»Der Abschied hinterließ einen Seelenschmerz, so leise und tief wie das Flüstern vergangener Träume.«
In einer Welt, in der Loyalität und Verrat oft nur einen Atemzug voneinander entfernt sind, gibt es Menschen, die ihre wahren Absichten hinter Mask...
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Es vergingen ein paar Tage, in denen ich von zu Hause aus arbeitete. Oder besser gesagt, aus Alpers Wohnung. Die Wände, die anfangs noch wie ein Rückzugsort gewirkt hatten, fühlten sich zunehmend wie ein Käfig an. Kein Drama, kein großes Gefühl, eher ein leises, stetiges Unbehagen. Ich brauchte Luft. Also stand ich früh auf, zog mich an, machte mir einen Kaffee und setzte mich alleine an den Küchentisch.
Alper war längst weg. Frühaufsteher, wie immer. Neben meinem Kissen hatte er wieder einen Zettel hinterlassen, wie jeden Morgen. Eine kleine Notiz, ein kurzer Satz, mal ein Gedanke, mal ein Spruch. Immer anders, nie kitschig, aber trotzdem so, dass es mir jedes Mal ein Grinsen entlockte. Auch wenn ich es nicht zugeben würde.
„Wenn du deine Sachen verteilst wie gestern, kauf ich dir ein eigenes Zimmer. In einem anderen Haus."
-A
Er war also wieder arbeiten. Es hatte zwei Tage gebraucht, um ihn zu überreden, das verdammte Autohaus loszulassen, zumindest vorerst. Für seine eigene Sicherheit. Keine leichte Diskussion, aber er hatte eingeknickt.
In der Zeit, die wir hier gemeinsam verbracht hatten, hatte ich angefangen, Dinge an ihm zu bemerken. Nichts Weltbewegendes, aber diese Kleinigkeiten summierten sich. Dass er Reis nur mit Joghurt isst, zum Beispiel. Dass er seinen Kleiderschrank farblich sortiert und das Bad so aufgeräumt hält, als hätte er dort nie gelebt. Dass er True-Crime-Dokus bevorzugt, kaum auf sein Handy schaut und in einer Schublade ein halbfertiges Puzzle versteckt hält, das er offensichtlich niemandem zeigen will.
Und dann die Zettel. Überall kleine Haftnotizen. Am Kühlschrank, im Bad, manchmal sogar in seinen Jackentaschen. Gedankenfetzen, Erinnerungen, To-dos. Eine dieser stillen Gewohnheiten, die mehr über jemanden verrät, als ihm selbst vielleicht bewusst ist. Es hatte etwas Beruhigendes. Gleichzeitig machte es mich neugierig.
Ich hatte mich an ihn gewöhnt. An seine Art, an seine Präsenz, an den Rhythmus, den er mitbrachte. Es war kein Feuerwerk, kein großes Kino, aber es hatte Gewicht. Und ich fragte mich, ob er das genauso sah. Oder ob ich in Gedanken schon einen Schritt weiter war, als ich sollte.
Ich leerte meine Tasse, zog meinen Mantel an und trat vor die Tür. Die Morgenluft war kühl, klar, und ein bisschen scharf. Gut so. Vielleicht würde sie helfen, das Gedankenchaos da oben einzuordnen. Die Stadt war noch halb verschlafen. Ich hingegen war hellwach, aber mein Kopf raste in alle möglichen Richtungen.
☯︎
Der Klang meiner Absätze auf dem Flur hallte lauter als sonst. Vielleicht bildete ich mir das nur ein, aber es fühlte sich an, als würde jeder Schritt etwas in mir wachrütteln. Die Unsicherheit. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und dieser unterschwellige Trotz, der sich wie eine zweite Haut um mich legte.
Ich hielt den Kopf oben, mein Blick geradeaus, so wie ich es immer tat. Doch selbst ich konnte die feinen Risse in meiner Haltung spüren. Die Pause hatte gereicht, um meinen Rhythmus aus dem Takt zu bringen. Und jetzt musste ich zurück, als wäre nichts gewesen.