,,Dieser Sicherheitsmann gefällt mir."

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Bevor ich nach Hause gehe, stehe ich vor Papas Büro. Ich muss mit ihm sprechen und das kann nicht bis heute Abend warten. Die Hintertür ist offen - natürlich nur, weil ich vorher an den Sicherheitsmännern vorbeigekommen bin, die kennen mich - also gehe ich direkt hoch zu Papa. Ich könnte den Aufzug nehmen, aber ich will sehen, wie fit mein Leibwächter so ist. Papas Büro ist in der zweiten Etage, die ich locker hochspringe. Chris hängt mir in nichts nach und kommt leicht hinter mir her. Na super. 

Egal, dann ist es eben so. Je länger ich mir Chris ansehe, desto nerviger wird er. Schon den halben Tag muss ich ihn mit mir schleppen. ,,Hey, Gina!", ruft Tante Kate aus, die an der Rezeption sitzt. Ich winke ihr zu und bin schnell bei ihr. 

,,Hey! Ist Papa alleine?", frage ich sie, werde aber erst umarmt, bevor ich eine Antwort bekomme. Dafür steht sie extra auf. Ich mag Tante Kate. Sie ist echt cool, was man von Papa nicht behaupten kann. Sie könnte Papa viel mehr die Stirn bieten als Mama. Sicher hat Papa Mama deswegen genommen. Tante Kate ist ja eigentlich genauso hübsch. 

Wie auch immer. ,,Nein. Dein Vater redet noch mit einem Kunden. Willst du etwas trinken?", fragt sie und setzt sich wieder, bietet mir den Platz auf dem Sofa an. Ich lasse mich drauf fallen und atme weit aus.

,,Nein danke. Vielleicht aber mein Begleiter hier. Der hat heute nichts getrunken", deute ich auf Chris, der hinter mir steht und alles genau beobachtet. Kate sieht ihn erschrocken an und steht direkt auf. 

,,Oh Gott, trink doch etwas. So geht das nicht", macht sie sich Sorgen und ist dabei ihm etwas einzugießen. Chris sträubt sich aber dagegen. 

,,Das ist nicht nötig. Ich ernähre mich ausreichend, danke", meint Chris steif und behält seine Position bei, auch als Kate ihm das Wasser hinhält. Unentschlossen behält sie es bei sich und setzt sich wieder an ihren Platz. 

,,Na schön, ihr seid ja keine Kinder mehr. Also, wie läuft die Schule?" Ich erzähle ihr von der Langeweile und den Misserfolgen. Nicht zuletzt erwähne ich die nervigen Blicken wegen dem Typen hinter mir, der mir wie ein Hündchen dauernd überall hin folgt. ,,Da musst du durch. Du hast scheiße gebaut. Niemand nimmt deinen Vater in Schutz, aber man kann ihn verstehen." Nein, ich nicht. Wieso versteht ihn jeder? Er macht seiner Tochter das Leben zur Hölle und das nur, weil er ein kontrollsüchtiger Vater ist. Das ist übertrieben und wie ich so gerne sage, unfair. 

Bei Papa geht irgendwann die Tür auf und der Typ geht. Papa hat mich noch nicht gesehen und geht rein. Gut, dann kann ich ihm ja folgen. Ich klopfe an und gehe rein, als er mich darum bittet. ,,Hey", begrüße ich ihn und mache die Tür zu. Chris steht draußen. Papa kann mich dann wohl beschützen oder was? Nette Einstellung. 

Papa sieht überrascht zu mir und lässt seine Arbeit liegen, um sich in seinem Stuhl zurück zu lehnen. ,,Was verschafft mir die Ehre?", fragt er eindeutig misstrauisch, aber mit einem Funken Hoffnung, ich könnte seine alberne Strafe akzeptieren. Nein, aber das kann er erstmal glauben. Ich setze mich auf den Stuhl vor ihm und überkreuze meine Beine. Nun gut. 

,,Dieser Sicherheitsmann gefällt mir. Man kann sich daran gewöhnen", starte ich meine Konversation, die mich hoffentlich da raus holt. Vielleicht funktioniert bei Papa die umgekehrte Psychologie. 

,,So so, was hat dich dazu bewogen?", hakt er nach. Natürlich glaubt er mir nicht und blickt amüsiert drein. Ich würde mir auch nicht glauben. 

,,Naja, er sieht ja nicht schlecht aus und die Mädels fahren total auf ihn ab. Das verleiht mir sicher den lang ersehnten sozialen Status, den ich mir gewünscht habe. Klasse", schwärme ich weiterhin. Ich will natürlich nicht, dass der Typ seinen Job verliert, aber hier bleiben kann er auch nicht. Er ruiniert mein Leben.

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