»Der Abschied hinterließ einen Seelenschmerz, so leise und tief wie das Flüstern vergangener Träume.«
In einer Welt, in der Loyalität und Verrat oft nur einen Atemzug voneinander entfernt sind, gibt es Menschen, die ihre wahren Absichten hinter Mask...
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Wieder einmal begann mein Arbeitstag mit einem Kaffee, der mir wie gewohnt Kraft und Energie verlieh, die ich heute besonders gut gebrauchen konnte. Während ich durch das Internet surfte, um alternative Therapien für meinen Vater zu recherchieren, war mein Kopf schwer von Sorgen. Der Arzt hatte mich heute Morgen informiert, dass die Krankenkasse den Antrag auf ein neues Medikament abgelehnt hatte. Der Chefarzt hatte geschrieben, dass das Medikament bei dem Zustand meines Vaters wahrscheinlich nicht die gewünschte Wirkung zeigen würde. Diese Nachricht traf mich wie ein Schlag, denn der Preis für die alternative Therapie war fünfstellig. Die finanzielle Belastung war erdrückend und ich wusste nicht, wie ich diese Summe aufbringen sollte.
Das Thema Kredit war für mich ein emotionales Minenfeld. Meine Mutter war strikt dagegen und obwohl ich ihre Bedenken verstand, dachte ich an die Notwendigkeit, die beste Behandlung für meinen Vater zu finden. Die Tränen, die mir über die Wangen liefen, waren ein Ausdruck meiner Verzweiflung. Ich wischte sie schnell mit einem Taschentuch weg und versuchte, mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Alles hatte seinen Grund, und ich konnte nicht aufgeben.
In meinem neuen Büro wartete ich gespannt auf meine erste Akte. Niemand wusste genau, wann Herr Sonay mir einen Fall anvertrauen würde. In der Zwischenzeit entschied ich mich, meinen Arbeitsplatz ein wenig zu organisieren. Ich teilte mir das Büro mit zwei weiteren Kollegen: Selma und Nedim, einem erfahrenen Anwalt, den ich hier kennengelernt hatte. Er war fünf Jahre älter, war nicht nur sympathisch, sondern auch in seinem Fach hervorragend. Die Neugierde, was ich in dieser neuen Rolle erleben würde, breitete sich in mir aus.
Plötzlich klopfte es an der Tür und riss mich aus meinen Gedanken. Als ich den Kopf hob, stand die Rechtsgehilfin von Herrn Sonay vor mir, eine zurückhaltende Frau, die stets in der Nähe des Chefs war. „Kann ich dir weiterhelfen?" fragte ich, als sie einen Schritt nähertrat. In ihren Armen trug sie einen Stapel Dokumente.
„Herr Sonay bat mich, dir den Fall eines Mandanten weiterzuleiten. Er ist seit fast zwei Tagen auf dem Revier," erklärte sie. Mein Herz begann schneller zu schlagen - mein erster Mandant. Ich nahm den Zettel, den sie mir reichte und las daraufhin den Namen des Angeklagten: Giray Eser. Der Staatsanwalt, der den Fall bearbeiten würde, war Can Falay, dessen Erfolgsquote fast 90 Prozent betrug. Die Aussicht, gegen einen so erfolgreichen Staatsanwalt anzutreten, ließ mich vor Nervosität erschaudern.
Die Rechtsgehilfin entschuldigte sich und verließ den Raum. Ich betrachtete den Zettel und stellte fest, dass ich keine weiteren Informationen über meinen Mandanten hatte. Ohne Akteneinsicht machte ich mich sofort auf den Weg zum Polizeirevier.
Der Gang war lang, und ich spürte neugierige Blicke auf mir. Als junge, weibliche Anwältin auf einem Revier zu arbeiten, war ungewöhnlich und die Blicke der Beamten waren nicht gerade ermutigend. Ich schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit und konzentrierte mich darauf, mein Ziel zu erreichen.
Am Revier angekommen, wurde ich von einem Beamten zu dem Raum geführt, in dem sich mein Mandant befand. Als ich die Tür öffnete, sah ich ihn allein und gebückt mit gesenktem Kopf sitzen. Der einzige Lärm kam von meinen Stilettos, die laut auf dem Boden klackerten. Ich schloss die Tür hinter mir und setzte mich auf den Stuhl, der parallel zu ihm stand.
Er hob langsam den Kopf und seine Gesichtszüge blieben unverändert. „Ich bin Frau Tekin. Ich werde Sie bis zur letzten Verhandlung vertreten," stellte ich mich vor. Er blickte mich an, seine Augen verrieten Schlafmangel und Müdigkeit. „Es tut mir leid. Ich bin Giray Eser," sagte er und reichte mir die Hand. Ich nahm sie mit einem festen, professionellen Griff an und setzte mich.
„Leider habe ich noch keine Akteneinsicht, daher bitte ich Sie, keine Aussage zu tätigen, solange ich nicht an Ihrer Seite bin. Haben Sie mich verstanden?" Er nickte, und ich begann, meine Notizen zu machen. „Bitte erzählen Sie mir alles, was passiert ist, vom Anfang bis zu Ihrer Festnahme. Nichts auslassen, denn ich werde Sie verteidigen."
