Die Straßen sind kaum beleuchtet, es ist dunkel und ich schaue mich akribisch um. Carl fährt mir nicht schnell genug, obwohl er sich auch nicht direkt an die Straßenschilder hält. Ob er sich auch Sorgen macht? Seine Mimik scheint besorgt und ist wirklich streng auf die Straße gerichtet.
Still sitzen ist nichts für mich und ich habe das Gefühl, dass ich in jeder Sekunde, in der ich nicht bei Chris bin, etwas verpasse... dass etwas schlimmes passiert.
Mein Fuß wippt übertrieben schnell und ich wusste nicht, dass ich eine solche Neigung habe. Nun weiß ich es.
Wir sind in der Nähe von Chris Wohnung. Carl fährt langsamer und hält nicht vor der Wohnung. Er fährt dran vorbei... und niemand ist da. Die Straße ist leer. ,,Wohin...?", fange ich an und werde von Carl direkt unterbrochen. Diese Frage hat er wohl schon erwartet.
,,Ich wollte nur sicher gehen, dass niemand draußen ist. Nun drehe ich um und warte, bis Sie drinnen sind." Das ist wirklich nett und sehr vorausschauend, doch das dauert mir alles zu lange. Carl hat natürlich die Sicherheit im Auge. Mich interessiert nur Chris und wo er ist, weiß ich gerade nicht. In seiner Wohnung? Ich muss zuerst dort nachschauen, bevor ich woanders hinlaufe.
Es beruhigt mich schonmal, dass niemand draußen steht. Natürlich weiß ich nicht, wo die sich getroffen haben... Wenn sie sich getroffen haben. Gott, ich bin so nervös. Carl hält etwas weiter weg, damit uns niemand bemerkt. ,,Ich warte hier. Sie brauchen nur meine Nummer zu wählen und komme zu Ihnen, Gina", erklärt mir Carl, was ich auch schon fünf Mal vorher gesagt bekommen habe. Daher nicke ich ganz eifrig.
,,Ja klar, ich habe dich auf bei meinen Favoriten, Carl", versichere ich ihm und zeige mein Handy auch direkt in seine Richtung, damit er das Display mit seiner Nummer drauf sieht. ,,Doch wenn du zehn Minuten nichts hörst, kannst du fahren."
Ungeduldig steige ich aus und überlege einfach zu klingeln... Dann bin ich mir doch nicht mehr sicher. Falls Gregori noch da ist, wird er mich sehen, wenn ich den normalen Eingang nehme. Immerhin sieht er mich tagsüber ja auch. Noch weiß ich nicht, wie es ausgegangen ist... ob es überhaupt irgendwie gegangen ist... Hat er es immer noch auf mich abgesehen?
Es ist besser, wenn ich vorsichtig bin und von hinten gucke, wie ich mich in Chris Wohnung schleichen kann. Sein Bruder kommt ja auch irgendwie rein. Also gehe ich um das Haus herum. Chris wohnt im Erdgeschoss, also ist das schonmal kein Hindernis. Ist das sein Fenster? Ich stehe vor dem äußersten Fenster, da Chris Wohnung auch die Erste ist... Erinnere ich mich richtig? Es ist so ganz anders von Außen zu erkennen, welche Wohnung und welches Zimmer wo liegt, doch ich denke, ich bin richtig. Die Vorhänge sind zugezogen.
Da Chris keine Rollladen besitzt, sind Vorhänge wirklich praktisch. Sonst ist er ja sehr minimalistisch unterwegs. Trotz der geschlossenen Vorhänge, klopfe ich leise ans Fenster. Es kommt mir ganz komisch vor, einfach vor dem Fenster meines Freundes zu stehen. Oh man, oke. Ein wenig energischer muss ich doch werden.
Da ist niemand. Es ist auch stockduster. Chris ist nicht da und ich könnte heulen. Das heißt, er ist weg... mittendrin? Wo kann ich anfangen zu suchen? Im Boxstudio? Die Atmosphäre dafür wär gegeben. Oke, einmal noch und dabei sage ich vorsichtig seinen Namen. Oh mein Gott... Die Vorhänge werden zur Seite geschoben und ich sehe Chris. Meine Freude ist so groß!
Gott, jetzt muss ich nicht suchen! Auch wenn das das kleinste Problem wär. Chris öffnet das Fenster und sieht mich verwirrt an. Vielleicht auch streng und verärgert? Es kann alles sein, doch die Hauptsache ist, dass er mir in die Wohnung hilft. Ich klettere über die Fensterbank und lasse mich dankbar in Chris Arme fallen, die er mir entgegenstreckt, um mich sanft auf den Boden zu stellen.
Bevor er mit irgendwas loslegen kann, schmeiße ich mich auf ihn, umklammere seinen Nacken und freue mich einfach so. ,,Oh mein Gott, Chris! Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Wie geht es dir? Warst du weg? Wo und was ist passiert?", frage ich und bin froh, dass er meine Umarmung ein Stück weit erwidert. Seine Hände liegen sanft auf meinen Hüften.
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Ich will Dich!
RomansaIch hoffe, Chris gesteht sich seine Gefühle ein. Ich glaube nämlich, ich habe mich verliebt. In Chris. Meinen Leibwächter. Leseprobe: „Ist dir kalt?" Mein Mut sinkt und das urplötzlich. Ob mir kalt ist? Das kann nicht sein Ernst sein. Ich sehe doch...
