»Der Abschied hinterließ einen Seelenschmerz, so leise und tief wie das Flüstern vergangener Träume.«
In einer Welt, in der Loyalität und Verrat oft nur einen Atemzug voneinander entfernt sind, gibt es Menschen, die ihre wahren Absichten hinter Mask...
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Mit aufrechtem Gang trat ich in die Kanzlei ein. Die gedämpften Geräusche der hohen Schuhe hallten durch die Flure, ein Rhythmus der geschäftigen Routine. Die meisten trugen Schwarz, obwohl wir keine strikte Kleiderordnung hatten. Die Atmosphäre war sowohl eindrucksvoll als auch einschüchternd. Nach fast drei Jahren in dieser Kanzlei hatte ich mich an die monotone Welt des Papierkrams gewöhnt, doch heute war ich einen Schritt weiter: Ich würde bald meinen eigenen Mandanten vertreten. Der Gedanke daran war sowohl aufregend als auch beängstigend.
Ich fragte mich, ob ich genug für meinen Vater tat. Sein Gesundheitszustand war eine ständige Belastung und obwohl ich wusste, dass mein beruflicher Erfolg wichtig war, konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, dass ich nicht genug für ihn tun konnte. Die Erinnerungen an meine Kindheit, an die Zeit, als er mir Gänseblümchen brachte und uns durch schwere Zeiten half, machten es umso schwieriger. Wie konnte ich es ihm zurückgeben, wenn ich gleichzeitig versuchte, meine beruflichen Ziele zu erreichen?
Meine Gedanken wurden abgründig unterbrochen, als Selma, meine beste Freundin und Kollegin, an der Tür erschien. „Na, es scheint, als hättest du dich wieder einmal von der Außenwelt isoliert," sagte sie und ich bemerkte, dass ihre gewohnte Heiterkeit fehlte. Selma war nicht nur meine Arbeitskollegin, sondern meine Vertraute. Wir hatten uns in der Uni kennengelernt und waren seitdem unzertrennlich. Unsere Freundschaft war eine Konstante in meinem Leben, eine Quelle der Stärke und Unterstützung.
„Selma, hast du Langeweile, oder kann ich mich geehrt fühlen, dich hier zu sehen?" fragte ich, während ich einen Schluck von meinem Kaffee nahm. Ihre ernste Miene ließ mir jedoch keine Ruhe.
„Spuck es aus," forderte ich sie auf, als sie noch zögerte. „Herr Sonay hat mich gebeten, dich zu suchen. Er möchte, dass du in sein Büro kommst. Sein Ton war wie immer neutral." erklärte sie.
Die Erwähnung von Herrn Sonay ließ mein Herz einen Schlag schneller schlagen. Er war der Gründer der Kanzlei, ein gefürchteter, aber bewunderter Mann. Sein Erfolg und seine Autorität machten ihn zu einem Vorbild für alle hier, einschließlich mir. Als ich den Weg zu seinem Büro antrat, fragte ich mich, ob ich den Erwartungen gerecht werden konnte. Konnte ich wirklich meinen eigenen Mandanten erfolgreich vertreten und gleichzeitig die finanziellen Herausforderungen meistern, die mein Vater belasteten?
Nach dreimaligem Klopfen trat ich in Herr Sonays Büro ein und stellte mich aufrecht vor seinem Tisch auf. „Sie hatten mich gerufen," sagte ich, meine Stimme klang fester, als ich mich fühlte.
Er deutete mir mit einer einladenden Handbewegung, Platz zu nehmen. Als ich mich setzte, versuchte ich, meine zittrigen Hände zu verstecken. Ein Gefühl der Unsicherheit und Nervosität beschlich mich. „Möchtest du ein Glas Wasser?" fragte Herr Sonay, als ob er meine Anspannung spüren könnte.
„Ich kenne diesen Blick," begann er schließlich mit einem Hauch von Wärme in seiner Stimme. „Mach dir keine Sorgen. Ich wollte dich loben. Seit genau drei Jahren bist du nun Teil unseres Teams. Ich habe dich lange genug beobachtet, um dir sagen zu können, dass ich in dir großes Potential sehe. Du weißt, was das bedeutet."
Ein Blitz der Freude durchzuckte mich. Die Beförderung bedeutete, dass ich endlich einen eigenen Mandanten bekommen würde. Mein Herz klopfte vor Aufregung und ich konnte nicht verhindern, dass sich ein breites Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete. „Wirst du nur hier sitzen und schweigen?" fragte Herr Sonay, und ich bemerkte, dass er auf eine Reaktion wartete.
„Es tut mir leid, Herr Sonay. Ich bin überglücklich, nur weiß ich nicht, wie ich es in Worte fassen soll. Machen Sie sich bitte keine Sorgen. Ich werde Ihre Kanzlei mit meiner besten Leistung vertreten," sagte ich. Diese Beförderung war ein bedeutender Schritt für meine Karriere und bedeutete eine Gehaltserhöhung. Auch wenn es nicht ausreichte, um die Medikamente für meinen Vater vollständig zu finanzieren, war es ein Anfang.
Unvorbereitet fragte ich ihn, ob es möglich sei, einen Vorschuss auf mein Gehalt zu erhalten. Herr Sonay runzelte die Stirn, und ich wusste sofort, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Wer würde einem Neuling einen Vorschuss gewähren? Die Frage war impulsiv und naiv. Ich entschuldigte mich schnell für meine unüberlegte Frage und verließ das Büro, enttäuscht von mir selbst.
Ich konnte mich nicht von den Gedanken lösen, wie ich mit der zusätzlichen Belastung umgehen sollte. Die finanziellen Sorgen für die Behandlung meines Vaters standen in ständigem Konflikt mit meinem beruflichen Ehrgeiz. Dennoch schwor ich mir, immer professionell zu bleiben und für meinen Erfolg bis zum Ende zu kämpfen.
Ich wusste, dass ich sowohl in meinem Beruf als auch in meinem persönlichen Leben Herausforderungen überwinden musste. Die Beförderung war nur ein Schritt auf einem langen Weg und ich war fest entschlossen, diesen Weg mit Herzblut und Entschlossenheit zu gehen.
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PS: zu viel Ehrgeiz ist nie gut.
Ein kleiner Vorgeschmack zum nächsten Kapitel. Nisa und ihr erster Mandant... mehr sag ich nicht hehe