Giray begann zu sprechen. Er berichtete, dass er in einem Geschäft eine Uhr gesehen und mitgenommen hatte. „Hatten Sie das Geld nicht für die Uhr?" fragte ich, als ich seine zunehmende Nervosität bemerkte. Er schluckte schwer und begann zu zittern. „Ich hatte das Geld, aber ich weiß nicht, was mich dazu gebracht hat, die Uhr zu stehlen," gestand er.
Er erklärte weiter, dass der Besitzer des Ladens die Polizei gerufen hatte, nachdem Giray wütend geworden war, als ihm die Polizei gegenüberstand. „Ich habe mich entschuldigt, aber der Besitzer wollte nicht nachgeben," sagte er, während er nervös unter dem Tisch mit dem Bein wackelte.
Ich schloss mein Notizbuch und schaute ihn mitfühlend an. Auch wenn er gestohlen hatte und es sich um eine Straftat handelte, konnte ich nachvollziehen, wie verzweifelt er war. „Ich habe alles Wichtige notiert. Sind Sie sicher, dass Sie nichts ausgelassen haben?" fragte ich. Er nickte leicht. Es schien sich nicht um einen Raub zu handeln, sondern nur um Diebstahl.
Ich überprüfte die Uhrzeit - der Staatsanwalt sollte bald erscheinen. „Ich werde später zurückkommen, nachdem ich die Akte durchgesehen habe. Dann werden wir eine Aussage machen, und ich hoffe, Sie werden bald entlassen," sagte ich, bevor ich mich von meinem Mandanten verabschiedete und dem Beamten Bescheid gab, dass meine Arbeit für den Moment beendet war.
Meine Suche nach dem Staatsanwalt erwies sich als schwieriger als erwartet. Schließlich fand ich ihn an einem Kaffeeautomaten. Ich nahm mir einen Moment, um durchzuatmen und meine Erschöpfung abzulegen. Er sah besser aus als ich erwartet hatte; sein Charisma war unverkennbar. Mit einem mutigen Schritt ging ich auf ihn zu.
„Hallo, ich bin Nisa Tekin, die Anwältin von Herrn Eser," stellte ich mich vor. Er nickte nur und sagte: „Ich warte seit etwa einer Stunde auf Sie. Ich brauche die Akte." Seine Augenbrauen hoben sich, als er den Kaffeeautomat hörte. Er nahm seinen Kaffee und deutete mit einer Kopfbewegung an, dass ich ihm folgen sollte.
Im Raum angekommen, legte er seinen Kaffee ab und holte die Akte aus seiner Tasche. Als ich nach der Akte griff, ließ er sie nicht sofort los. Ich sah ihm in die Augen und deutete höflich an, dass er loslassen sollte. „Ich wollte Sie nur warnen. Zerreißen Sie sich nicht für einen Mandanten. Sie tun damit niemandem einen Gefallen."
Seine Worte waren berechtigt, doch ich wollte meinem Mandanten so gut wie möglich helfen. „Und was, wenn es sich für diesen Mandanten lohnt?" fragte ich, was ein leichtes Lächeln auf sein Gesicht zauberte. „Da haben Sie mich, Frau Tekin. Hoffentlich ist dies nicht unser letztes Treffen."
Seine Worte ließen mich verwirrt zurück. Vielleicht war es einfach eine freundliche Bemerkung, aber ich konnte mir den genauen Sinn nicht erschließen. Ich bedankte mich schnell und verließ den Raum, um ins Auto zu steigen und die Akte zu lesen.
Als ich zurück zum Revier kam und den Beamten bat, mich zu meinem Mandanten zu bringen, bereitete ich mich mental auf die Vernehmung vor. Giray war inzwischen in demselben Raum angekommen. Wir besprachen noch einmal die Aussage, die er machen sollte. Da die Straftat nicht schwerwiegend war, ging ich davon aus, dass er auf Bewährung entlassen werden würde.
„Bitte halten Sie sich genau an das, was wir besprochen haben," sagte ich, als wir uns auf den Beamten zubewegten, der die Information weiterleitete.
Der Beamte kehrte nach einigen Minuten zurück und informierte uns, dass Herr Falay es für ausreichend hielt, dass mein Mandant sich schriftlich äußerte. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus - es war ein gutes Ergebnis.
Als wir den Raum verließen, bedankte sich Giray mehrmals überschwänglich bei mir. Er war auf Bewährung, und seine Dankbarkeit war ehrlich. Ich überreichte ihm meine Visitenkarte. „Das war's dann wohl, Herr Eser. Ich hoffe, Sie werden meine Visitenkarte nicht brauchen, aber falls doch, halten Sie sich bitte fern von solchen Verhaltensweisen. Einen schönen Abend noch."
Ich winkte ihm zum Abschied zu und fuhr nach Hause. Der Tag war lang gewesen, und ich war stolz darauf, meinen ersten Fall erfolgreich abgeschlossen zu haben. Girays Worte - „Danke, dass Sie so eine starke Frau sind" - hallten in meinem Kopf nach. Komplimente waren immer schön, doch ein unerwartetes Lob von einem Mandanten war besonders bedeutungsvoll.