Kapitel 7

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Ich stand mal wieder vor unserer Kaffeemaschine und beobachtete die Schlange, die sich davor gebildet hatte

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Ich stand mal wieder vor unserer Kaffeemaschine und beobachtete die Schlange, die sich davor gebildet hatte. Heute war ich nicht allein; vor mir warteten einige Kollegen und ich konnte nicht anders, als ihrem Gespräch zu lauschen. Sie sprachen über den neuen Mandanten von Akin. Angeblich hatte dieser Mann während seines gesamten Aufenthalts kein einziges Wort gesprochen. Ich wusste, dass solche Mandanten eine Herausforderung waren – sture, verschlossene Seelen, die einen Anwalt bis an die Grenzen seiner Geduld bringen konnten. Es war fast unmöglich, jemanden zu verteidigen, der nicht mit einem kooperierte.

Während ich darüber nachdachte, wie schwer Akin es haben musste, war ich froh, als ich endlich meinen heiß ersehnten Kaffee in den Händen hielt. Die Wärme des Bechers durchdrang meine kalten Finger und beruhigte mich ein wenig. Ich schlenderte den Korridor entlang, wo es immer ein aktuelles Gesprächsthema gab. Heute war es eindeutig Akin und sein schwieriger Mandant. Die Kollegen tuschelten aufgeregt, aber ich war sicher, dass sich das Thema in ein paar Tagen wieder legen würde. Es war immer dasselbe: Jemand wurde zum Gesprächsthema gemacht und bald darauf wandten sich alle wieder neuen Dingen zu.

Mit dem Kaffee in der Hand trat ich in mein Büro ein. Nedim war tief in seine Arbeit vertieft, und Selmas Platz war, wie immer, leer. Diese Frau war überall, aber man konnte sie nie an ihrem Platz finden. Ich setzte mich leise an meinen Schreibtisch und begann, meine Mails durchzugehen. Die meisten waren Routineanfragen, nichts von großem Interesse. Nachdem ich mich durch meinen Posteingang gearbeitet hatte, lehnte ich mich zurück und nahm einen großen Schluck von meinem Kaffee.

Ich ließ den Blick auf meinen Laptop schweifen, der offen vor mir lag. Die Arbeit war erledigt und eine kurze Pause schien verdient. Ich entschied, meinen Spam-Ordner zu durchsuchen – eine Aufgabe, die ich sonst gerne vermied. Als ich jedoch eine Mail über Kreditgeber sah, stutzte ich. Sofort drängte sich ein Gedanke in meinen Kopf, den ich bisher immer wieder verdrängt hatte. Es war nicht legal, aber die Situation meines Vaters ließ mir keine Wahl. Ich begann, nach Kreditvermittlern in meiner Stadt zu recherchieren. Es war offensichtlich unseriös, aber ich konnte keine andere Lösung sehen. Mein Herz krampfte sich zusammen bei dem Gedanken, was ich tun musste, aber ich konnte nicht tatenlos zusehen, wie es meinem Vater immer schlechter ging. Ich verzichtete lieber auf meine Freiheit, damit mein Vater die Freiheit haben konnte.

Mit einem Gefühl der Hilflosigkeit starrte ich auf den Bildschirm. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus, und ich wusste, dass ich mich ablenken musste. Ich stand auf und ging zur Toilette, wo ich versuchte, mich zu sammeln. Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht und atmete tief durch. Mein Wohlbefinden war mir wichtig – ich musste stark bleiben, um auch anderen Kraft geben zu können.

Als ich an meinen Platz zurückkehrte, bemerkte ich, dass Nedim nicht mehr da war. Ich setzte mich hin, aber etwas stimmte nicht. Mein Laptop war zugeklappt, obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte, es getan zu haben. Ein flüchtiger Gedanke huschte durch meinen Kopf – hatte jemand mein Büro betreten? Aber ich verwarf ihn schnell. Es musste der Eisenmangel sein, der mein Gedächtnis beeinträchtigte. Die Tabletten, die ich dagegen nahm, strapazierten meine Nerven ohnehin schon genug.

𝐒𝐞𝐞𝐥𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐦𝐞𝐫𝐳Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt