Kapitel 25

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Ich hatte schon eine ganze Weile nicht mehr bei Alper vorbeigeschaut

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Ich hatte schon eine ganze Weile nicht mehr bei Alper vorbeigeschaut. Es war eine merkwürdige Mischung aus Erleichterung und Unruhe, die mich durchdrang. Zu wissen, dass es zwischen Alper und Güneş kein „wir" mehr gab, nahm dem Ganzen etwas von seinem Gewicht. Es war noch schwer zu begreifen, aber ich konnte nicht leugnen, dass ich mich ein kleines bisschen besser fühlte. Das war das erste Mal seit dem Tag, an dem mein Vater gestorben war, dass ich eine Art innere Ruhe verspürte. Doch mit dieser Ruhe kam auch ein beunruhigendes Gefühl, als ob ich etwas Verwerfliches tat. Es fühlte sich nicht richtig an, sich inmitten meiner Trauer mit solchen persönlichen Angelegenheiten auseinanderzusetzen. Schließlich war mein Vater gerade erst verstorben, und ich war dabei, mich in Herzensangelegenheiten zu verstricken. Es war nicht fair gegenüber mir selbst. Ich wusste, dass ich mir die Zeit nehmen musste, um alles zu verarbeiten und zu akzeptieren.

Auf dem Weg zur Kanzlei ging ich den Gedanken durch, wie viel Papierkram auf mich wartete. Ich hatte in Alpers Fall etwas nachgelassen und wusste, dass ich vorankommen musste. Güneş würde ihre Stellungnahme nicht einfach zurückziehen und ändern, und ich konnte mich nicht auf sie verlassen. Es war an der Zeit, das selbst in die Hand zu nehmen, auch wenn ich noch nicht genau wusste wie. Diese Überlegungen würde ich später an meinem Schreibtisch anstellen.

Ich hielt mich für eine gute Verliererin. Ich war es gewohnt, meinem Gegenüber Glückwünsche auszusprechen und mich zurückzuziehen, ohne einen großen Aufstand zu machen. Aber dieses Mal wollte ich nicht verlieren. Verliere war keine Option. Entweder ich würde den Fall gewinnen oder gewinnen – es gab keinen Plan B. Ich war ehrgeizig, aber auf eine gesunde Art und Weise. Ich würde niemandem schaden, auch wenn ich es mit aller Kraft versuchte. So tief war ich nicht gesunken.

Plötzlich ertönte ein Klingeln aus meiner Freisprechanlage. Ich sah auf das Display – eine unbekannte Nummer.

„Hallo? Wer ist da?", fragte ich in das Mikrofon. Es war still, und ich verstand nie, warum Menschen anriefen und dann nichts sagten. „Wenn Sie nichts sagen, lege ich auf!", drohte ich, doch diesmal wollte ich wissen, wer sich am anderen Ende der Leitung befand. Es war mir wichtig, den Unbekannten zur Rede zu stellen und herauszufinden, was er wollte.

Am Ende der Leitung hörte ich eine verzerrte Stimme. Die Stimme ließ mich erschauern. Ich zog das Auto am Straßenrand an und schaltete den Motor aus. „Ich halte mich kurz", sagte die verzerrte Stimme. „Es geht um Alper Kalkan. Hör mir gut zu, ich werde dir alles im Detail erzählen. Was du mit der Information machst, liegt in deinen Händen." Meine Hände zitterten. In was hatte ich mich da nur verwickelt? Wer war diese Person, und was wusste sie über Alper? Der Gedanke, dass er in etwas Verwickeltes verwickelt sein könnte, machte mich nervös.

„Alper ist unschuldig", verkündete die verzerrte Stimme. Ich schüttelte meinen Kopf. Das war nichts Neues für mich. Das wusste ich bereits. Ich versuchte, ruhig zu bleiben und nicht unsicher zu wirken. Die Person durfte nicht merken, dass ich ein einfaches Ziel war. „Sagen Sie mir etwas, was ich noch nicht weiß." Ein unheilvolles Lachen kam von der anderen Seite der Leitung. Es störte mich, denn ich hatte nichts Witziges gesagt. Es war eine ernste Sache.

𝐒𝐞𝐞𝐥𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐦𝐞𝐫𝐳Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt