Kapitel 6

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Ich saß in der engen Zelle des Streifenwagens, meine Hände fest gefesselt

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Ich saß in der engen Zelle des Streifenwagens, meine Hände fest gefesselt. Die Worte des Staatsanwaltes hallten in meinem Kopf wider, immer wieder in einer endlosen Schleife: „Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden." Die Sirene des Fahrzeugs dröhnte wie ein unerbittliches Metronom, das meinen Puls beschleunigte. Der leblos wirkende Körper, den ich gesehen hatte, verschwand nicht aus meinem Gedächtnis. Die blutigen Hände, die ich sah – waren das wirklich meine? Es war schwer zu sagen, ob ich halluzinierte oder ob das, was ich sah, Wirklichkeit war. Mein Blick war leer und starr. Der Regen peitschte gegen die Fenster und der Sturm schien all meine Gedanken fortzufegen.

Ich ignorierte die Anwesenheit der beiden Polizisten neben mir. Sie waren für mich irrelevant, genauso wie alles andere. Die Ungewissheit über den Zustand der verletzten Person zerrte an meinen Nerven. Mein Kopf schmerzte und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. In der Zelle wurde es immer kälter und jede Minute schien eine Ewigkeit zu dauern. Ich setzte mich auf eine der harten Bänke und lehnte meinen Kopf gegen die kahle, raue Wand. Das Geräusch der anderen Gefangenen – einige betrunken und lallend, andere eher ruhig – vermischte sich mit dem monotonen Rauschen des Regens draußen.

Als mein Name durch den Raum hallte, öffnete ich mühsam die Augen und suchte nach der Quelle des Geräusches. Ein Polizist stand in der Tür und deutete mir an, aufzustehen. Seine Hand umklammerte die Handschellen, die ich wieder angelegt bekam. Ich wurde aus der Zelle geführt und in den Verhörraum gebracht. Als die Tür hinter mir ins Schloss fiel, war ich allein. Mein Blick wanderte zum verdunkelten Fenster, hinter dem sich möglicherweise jemand versteckte. Nervös wippte ich mit dem Bein auf und ab, als ob die Stille den Raum erdrückte. Es war, als würde der Raum sich auf mich bewegen, mich erdrücken.

Ich wusste nicht, wie es dazu gekommen war. Die schrecklichen Bilder und die Leere in meinem Kopf machten mich fast wahnsinnig. Ob ich der Täter war oder nicht, wusste ich nicht mehr sicher. Das Gefühl der Schuld, das mich fast zerfressend war, überwältigte mich. Plötzlich hörte ich Schritte, und zwei Männer traten ein. Einer setzte sich mir gegenüber, der andere blieb stehen. Der Mann, der sich mir gegenübersetzte, strahlte die Autorität eines Beamten aus, während der andere Staatsanwalt war – Can Falay. Seine Präsenz war unverkennbar und einschüchternd. Er hatte eine Aura, die ihn zweifellos als einflussreich kennzeichnete.

„Ich bin Can Falay. Ich bin der Staatsanwalt, der die Ermittlungen führen wird", sagte er, und seine Stimme ließ keine Zweifel daran, dass er die Situation beherrschte. Selbst mit meinem eigenen Charisma war seine Ausstrahlung beeindruckend.

Der andere Mann, ein Kommissar, begann, mir die Vorwürfe zu erklären. Seine Stimme war schroff und ich konnte den Ernst der Lage deutlich spüren. „Herr Kalkan, Ihnen wird vorgeworfen, eine Straftat begangen zu haben." Sein Ton ließ keinen Raum für Zweifel, und die Schwere der Anklage lastete schwer auf mir. Als das Wort „lebt" fiel, zuckte ich zusammen, doch das Lächeln, das kurz auf meinem Gesicht erschien, verschwand schnell wieder.

Der Kommissar erklärte mir, dass ich verpflichtet sei, die Wahrheit zu sagen, wenn ich Angaben zur Sache machen könnte. Die Blicke der beiden Männer bohrten sich in mich, als wären sie hungrig auf eine Bestätigung meiner Schuld. Alles, was ich dachte, war, dass es keine Rolle spielte, was ich sagte – meine Situation würde sich dadurch nicht verbessern. Der Kommissar stellte Fragen zu meiner Anwesenheit im Wald und dem Brand in der Hütte, aber ich reagierte nicht. Stattdessen starrte ich auf die Männer und das Fenster, in der Hoffnung, dass der Raum sich bald zusammenziehen würde und mich in Ruhe ließ.

„Haben Sie die Belehrung verstanden, Herr Kalkan?" fragte der Kommissar mit einem zunehmend lauteren Ton. Ich senkte meinen Kopf und nickte kaum merklich, aber als er erneut fragte, schwieg ich. Die Stille wurde nur durch mein tiefes Atmen durchbrochen.

„Warum waren Sie um die Uhrzeit im Wald?" fragte der Kommissar. „Mit was haben Sie die Hütte angezündet?" Seine Fragen waren wie Dolchstiche und ich fühlte, wie die Klinge tiefer in mein Fleisch eindrang. Die Fragen schienen an mir abzuprallen, als ich ihm einfach nur ins Gesicht starrte, ohne zu reagieren. Der Staatsanwalt, Can Falay, flüsterte dem Kommissar etwas ins Ohr. Der Kommissar stand abrupt auf und verließ den Raum. „Wir brechen die Vernehmung jetzt ab. Wir werden Sie später mit einem Anwalt erneut befragen", sagte er und verließ ebenfalls den Raum. Ich wartete auf einen Beamten, der mich zurück in die Zelle bringen würde.

In der Zelle wartete ich, der Gedanke, einen Verteidiger zu brauchen, ging mir durch den Kopf, obwohl ich wenig Interesse daran hatte. Es schien unvermeidlich, dass ich einen Pflichtverteidiger bekommen würde. Stunden vergingen und mein Frust über den verspäteten Anwalt wuchs. Ich saß hinter Gittern und fühlte mich wie ein Gefangener in einem Leben, das sich plötzlich und drastisch verändert hatte.

Als schließlich mein Anwalt eintrat, war ich sofort skeptisch. „Es tut mir leid für die Verspätung. Ich hatte etwas sehr Wichtiges zu tun", sagte er, seine Stimme war halbherzig und ließ keinen Zweifel an seinen Prioritäten. Sein Schlaf schien ihm wichtiger als mein Schicksal zu sein. „Ich heiße Akin Şahin. Ich rate Ihnen, keine Aussagen zu machen, bis ich die Beweise gegen Sie geprüft habe."

Ich saß da, die Arme vor der Brust verschränkt und zeigte ihm deutlich, dass ich wenig Interesse an seinen Ausführungen hatte. Seine Mimik und Gestik spiegelten mir nur wider, was ich bereits wusste – er war nicht wirklich interessiert an mir. Es drehte sich alles nur ums Geld.

Nach dem Gespräch mit dem Anwalt wurde ich erneut zurück in meine Zelle gebracht, wo die kalte Realität meines Schicksals mich einholte. Der Ermittlungsrichter hatte mir die Untersuchungshaft verhängt und ich wusste, dass dies meine neue Realität für die kommenden Jahre sein würde.

Meine Gedanken kreisten weiter um die Fragen der Polizei, die Vorwürfe und die neue Realität. Ich hatte mich selbst in diese Lage gebracht, aber ich konnte nicht erkennen, ob ich wirklich der Täter war. Die Tatsache, dass ich es möglicherweise nicht war, spielte keine Rolle. Was zählte, war die Kälte und das Gefühl des Ausgeliefertseins, das mich erdrückte.

Das Leben war unbarmherzig, und die Tatsache, dass ich mich jetzt in einer Justizvollzugsanstalt wiederfand, zeigte mir, wie sich alles drastisch ändern konnte. Meine neue Adresse war nun die Haftanstalt, und ich musste mich mit der Tatsache abfinden, dass ich hier für die nächsten Jahre leben würde – ob ich es verdient hatte oder nicht.

Jeder Gedanke daran, dass ich unschuldig sein könnte, schien wie ein ferner Traum. Die Blicke der Polizisten und der Staatsanwalt sagten mir, dass ich der Verdächtige war. Ich konnte nicht entkommen. Die Frage, die ich mir immer wieder stellte, war: Waren die blutigen Hände, die ich gesehen hatte, wirklich meine?

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Es gibt Momente an denen wir als normaler Bürger nicht viel bewirken können. Wir nehmen es meist hin und warten die Zeit ab. Das wichtige ist hierbei
NIEMALS aufzugeben.

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𝐒𝐞𝐞𝐥𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐦𝐞𝐫𝐳Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt