mir kalt ist? Das kann nicht sein Ernst sein. Ich sehe doch...
