26 - Fabios eigene Ärztin

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(ca. 6200 Wörter)

𝐀𝐋𝐈𝐓𝐀
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Irgendwas bedeckte schon wieder das schwache Licht, was bis eben noch durch meine geschlossenen Augenlider geschien haben musste. Es war unverständlich für mich, warum mir mein Unterbewusstsein mitteilte, dass das die Sonne mich nicht mehr anschien.
War es etwa schon dunkel? Und selbst wenn, warum sollte ich gerade jetzt wach werden?
Allmählich spürte ich meine Finger und die flauschige Decke um mich herum und einen Luftzug, der meine Nackenhaare zu Berge stehen ließ. Hatte ich etwa eine meine Zimmertür oder ein Fenster aufgelassen?
Ein minziger Geruch ließ meine Augen aufflattern. Ich kannte den irgendwoher.

„Ah, Miss Dornröschen ist also aufgewacht.", hörte ich eine raue Stimme sagen. Fabio hatte sich auf meine Bettkante gesetzt und sah mich an. „Wurde auch Zeit."
Ich setzte mich auf. Das Ereignis von vorhin schoss mir in den Kopf und meine Wangen erhitzten sich automatisch.
Er deutete mit dem Kopf zur Tür und stand auf. „Essen ist fertig."

„Oh, schön... Aber ich habe nicht wirklich-"

„Keine Widerrede." Im Türrahmen blieb er stehen und sah mit einem strengen Blick über seine Schulter, der mir sämtliche Gegenargumente verbot. „Seit der Ankunft hast du nichts mehr gegessen."

„Ich-"

„Nein, du kommst jetzt mit. Abmarsch. Raus aus den Federn. Jetzt."

„Okay..." Nun, ich sollte ihn wirklich nicht weiter verärgern. Er klang zwar sehr disziplinarisch, aber noch nicht wütend. Wahrscheinlich sollte ich mir meine Streitkünste für heute Abend aufheben, denn ich musste ihm noch verklickern, dass er mit seinen Wunden nicht ohne weiteres Duschen gehen konnte.
Augenreibend hievte ich mich aus dem Bett folgte ihm nach unten ins Esszimmer, wo es schon fein duftete. Auf dem Tisch stand ein großer Topf mit Spagetti, daneben ein etwas kleinerer mit einer Soße, vermutlich Bolognese drin. Mir lief förmlich das Wasser im Mund zusammen.
Fabio setzte sich und ich tat es auch. Dennoch fühlte ich mich sehr unbehaglich. An die Frische in der untersten Etage hatte ich mich noch nicht gewöhnt. Es fröstelte mich und meine Lippen fingen zu kribbeln an, als nur kurz zu meinem Gegenüber lugte. Während er sich seinen Teller mit Nudeln voll machte, schaute ich zwischen den vielen Flaschen, die neben mir standen, hin und her und entschied mich schlussendlich für die Sprite. Ich öffnete sie und schenkte mir ein. Währenddessen schob mir Fabio sein Glas rüber und schnappte sich dafür meinen leeren Teller.
„Nicht so viel.", sagte ich selbstredend und füllte auch sein Glas, ehe ich es an seinen ehemaligen Platz zurückstellte. Als ich dann meinen Teller zurückbekam, musste ich schlucken.
Frustriert sah ich auf. „Dein Ernst?"

Er lehnte sich zurück und seine Mundwinkel bewegten sich ganz leicht nach oben. „Mein voller Ernst."

„Das schaff ich niemals."

Er musterte mich aufmerksam, ehe er mir eine volle Kelle Bolognese auf die Nudeln gab. „Du wirst mindestens zwei Drittel davon essen." Sein Gesicht verzog sich, während er seinen Arm hob. Augenblicklich sah ich auf den Abdruck des dicken Pflaster, was sich unter dem Ärmel seines T-Shirt versteckte und welchesich gestern über den Schnitt geklebt hatte. Er war relativ tief gewesen, sodass ich Wundnahtstreifen drüber geklebt hatte und eigentlich dürfte da nichts passieren.

„Fabio, was ist los?", fragte ich stirnrunzelnd.

Er schüttelte nur leicht den Kopf. „Hab mich gestoßen."

„Wo?"

„Am Regal in meinem Büro.", sagte er und begann zu essen.

„Lass mich mal sehen."

The Enemy's Addiction (Alte Version)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt