Kapitel 78) Darf ich mitkommen...?

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Lucas Sicht...

„Na gut, dann werde ich jetzt packen gehen. Und du bist sicher, dass ich euch allein lassen kann?" „Ja Mama, kannst du wirklich. Soll ich dir beim Packen helfen?" „Nein, brauchst du nicht."

Mama geht nach oben und vermutlich ins Schlafzimmer, um ihre Tasche für das Wochenende zu packen. Ich bin echt froh, dass sie jetzt doch fährt. Aber ich kann natürlich ihre Bedenken verstehen. Wenn ich an Mamas Stelle wäre, dann wäre mir wahrscheinlich auch nicht wohl dabei. Darüber sollte ich mir aber jetzt nicht weiter Gedanken machen. Leon und ich sind vorhin durch Mama bei unserem Gespräch unterbrochen worden, aber ich möchte noch weiter darüber reden, da ich noch ein paar Sachen auf dem Herzen habe.

„Leon, wir sind ja vorhin unterbrochen worden. Aber ich möchte gerne noch ein paar Sachen dazu sagen. Weißt du, ich verstehe die Sichtweise deines Opas nicht und auch wie du darüber gedacht hast. Ihr und so viele andere habt ein Problem mit Schwulen und behandelt uns auch dementsprechend. Aber glaubst du, dass wir etwas dafür können? Keiner von uns hat sich ausgesucht auf Jungs zu stehen. Es ist einfach so. Die Natur hat uns dazu gemacht und wir wurden nicht gefragt. Wenn du schwul bist, dann hast du es so unglaublich schwer im Leben, weil du ausgegrenzt, beschimpft, geschlagen, erniedrigt und ermordet wirst. Und das nur, weil du bist, wie du bist. Wenn irgendwann der Moment kommt, wo dir klar wird, dass du schwul bist, dann ist das für alle erstmal die Hölle und total schwer zu verkraften.

Viele sind auch nie in der Lage das zu akzeptieren, sich selbst zu akzeptieren. Und wenn das Umfeld dann auch noch so reagiert, dann ist es besonders schwer. Ich habe lange gebraucht, um mich selbst zu akzeptieren, aber irgendwann habe ich verstanden, dass ich mich nicht ändern kann. Dass ich meine Gefühle nicht ändern kann, also habe ich gelernt es zu akzeptieren und mich selbst zu lieben. Dann kamst du und hast mein Selbstwertgefühl wieder kaputt gemacht mit jedem Tag, an dem du mich gemobbt hast.

Es ist nicht fair! Das wir uns verstecken müssen, weil man uns nicht akzeptiert, ist unfair. Wir haben genauso das Recht zu lieben, wen wir wollen. Nur weil du vielleicht nicht verstehen kannst, warum wir so sind, ist es doch trotzdem nicht falsch. Und bevor dein Opa dir all diese Dinge eingeredet hat, hast du auch nie daran gedacht, dass es falsch sein könnte, als Junge einen Jungen zu küssen. Und ich sage dir auch warum, es ist nichts Falsches daran."

Ich weiß nicht, woher ich gerade den Mut nehme, so offen mit Leon zu sprechen, aber diese Worte brennen mir schon lange auf der Seele und jetzt habe ich den Mut, sie endlich auszusprechen. Hoffentlich wird Leon deshalb jetzt nicht sauer.

„Du hast Recht, Luca, und das erkenne ich jetzt erst. Früher war ich nicht in der Lage es zu sehen und es tut mir wirklich leid. Vielleicht habe ich immer gedacht, dass sich ein Mensch plötzlich ändert, wenn er schwul ist. Aber an Marc habe ich gesehen, dass das Quatsch ist. Marc ist immer noch der gleiche Mensch, der er war, bevor ich das über ihn wusste. Ich wäre gerne früher viel schlauer gewesen und hätte das alles gerne früher erkannt. Hoffentlich kann ich irgendwann all meine Fehler, die ich wegen dieser Denkweise gemacht habe, wieder gut machen. Das wäre zumindest ein großer Wunsch von mir. Und du hast Recht, ich sollte mal versuchen mit Julian über alles zu sprechen. Hoffentlich ist er dazu auch bereit."

Was er da sagt, freut mich gerade sehr und ich hoffe wirklich, dass er die Chance bekommt, mit Julian alles klären zu können...

...

Am frühen Abend sitzen Leon und ich immer noch im Wohnzimmer und reden einfach die ganze Zeit. Es ist irgendwie noch immer seltsam, aber fühlt sich gleichzeitig auch irgendwie gut an. Er und ich sind jetzt sozusagen Stiefbrüder, da müssen wir lernen, miteinander klarzukommen. Und irgendwo müssen wir ja damit anfangen.

Living with my Enemy....!Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt